Hannover  „Sesamstraße“: Prosieben und AfD-Abgeordnete streiten wegen geplantem Simonetti-Auftritt

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 02.04.2025 14:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Riccardo Simonetti wird in der kommenden Staffel der „Sesamstraße“ zu sehen sein. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd
Riccardo Simonetti wird in der kommenden Staffel der „Sesamstraße“ zu sehen sein. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd
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Der angekündigte Gastauftritt des homosexuellen Moderators Riccardo Simonetti in der „Sesamstraße“ hat für Wut im Internet gesorgt. Mehrere Tage später scheint die Debatte nicht abzuklingen: Jetzt streiten sogar Prosieben und eine AfD-Abgeordnete aus Niedersachsen diesbezüglich miteinander.

Es sollte vom NDR eigentlich nur eine harmlose Werbemeldung sein, dass Riccardo Simonetti in der nächsten Staffel der beliebten „Sesamstraße“ zu sehen sein wird. Doch was dann folgte, war eine Welle an homophoben Kommentaren im Internet. Der Hass ging sogar so weit, dass sich der Sender gezwungen sah, die Kommentarspalte auf Facebook zu schließen.

Auch auf anderen Plattformen brach wegen dieser Ankündigung eine Debatte aus. Auf der Kurznachrichtenplattform X sorgte sie nun sogar zum Streit zwischen dem Fernsehsender Prosieben und Vanessa Behrendt, AfD-Landtagsabgeordnete in Niedersachsen.

Den Stein ins Rollen gebracht hat Behrendt, die den geplanten Auftritt des homosexuellen Promis kritisierte. Als Reaktion auf eine Zeitungsüberschrift zu diesem Thema schrieb sie: „Hass und Hetze gegen eine (was auch immer) Person im Kinderfernsehen. Vielleicht einfach mal unsere Kinder mit eurem woken Mist in Ruhe lassen? Schon ist das Problem gelöst.“

Das nahm Prosieben als Anlass, ein erstes Mal darauf zu reagieren: „Vielleicht einfach mal aufhören zu hetzen, Frau Behrendt.“ Damit könnte sich der Sender auch auf andere Postings der familienpolitischen Sprecherin der AfD-Landtagsfraktion beziehen.

Denn: Immer wieder äußert sich Behrendt kritisch gegenüber der LGBTQ-Szene. Gerade mit Blick auf die Kindererziehung sieht sie einen negativen, gar gefährlichen Einfluss. So schrieb sie beispielsweise kürzlich: „Vielfalt und Toleranz werden unsere Nation zerstören.“ Zudem liegt nach Angaben des NDR eine Strafanzeige gegen die 40-Jährige mit Verdacht der Volksverhetzung vor, weil sie die Regenbogenfahne als Symbol für „Machenschaften pädophiler Lobbygruppen“ und als „LGBTQ-Propaganda“ bezeichnet haben soll.

Die Antwort von Prosieben wollte Behrendt nicht unkommentiert lassen: „Was ist dieses Prosieben?“, schrieb sie zurück und wollte damit wohl deutlich machen, dass der Sender und dessen vertretene Ansicht für sie bedeutungslos seien.

Prosieben antwortete wieder und suchte einen Vergleich mit der AfD-Parteichefin Alice Weidel: „Sie stellen den Entertainer Riccardo Simonetti an den Pranger, weil er einen Mann liebt. Dürfte Ihre Parteivorsitzende auch nicht in die #Sesamstrasse?“ Zum Verständnis: Weidel lebt seit vielen Jahren mit ihrer Partnerin Sarah Bossard in einer gleichgeschlechtlichen Ehe.

Behrendt winkte daraufhin ab: „Das ist völliger Schwachsinn und das wissen Sie auch. Tatsachen zu verdrehen, scheint bei Ihrem überschaubaren Klientel zu ziehen. Aber eben auch nur dort.“ Die Fragen vieler X-Nutzer, auf welche Tatsachen sie hier genau anspielt, ließ sie bislang unbeantwortet.

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