Paris Das französische Fox-News: Wie sich ein Milliardär in die Medienwelt einmischt
Der französische Milliardär und Medienmogul Vincent Bolloré lässt in seinen Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern konsequent rechtsextreme Positionen verbreiten. Marine Le Pen ist für ihn zu sozial eingestellt. Welche Ziele verfolgt er?
Es ist Tradition in Frankreich, dass sich private Medien in den Händen von Großindustriellen befinden. So gehören dem reichsten Mann des Landes und Chef des Luxuskonzerns LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy), Bernard Arnault, das Wirtschaftsblatt „Les Echos“, die Pariser Tageszeitung „Le Parisien“ und der Sender „Radio Classique“. Dessen Schwiegersohn, der Tech-Milliardär Xavier Niel, ist einer der Hauptaktionäre von „Le Monde“ und Besitzer der Regionalzeitungsgruppe „Nice-Matin“. Patrick Drahi, ebenfalls Unternehmer im Telekommunikations-Bereich, war lange Eigentümer der Sender BFMTV und RMC sowie der Zeitung „Libération“.
Sie alle verfolgen mit ihrer Medien-Strategie eigene Interessen. Doch keiner der französischen Mogule hat eine so klare Agenda wie Vincent Bolloré. Der 72-jährige Milliardär, der im Bau-, Logistik- und Werbegeschäft aufstieg, unterstützt offensiv konservative und rechtsextreme, seit der Wiederwahl von Donald Trump als US-Präsident zunehmend auch Kreml-freundliche Positionen.
Zu Bollorés Imperium, das sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erweitert hat, zählen so populäre Medien wie der Info-Fernsehsender „CNews“, die Radiostation „Europe 1“, die Illustrierte „Paris Match“ und die Sonntagszeitschrift „Le Journal du Dimanche“ (JDD). Nach der Übernahme des JDD streikte die Redaktion im Sommer 2023 wochenlang gegen die neue Leitung, viele Journalisten verließen schließlich aus Protest das Traditionsblatt.
Auch das Verlagshaus Fayard gehört Bolloré, das sowohl die Autobiografie von Jordan Bardella, Chef des rechtsextremen Rassemblement National (RN), herausgegeben hat als auch ein Buch der ehemaligen Chefin des französischen Ablegers des russischen Staatssenders Russia Today (RT), Xenia Fedorova. Sie kommt regelmäßig in Bollorés Medien zu Wort.
Ein Rückschlag für den Geschäftsmann war es, als die französische Medienaufsicht einem weiteren seiner Sender, „C8“, im Februar die Sende-Frequenz entzog, nachdem eine Show mit dem streitbaren Star-Moderator Cyril Hanouna unter anderem wegen Beleidigungen und großer Einseitigkeit wiederholt, aber folgenlos gerügt und sanktioniert worden war.
Seitdem reihen sich Politiker der politischen Rechten, wie RN-Chef Bardella, hinter dem US-Vize-Präsident J.D. Vance ein, um wie dieser einen vermeintlichen Mangel an Meinungsfreiheit in Europa zu beklagen. Bollorés Sonntagszeitung JDD stellte den – sachlich von der Regulierungsbehörde begründeten – Frequenz-Verlust als „politische Entscheidung, um abweichende Meinungen zum Schweigen zu bringen“, dar.
Hanounas umstrittene Show wird derweil online ausgestrahlt, wo der 50-Jährige gegen Emmanuel Macron als angeblichen „Kriegstreiber“ wettert, seit der französische Präsident große Anstrengungen für eine nationale und europäische Aufrüstung angekündigt hat. „Mir macht er Angst“, sagte der Moderator Anfang März über den Staatschef. „Er spricht extrem kriegerisch. Er hat nicht verstanden, dass man mit Donald Trump reden müssen wird.“
Auch die EU wird in Bollorés Medien regelmäßig zur Zielscheibe: Mal heißt es dort, es handle sich um eine Erfindung der USA, dann wieder wird die Lüge verbreitet, dass Jean Monnet, einer der Wegbereiter der späteren Europäischen Union, ein Agent des US-Auslandsgeheimdienstes CIA gewesen sei. Russland sei keine Gefahr, versichern Bollorés Talkshowgäste – eine Ansicht, die laut Verteidigungsminister Sébastien Lecornu „nicht ein einziger Agent des französischen Auslandsnachrichtendienstes und nicht ein Stabsoffizier“ teilt.
Durch die Diversifizierung seiner Medien – Presse, Fernsehen und Radio – hat Bolloré eine enorme Reichweite im Land und kann Debatten stark beeinflussen. „Noch nie war in Frankreich so viel Einfluss in den Händen eines einzelnen Mannes konzentriert“, sagt der Medienhistoriker Alexis Lévrier. „Und nie wurde ein derartiger Einfluss benutzt, um ein so extremes Programm zu bewerben.“ Bollorés Vorbild sei der US-australische Medienunternehmer Rupert Murdoch, „CNews“ gilt als „französische Version von Fox News“, Trumps Haussender in den USA.
Stand der Geschäftsmann und strenge Katholik 2007 bei der Wahl von Nicolas Sarkozy noch hinter diesem, so ist Bollorés politisches Hauptziel heute laut Lévrier der „Zusammenschluss der Rechten“. „In diesem Fall müssten die Barrieren fallen, die lange die klassische und die extreme Rechte voneinander trennten.“ Ein erster Versuch erfolgte im vergangenen Sommer vor den Parlamentswahlen, als der damalige Chef der bürgerlich-rechten Republikaner, Éric Ciotti, die Angliederung an den rechtsextremen RN bekanntgab – abgesehen von ein paar Ausnahmen folgte ihm seine Partei jedoch nicht.
Ciotti hatte sein Vorgehen eng mit Bolloré abgesprochen. Dieser hält Lévrier zufolge wenig von RN-Fraktionschefin Marine Le Pen, „die in seinen Augen zu sozial eingestellt ist“, lobt aber den liberaleren Parteichef Bardella. Ein Sieg des RN bei Präsidentschaftswahlen wäre „sein Triumph, für den er sein Medienimperium gegründet hat“.