Osnabrück Vollbad in der Kunst: Immersive Kunst mit Gustav Klimt und Friedensreich Hundertwasser
Eintauchen, abtauchen, wegtauchen: Das Konzept der immersiven Kunst verspricht das Bad in der Schönheit. In Hamburg öffnet jetzt ein digitaler Kunsttempel der Superlative seine Pforten. Ist das noch Kunst oder einfach nur Kommerz?
Ein Vollbad aus Gold: Das Unternehmen Port des Lumières, Hafen der Lichter, lädt im Westfield Hamburg-Überseequartier zur großen Fahrt auf das Meer des Lichts. Besucher sollen in den Bildern Gustav Klimts regelrecht schwimmen. Klimt (1862-1918) kleidete seine zarten Frauengestalten nach Modellen aus der reichen Oberschicht der Wiener Kaiserzeit in fließende Gewänder aus tausend Farben. Jetzt wird der Luxus einiger Auserwählter zum Massenvergnügen.
Puristen werden die Nase rümpfen – wie bei allen anderen Formaten der sogenannten immersiven Kunst. In Hamburg wird jetzt nur die Spitze eines Trends gesetzt, der seit Jahren das Kunsterlebnis neu definiert. Nicht mehr betrachten, sondern eintauchen, nicht mehr analysieren, sondern körperlich erleben – in der Projektion avanciert Kunst zum räumlichen Totalerlebnis, das die Sinne anspricht, nicht aber den Intellekt.
Bilder treten dafür aus den Rahmen, Werke werden zum Material einer unablässig fließenden Projektion. Kunst verliert ihre Statik, wird flüssig, ja, süffig – wie eine der butterweichen Uhren auf einem Gemälde von Salvador Dalì. Es ist kein Wunder, dass es immer die gleichen Künstler sind, deren Werke für immersive Erlebniswelten adaptiert werden: Claude Monet, Vincent van Gogh oder eben Gustav Klimt.
Was hat das noch mit Kunst zu tun? Nicht viel, werden jene Kenner sagen, für die nur die originalen Werke in den großen Museen zählen. Sie haben recht: Mit der Magie, der Aura der Meisterwerke hält keine Immersion mit. Nicht ohne Grund pilgern Millionen zur Mona Lisa in den Pariser Louvre. Die Begegnung mit dem unschätzbar kostbaren Bild bereitet einen ganz eigenen Nervenkitzel.
Hat Immersion wirklich nichts mit Kunst zu tun? Aber ja doch, ließe sich auch antworten. Denn die Immersion setzt fort, was die Meister der Moderne selbst verwirklichen wollten – ein neues, ein besseres Leben durch und mit Kunst. Sie sollte das Medium für die große Veränderung des Lebensgefühls sein, sie sollte die Menschen überhaupt erst zu sich selbst bringen. Die Lichtbäder der immersiven Kunst vollenden überhaupt erst, was die Meister von einst für ihre Kunst erträumten.
Beide Argumente haben etwas für sich. Immersive Kunst popularisiert Kunst weiter, ersetzt aber nicht die Begegnung mit den originalen Werken. Dafür bescheren die Bildprojektionen pures Glück, allerdings auf Kosten jeder vertiefenden Beschäftigung mit der Kunst. Ihre Hintergründe, Kontexte, Ziele – all das bleibt ausgeblendet.
Die Besucher in der Hamburger Hafencity wird das nicht stören. Sie wollen den Kick, die Kunst als Konsum. Das passt in das Umfeld der Shopping Mall und in eine Zeit, die scheinbar das Vergnügen ohne Anstrengung favorisiert.