Hannover.  Nazi-Jagd 80 Jahre nach Kriegsende – muss es nicht endlich mal gut sein damit?

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 30.03.2025 16:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Hinter dem Stacheldraht des Konzentrationslagers Buchenwald spielten sich unvorstellbare Verbrechen ab. Viele Täter aus der NS-Zeit mussten sich nie verantworten. Foto: dpa/Martin Schutt
Hinter dem Stacheldraht des Konzentrationslagers Buchenwald spielten sich unvorstellbare Verbrechen ab. Viele Täter aus der NS-Zeit mussten sich nie verantworten. Foto: dpa/Martin Schutt
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. 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und den Verbrechen der Nationalsozialisten verstummen die letzten Zeitzeugen. Wie künftig erinnert wird, liegt in den Händen der Enkel-Generation. Drei Beobachtungen, die Sorgen bereiten sollten:

Die Strafverfolgung der letzten noch lebenden NS-Verbrecher dauert 80 Jahre nach Kriegsende an. Wer in Lagern als Wachmann oder Schreibkraft gearbeitet hat, kann nicht sicher sein, dass ihn dieser Umstand nicht doch noch vor dem absehbaren Tod in Form strafrechtlicher Ermittlungen einholt. Dass dies nicht immer so war, ist ein schweres Versäumnis der deutschen Justiz.

Was soll das eigentlich, ist in dem Kontext eine häufig gestellte Frage. Die aber entlarvt einen Generationen übergreifenden Verdrängungsprozess. Denn würde so fragen, wessen Vorfahren nicht auf der Täter-, sondern der Opferseite standen? Wohl kaum. Die Erzählung von der Schuld der Wenigen, insbesondere der ausschließlichen Schuld von denen da oben, ist eine Mär; eine Lebenslüge, die wohl nötig schien für einen unbelasteten Neuanfang nach dem Massenmorden.

80 Jahre nach dessen Ende ist keinesfalls gesichert, wie künftig an die NS-Zeit erinnert wird und welche Lehren aus ihr zu ziehen sind. Es sterben nicht nur die letzten noch lebenden Täter. Auch die Stimmen der Opfer werden immer leiser und verstummen alsbald. Es wird absehbar niemand mehr aus eigenem Erleben die Gräuel schildern können. Was bleibt, sind die Erinnerungen an Erzählungen, aber vor allem Dokumente als untrügliche Beweise für Verbrechen und Verantwortliche.

Die Verantwortung für Aufklärung und Aufarbeitung geht an die Enkel-Generation über. Drei Beobachtungen, die Zweifel am Gelingen aufkommen lassen:

1. Juden können sich 80 Jahre nach dem Holocaust auf Straßen in Deutschland nicht sicher fühlen. Jenseits von Sonntagsreden wird das einfach hingenommen.

2. Gleichsetzungen mit dem Nationalsozialismus werden derart inflationär gebraucht, um Diskursgegner zu diskreditieren, dass damit eine Banalisierung der NS-Verbrechen einhergeht: ,Wer nicht meiner Meinung ist, ist Nazi’

3. Mit der AfD kommt eine Partei der Macht immer näher, deren Spitzenpersonal sich immer wieder verharmlosend über die Zeit des Nationalsozialismus äußert. Die AfD bedient die seit jeher verbreitete, aber bislang nie mehrheitsfähige Grundhaltung, dass nun ja auch mal Schluss sein müsse mit Aufarbeitung und Aufklärung.

Möge sich diese Haltung niemals durchsetzen!

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