Wahl in Emden Gerüchteküche zu Oberbürgermeister-Kandidaten brodelt
Obwohl erst 2026 wieder die Wahl zum Oberbürgermeister in Emden ansteht, brodelt schon jetzt die Gerüchteküche zu möglichen Kandidaten. Wer wird gegen Tim Kruithoff antreten?
Emden - Noch nie bei einer Oberbürgermeister-Wahl in Emden hatte es eine solche Kandidaten-Auswahl gegeben wie 2019. Bundesweit ging damals durch die Presse, dass beispielsweise Tanja Meyer als Bordellbetreiberin aus dem Whirlpool heraus Wahlwerbung betrieb. Ein Klempner, ein Dönerladen-Inhaber, eine Kassiererin, ein SPD-Bürgermeister aus der Nachbargemeinde, ein IT-Fachmann aus Bad Zwischenahn, ein Diplom-Ingenieur und ein Sparkassen-Firmenkunden-Leiter wollten die Nachfolge von Bernd Bornemann (SPD) antreten. Am Ende holte sich Tim Kruithoff (parteilos) mit 75,4 Prozent der Stimmen den Posten. Wird es jetzt ein ähnliches Kandidaten-Karussell?
Schon jetzt brodelt die Gerüchteküche in Emden, obwohl die Wahl zum Oberbürgermeister erst im Herbst 2026 ist. Tim Kruithoff hatte schon beim Neujahrsempfang im Januar 2024 gesagt, dass er sich auch in einer zweiten Amtszeit für seine Stadt einsetzen werde, wenn das denn gewünscht sei. „Meine große Aufgabe erfüllt mich nach wie vor sehr. Und – auch das gebe ich unumwunden zu – sie fordert mich auch sehr“, sagte er vor einem Jahr. Mehrere Gegenkandidaten hatten sich schon 2024 in Stellung gebracht.
Welche Kandidaten-Gerüchte gibt es?
Franka Helmerichs ist Geschäftsführerin der IG Metall in Emden und in der Stadt dadurch keine Unbekannte. Sie zeigt Präsenz auf Demos für Industrieplätze, für Demokratie und viele andere Themen, die die Stadt bewegen. Als das Gerücht aufkam, dass sie Oberbürgermeisterin werden will, erschien das also nicht ganz abwegig. Am Telefon aber lacht Franke Helmerichs. „Ich wurde auch schon darauf angesprochen. Ich weiß gar nicht, wie die Leute darauf kommen“, sagt sie. Vielleicht weil sie öfter aus Scherz gesagt habe: „Dann mach ich‘s halt selbst“. Klar ist aber: Sie möchte nicht als Kandidatin antreten.
Die Parteien in Emden haben aktuell noch keine neuen Vorschläge für Kandidatinnen oder Kandidaten ins Gespräch gebracht. Die CDU hatte schon früh im vergangenen Jahr Tim Kruithoff Jahr ihre Unterstützung für die Wiederwahl zugesagt. Schon 2019 hatten sie ihm – ebenso wie die Grünen, die FDP und die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Emden (GfE) – ihre Stimme gegeben. Die SPD hatte den ehemaligen Hinteraner Bürgermeister Manfred Eertmoed ins Rennen gebracht, der allerdings nur auf 16,44 Prozent der Wählerstimmen kam. Er kehrte nach der Wahlniederlage Ostfriesland den Rücken und steht nicht mehr zur Verfügung. Aktuell sei die SPD auch noch am Anfang der Debatte rund um die OB-Wahl, sagte Fraktionsvorsitzende Maria Winter auf Nachfrage. Ob sie einen eigenen Kandidaten aufstellen wollen, ist damit offen.
Wer will Kruithoff kippen?
Drei bekannte Gesichter aus dem Wahlkampf 2019 wollen es auch jetzt wieder wagen: allen voran Ingo Weber. Der gebürtige Emder, der in Bad Zwischenahn lebt, hatte sich schon früh ins Gespräch gebracht. In Emden ist er nicht nur durch die Wahl bekannt, auch mit der Initiative „Ja zu Janssens Tuun“ blieb er im Gespräch. Diese setzte sich zu Beginn für ein kleines Wäldchen mit dem Namen „Janssens Tuun“ ein, das für den Vogelschutz gerodet wurde. Mittlerweile organisieren sie beispielsweise Gewässer-Clean-ups oder Baumpflanzungen. Er kam 2019 auf 0,88 Prozent.
Auch Tanja Meyer möchte es noch einmal als Kandidatin versuchen. Sie sorgte beim Wahlkampf nicht nur mit ihren Videos im Whirlpool bundesweit für Furore. Auch danach hörte man immer wieder von ihr: Die Emderin setzte sich unter anderem während der Corona-Zeit gegen zu strenge Hygiene-Auflagen für Bordelle ein, unter anderem bei der Aktion „Schaltet das Rotlicht an“. Bei einem Tag der offenen Tür zeigte sie Interessierten den Club Cheri beim Borkumkai. Insgesamt geht sie sehr offen mit dem Thema Prostitution um – eine Seltenheit in der Branche. Bei der Wahl 2019 kam sie auf 1,19 Prozent.
Der Dritte im Bunde ist Reza Darbani. Auch er ist in Emden kein Unbekannter: Als Klempner mit „Spülwagen-Entertainment“ nimmt er seine Facebook-Freunde durch Videos gerne mit zu Jobs und erzählt währenddessen von seinem Leben. Mit seinen Bingo-Abenden füllt er regelmäßig die Pumpstation in Port Arthur/Transvaal. Gegenüber der Emder Zeitung sagte er im vergangenen Jahr, dass er sich eine weitere Kandidatur vorstellen könne. Auf unsere Nachfrage, ob das immer noch so ist, hat er er aktuell noch nicht geantwortet. Er kam 2019 auf 2,12 Prozent.
Kann sich jeder zur Wahl aufstellen lassen?
Es gibt ein paar Voraussetzungen, die für eine Kandidatur erfüllt werden müssen. Zum einen müssen die Kandidaten zwischen 23 und 67 Jahre alt und deutsche oder EU-Staatsbürger sein. Der Wohnort muss nicht zwingend im Wahlgebiet liegen. Unterstützungsunterschriften sind aber notwendig. Die Anzahl ist abhängig von der Einwohnerzahl der Kommune. In Emden sind 250 Unterschriften von wahlberechtigten Personen des Wahlbereichs nötig.