Vater war Profi  Ungewöhnliche Liebesgeschichte führte Germania-Coach nach Leer

| | 19.03.2025 15:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In der Corona-Zeit lernten sich Jan-Niklas Eickels und seine Freundin Nathalie Pauls über einen Instagram-Live-Stream kennen. Danach funkte es zwischen den beiden. Foto: Privat
In der Corona-Zeit lernten sich Jan-Niklas Eickels und seine Freundin Nathalie Pauls über einen Instagram-Live-Stream kennen. Danach funkte es zwischen den beiden. Foto: Privat
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Jan-Niklas Eickels ist erst 28 Jahre alt, aber schon seit 15 Jahren im Trainergeschäft. Der neue Coach von Germania Leer spricht über seinen berühmten Vater, den Weg nach Leer und einen Schicksalsschlag.

Leer - Beim Traditionsverein Germania Leer soll sich in der kommenden Saison einiges tun. Ein Gesicht, das ganz stark den Neuanfang mit prägen soll, ist der neue Cheftrainer Jan-Niklas Eickels. Der erst 28-jährige Trainer versprüht beim Redaktionsbesuch viel Optimismus und Vorfreude auf seine erste allein verantwortliche Traineraufgabe im Herrenbereich. Ab dem Sommer wird er der Nachfolger von Erhan Colak, der dann im Vorstand den Posten des Sportlichen Leiters einnehmen soll. Gemeinsam basteln sie zusammen mit dem neuen Fußball-Abteilungsleiter Lutz Fiedler an der Zusammenstellung des neuen Kaders für die Bezirksliga.

Jan-Niklas Eickels freut sich auf seine neue Aufgabe bei Germania Leer. Foto: Herzog
Jan-Niklas Eickels freut sich auf seine neue Aufgabe bei Germania Leer. Foto: Herzog

Die letzten Jahre bei der Germania waren gelinde gesagt turbulent, mit vielen Wechseln auf wichtigen Positionen. Das schert Eickels überhaupt nicht. „Ich blicke nicht zurück, sondern nur nach vorne. Wir wollen hier mit ganz vielen jungen Spielern und einigen erfahrenen Ecksäulen etwas aufbauen. Dafür bin ich der Richtige“, versichert Eickels, der nach der Bekanntgabe schon einige Glückwünsche aus dem Leeraner Umfeld bekommen hat. Es habe aber auch Nachfragen gegeben, warum er sich das antue.

„Alter Hase“ mit 28 Jahren

Eickels ist zwar erst 28 Jahre alt, als Trainer aber fast schon ein „alter Hase“. Mit 13 Jahren hat er bereits bei seinem Heimatverein TuRu Düsseldorf damit begonnen, die Bambinis zu trainieren. Trainiert wurde er in der Jugend ganz lange von seinem Vater Konrad „Conny“ Eickels, der seine Karriere bei Fortuna Düsseldorf begann und danach insgesamt 287 Zweitliga- und 25 Bundesliga-Spiele für RW Oberhausen, Greuther Fürth, Preußen Münster und den 1. FC Saarbrücken absolvierte. „Der Sport und in erster Linie der Fußball standen bei uns immer im Mittelpunkt. Mein Vater ist jetzt mit 68 Jahren immer noch Nachwuchstrainer in Düsseldorf“, berichtet Eickels. Auch seine Mutter war hochklassig am Ball, Angelika Eickels spielte für Fortuna Düsseldorf in der Handball-Bundesliga.

Mit seinem Heimatverein TuRu Düsseldorf traf Jan-Niklas Eickels in einem Testspiel einst auf Fortuna Düsseldorf, hier ein Bild mit Fortuna-Trainer Daniel Thioune. Foto: Privat
Mit seinem Heimatverein TuRu Düsseldorf traf Jan-Niklas Eickels in einem Testspiel einst auf Fortuna Düsseldorf, hier ein Bild mit Fortuna-Trainer Daniel Thioune. Foto: Privat

Im Nachhinein gesteht er ein, dass er in seiner Jugend vielleicht einmal eine andere Entscheidung hätte treffen sollen. „Mein Ziel war früher schon, es in den Profibereich zu schaffen. Ich hatte Probetrainings bei der Fortuna, in Gladbach und Köln, bin dann aber doch immer bei meinem Vater geblieben“, berichtet Eickels, der auf der Zehner- oder Sechser-Position spielte. So hat er in seiner Vita für TuRu Düsseldorf drei Einsätze in der Fußball-Oberliga vorzuweisen, auch als Trainer coachte er interimsweise den Verein mal verantwortlich in der fünfthöchsten Spielklasse und war unter Ex-Profi Dennis Brinkmann auch schon Co-Trainer der Düsseldorfer (2017/2018). „In dieser Spielzeit habe ich sehr viel gelernt, auch viele Einheiten eigenverantwortlich geleitet.“ Daher ist ihm vor der anspruchsvollen Aufgabe in Leer, den Verein in der Bezirksliga zu stabilisieren, nicht bange.

Schicksalsschlag in der Familie

Die ungewöhnliche Liebesgeschichte, die ihn vor vier Jahren nach Leer führte, muss er in Verbindung mit einem familiären Schicksalsschlag erzählen, denn sein Bruder Dominik verstarb Ende letzten Jahres. Mit Dominik, der jahrelang für den Düsseldorfer Eishockey-Profiverein DEG im Ticketing-Bereich arbeitete, vertrieb er sich in den Corona-Anfängen dank der guten Kontakte seines Bruders zur Düsseldorfer Prominenz die Zeit mit einigen Instagram-Live-Events. An einem nahm auch Nathalie Pauls aus Leer teil.

Jan-Niklas Eickels bei einem Familientreffen mit seinem Vater Konrad, Mutter Angelika und dem im November verstorbenen Bruder Dominik. Foto: Privat
Jan-Niklas Eickels bei einem Familientreffen mit seinem Vater Konrad, Mutter Angelika und dem im November verstorbenen Bruder Dominik. Foto: Privat

„Erst haben wir uns über Instagram nur geschrieben, daraus ist dann mehr geworden, dann bin ich nach Leer gezogen“, erzählt Eickels. Und wie es der Zufall wollte, ist Nathalie Pauls auch fußballbegeistert, spielt selber bei Borussia Leer und trainiert ebenfalls im Nachwuchsbereich beim VfR Heisfelde. Bei einem der ersten Familientreffen habe sich dann auch noch herausgestellt, dass Nathalies Vater Helmut, der auch eine Düsseldorfer Vergangenheit hat, früher großer Fan vom Spieler „Conny“ Eickels gewesen sei. „Da sind dann beim ersten Treffen sogar Tränen geflossen.“

Bleibt Kapitän Nick Kaßmann?

In der Anfangszeit nahm Eickels noch große Strapazen auf sich und pendelte zwischen Ostfriesland und Düsseldorf. Denn er trainierte nicht nur eine Jugendmannschaft in Heisfelde, sondern betreute auch noch weiter eine Mannschaft bei TuRu Düsseldorf. Auch jetzt fährt der Familienmensch und Heisfelder Jugendobmann noch regelmäßig in seine rheinische Heimat.

In den nächsten Wochen wird man Eickels, der als Integrationshelfer an einer Schule arbeitet, noch häufiger auf den Fußballplätzen in Ostfriesland sehen. „Klar werde ich mir so viele Spiele wie möglich von Germania ansehen, aber natürlich auch schon einige andere in der Bezirksliga. Dann müssen wir am Ende sehen, was für einen Kader wir für die neue Spielzeit zusammenstellen können.“ Er hoffe, dass auch erfahrene Spieler wie zum Beispiel Kapitän Nick Kaßmann dem Verein die Treue halten, Definitives konnte er am Dienstag noch nicht verraten.

Vielleicht gelingt es ihm dann ja auch, bei Germania Leer einen weiteren künftigen Profi mitzuformen. Die Talente King Manu (Hansa Rostock) und Kelven Frees (TSG Hoffenheim) spielten in ihrer Jugend auch schon unter Jan-Nicklas Eickels.

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