Osnabrück Machtdemonstration in Grönland: Usha Vance reist mit hochrangiger US-Delegation an
Die USA üben weiter Druck auf Grönland aus. Der Besuch von Usha Vance und einer hochrangigen US-Delegation kann als Machtdemonstration verstanden werden. Größerer amerikanischer Einfluss gilt als Ziel – doch die Grönländer reagieren widerwillig.
Zwei massiv wirkende dunkelgraue Herkules-Propellermaschinen des US-Militärs sind bereits auf dem neuen Flughafen der grönländischen Hauptstadt Nuuk gelandet; an Bord waren vier schusssichere SUVs und Personal amerikanischer Dienste - die Vorhut der angeblich touristischen Visite von Usha Vance. Die Ehefrau des US-Vizepräsidenten JD Vance wird sich von Donnerstag drei Tage lang Attraktionen der arktischen Insel wie ein bekanntes Hundeschlittenrennen anschauen.
„Bei dem Besuch geht es darum, mehr über Grönland, die Kultur, Geschichte und Menschen des Landes zu erfahren.“ so die offizielle Erklärung aus dem Weißen Haus. Dass es sich hierbei eher um eine politische Machtdemonstration handelt, vermittelt jedoch die Besetzung der Entourage: US-Sicherheitsberater Mike Waltz sowie US-Energieminister Chris Wright gehören dazu, die den US-Militärstützpunkt „Pituffik Space Base“ im Norden Grönlands inspizieren wollen.
Seit Dezember erklärt Donald Trump mehrfach, die USA müssten die Kontrolle über das arktische Gebiet erlangen. Aus strategischen Gründen und wegen der Bodenschätze, heißt es. Auch eine militärische Annexion schließt der US-Präsident nicht aus.
Der scheidende Regierungschef in Nuuk, Mute B. Egede hat die amerikanische Delegation nicht geladen und will sie auch nicht empfangen. „Jetzt müsse die internationale Gemeinschaft reagieren“, so der Appell des linken Politikers, der Grönland von den USA „inakzeptabel behandelt“ sieht. Anfangs hatte Egede noch die internationale Aufmerksamkeit um das Land mit 57.000 Einwohnern genossen und sich umfassende US-Investitionen erhofft.
Die meisten Parteien streben zudem eine Unabhängigkeit von Dänemark an, welches noch die Außen- und Sicherheitspolitik des arktischen Gebiets bestimmt. Doch vielen Insulanern wird bewusst, dass ihre Meinung in Washington nicht wirklich zählt.
„Wir sollten nicht in Panik geraten“, so Jens-Frederik Nielsen, der mit seiner eher dänemarkfreundlichen Partei „Demokraatit“ Anfang März die grönländischen Wahlen gewonnen hatte und eine breite Koalition anstrebt, um den USA geschlossener entgegentreten zu können. Den Besuch aus den Vereinigten Staaten spielt er als „reine Charme-Offensive“ herunter.
Auch die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen übt Zurückhaltung. Noch 2019 wies die Sozialdemokratin Trumps Offerte, Grönland zu kaufen, brüsk zurück, sie sprach von einer „absurden Idee“. In letzter Zeit ließ Frederiksen ihren Außenminister Lars Lökke Rasmussen auf die Vorstöße Trumps antworten. Den Besuch von Usha Vance kommentierte sie auch diesmal nicht direkt, forderte jedoch, dass die USA „die Souveränität Grönlands respektieren müssten“.
Wie ernst die Regierungskoalition die Herausforderung durch die USA nimmt, zeigt jedoch, dass parallel zu den Herkules-Maschinen ein Flugzeug mit 60 dänischen Polizeikräften in Nuuk angekommen ist. Jene sollen offiziell die grönländischen Beamten bei der Absicherung des amerikanischen Besuchs unterstützen – und nebenbei auch dänische Präsenz und Stärke vermitteln.
Schließlich ist der bislang amerikafreundliche NATO-Verbündete nicht mehr gut im Trump-Lager gelitten. Der Republikaner stellte mehrfach ihre Fähigkeit in Zweifel, die Insel verteidigen zu können, woraufhin Kopenhagen mit erhöhten Militärausgaben reagierte.
Im Gespräch mit Mark Rutte, dem NATO-Generalsekretär, sprach der US-Präsident Dänemark schließlich ab, Rechte auf die Insel zu haben, die lange eine Kolonie des Königreiches war. Dänemark sei „kein guter Verbündeter“ meinte JD Vance. Ein entsprechendes Video geht im Königreich gerade viral.
Und dass Trump nun seinen Vertrauten, den ehemaligen Elitesoldaten und aktuellen „Falken“ der US-Sicherheitspolitik, Mike Waltz, nach Grönland schickt, sieht Dänemarks öffentlich-rechtlicher Sender DR als „starkes politisches Signal“. Ein Signal senden jedoch auch die Grönländer selbst, nach Umfragen wollen 85 Prozent keine Amerikaner werden.
Mehrere US-Anfragen für ein Gespräch sei von Grönländern abgelehnt worden, darunter sei auch der leitende Politiker der Region Qeqqata, so berichtet die Insel-Zeitung „Sermitsiaq“, den Usha Vance treffen wollte. Die Organisatoren des Hundeschlittenrennens „Avannaata Qimussersua“ legen Wert darauf zu vermitteln, die Amerikanerin nicht eingeladen zu haben – obwohl US-Gelder das Ereignis mitfinanzieren.
Die Behörden rechnen mit Demonstrationen. In dem Ort Sisimiut, den Vance besuchen wird, ist bereits seit Tagen der Däne Jens Martin Skibsted unterwegs, welcher kostenlos rote Baseballkappen mit der Aufschrift: „Make America Go Away“ (etwa: Vertreibt die Amerikaner) verteilt.