Zig Millionen Euro investiert  Was ist da los im Emder Hafen?

| | 31.03.2025 18:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Planer von Niedersachsen Ports: Holger Banik (links) und Aiko Hollander. Foto: Teschke
Die Planer von Niedersachsen Ports: Holger Banik (links) und Aiko Hollander. Foto: Teschke
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Im Emder Hafen gibt es derzeit so viele Baustellen wie – zumindest gefühlt – noch nie. Zig Millionen Euro werden investiert. Die Verantwortlichen gewähren nun Einblicke, was mit dem Geld passiert.

Emden - Die landeseigene Hafen-Gesellschaft Niedersachsen Ports hat für Emden Anspruch auf bis zu 250 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes angemeldet. Investiert werden könnte die viertel Milliarde in die Sanierung des Emskais (50 bis 70 Millionen Euro) und den Ausbau des Wybelsumer Polders (150 bis 180 Millionen Euro). Das sagte NPorts-Geschäftsführer Holger Banik am Montag in Emden. Für sämtliche Häfen in Niedersachsen hielte Banik einen Betrag von 2,2 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für sinnvoll.

In der Tat steht der Seehafen Emden in diesem und in den nächsten Jahren vor großen Aufgaben. Es geht um nicht mehr und nicht weniger knapp 9400 Menschen, deren Arbeitsplätze direkt und indirekt vom Hafen abhängig sind. „So viele wie in keiner anderen niedersächsischen Hafenregion“, wie Banik betonte. „Das ist unser wichtigster Antrieb und Motor: Mit jedem investierten Euro sichern wir Arbeitsplätze und gestalten aktiv die Zukunft der Region. Darin zeigt sich die wahre Bedeutung der Häfen.“

Hier wird investiert: die Baustellen im Emder Hafen. Foto: Falcon Crest; Grafik: NPorts
Hier wird investiert: die Baustellen im Emder Hafen. Foto: Falcon Crest; Grafik: NPorts

Diese Rolle spielt VW Emden

Die rund 8000 Arbeitsplätze bei VW, deren Autos vom Hafen aus in die Welt verschifft werden, sind bei den knapp 9400 Beschäftigten noch nicht eingerechnet. Dabei bekommt auch der Hafen Emden die Flaute bei den E-Autos zu spüren. War vor gut zehn Jahren noch davon ausgegangen worden, dass jährlich 1,9 Millionen bis 2,4 Millionen Fahrzeuge im Emder Hafen umgeschlagen werden, sind es heute lediglich 1,2 Millionen bis 1,4 Millionen Fahrzeuge jährlich.

Dennoch benötigt der Emder Hafen laut Banik unter anderem für den wachsenden On- und Offshore-Markt Kapazitäten – auch um sich etwa gegen Eemshaven und Bremerhaven behaupten zu können. Die wichtigsten Projekte sind dabei der Großschiffsliegeplatz und die Große Seeschleuse.

Das passiert beim Großschiffsliegeplatz

Der Bau des lange geplanten neuen Liegeplatzes für Großschiffe soll noch im Juni dieses Jahres starten, wie der Emder Niederlassungsleiter von NPorts, Aiko Hollander, am Montag ankündigte. Die Kosten betragen demnach voraussichtlich 70 Millionen Euro. Es ist der Lückenschluss zwischen Emspier und Emskai. Nach der Fertigstellung sei es aufgrund der geplanten Tidesteuerung erforderlich, die Kaimauer am Emskai zu erneuern, damit tiefer gebaggert und der Tiefgangsverlust ausgeglichen werden könne. Denn, so Hollander, durch die Tidesteuerung würden die Liegeplätze im Emder Außenhafen bei Niedrigwasser etwa 40 Zentimeter Wassertiefe verlieren, wodurch die Schiffe, vornehmlich Autotransporter und Zelluloseschiffe, nicht mehr voll abgeladen werden könnten. Hinzu käme, dass die Transporter der schwereren E-Autos zusätzlich etwa 30 Zentimeter mehr Tiefgang hätten. Der Großschiffsliegeplatz soll Ende 2027, Anfang 2028 fertig sein.

Hintergrund des Vorhabens ist neben der Wettbewerbsfähigkeit des Hafens die geplante sogenannte Tidesteuerung der Ems mithilfe des Emssperrwerks bei Gandersum. Damit soll die Ökologie des Flusses verbessert werden, der seit Jahrzehnten unter den Folgen von wachsenden Schlickmassen leidet. Naturschützer sehen als Hauptursache die Ausbaggerungen des Flusses. „Der Großschiffsliegeplatz und die Tidesteuerung sind zwei Themen, die zusammengehören“, sagte NPorts-Geschäftsführer Banik. „Wir wollen die Möglichkeit schaffen, dass die Tidesteuerung umgesetzt werden kann, damit der Masterplan Ems auch funktioniert.“ Im Masterplan Ems ist ein Maßnahmen-Bündel vorgesehen, etwa um flusstypische Lebensräume wieder herzustellen und um die Wasserqualität zu verbessern – die Tidesteuerung ist ein Baustein darin.

Modernisierung für 100 Millionen Euro: die Große Seeschleuse im Emder Hafen. Foto: Burmann/NPorts
Modernisierung für 100 Millionen Euro: die Große Seeschleuse im Emder Hafen. Foto: Burmann/NPorts

Das passiert bei der Großen Seeschleuse

Nicht weniger wichtig ist die Modernisierung der Großen Seeschleuse, die den Außenhafen und den Binnenhafen miteinander verbindet. „Das Bauwerk ist ein besonderes Unikat und für die Modernisierung gibt es keine Arbeitsroutinen“, sagte Banik am Montag. NPorts hatte Anfang Juni vergangenen Jahres mit der Sanierung der über 100 Jahre alten Schleuse begonnen.

Erforderlich sind laut NPorts sowohl eine Sanierung und eine Anpassung an den Stand der Technik der Bau-, Maschinen und Elektrotechnik als auch eine Anpassung an die Forderungen des Hochwasserschutzes. Die Gesamtkosten werden laut Schätzung bei mindestens 100 Millionen Euro liegen. Derzeit wurde den Angaben zufolge bereits ein Volumen von rund 40 Millionen Euro beauftragt. Die Arbeiten an der 260 Meter langen Schleuse sollen weitestgehend bei laufendem Betrieb stattfinden und rund zehn Jahre dauern.

Gründe genug also, für die Häfen in Niedersachsen noch ein wenig Geld in die Hand zu nehmen. Zum Vergleich zu den oben genannten Summen: Pro Jahr gibt es vom Bund für die Länder einen sogenannten Hafenlastenausgleich von 38 Millionen Euro für Belastungen durch die Seehäfen.

Mit Material von DPA

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