Nach 2:1-Sieg von Kickers Emden Eingesperrter Redakteur muss aus Bremer Stadion klettern
Redakteur Niklas Homes konnte es am Sonntag kaum glauben: Nach getaner Arbeit war er im Stadion des Bremer SV eingesperrt. Niemand war mehr da – außer er. Was dahinter steckt.
Bremen - Die Hände froren, der Magen knurrte. Doch das wärmende Auto und das darin in einer Kühltasche gelagerte Käsebrot waren leider nicht so schnell zu erreichen wie erwartet. Denn ich stand am frühen Sonntagabend vor verschlossenen Toren im Stadion am Panzerberg in Bremen. Richtig gelesen: im Stadion vor verschlossenen Toren, nicht von außen davor. Ich wurde versehentlich eingesperrt. Alleine im Stadion am Panzerberg. Mit ein paar Möwen.
Im ersten Augenblick konnte ich das kaum realisieren – fand es sogar ganz amüsant. Schnell stellte sich aber die Frage: Wie komme ich hier denn nun raus? Ein paar Telefonate später und nach einer Kletteraktion befreite ich mich letztendlich selbst. Nun aber der Reihe nach.
Vor verschlossene Sprecher-Kabine
Ich war am Sonntag in Bremen, um über das Fußball-Regionalliga-Spiel von Kickers Emden beim formstarken Bremer SV zu berichten. Das klappte auch super. Im Stadion am Panzenberg gibt es einen tollen Presseplatz auf der Haupttribüne mit bester Sicht und einer Tischablage – perfekt, um dort mit einem Laptop zu arbeiten. Während des Spiels füllte ich den Liveticker und schrieb den Artikel schon ein wenig vor.
Nach dem 2:1-Erfolg von Kickers packte ich meinen Kram schnell zusammen und lagerte es im Raum des Stadionsprechers. „Ich gehe nur eben aufs Klo, bin dann aber gleich wieder da“, sagte er. „Solange schließe ich ab.“ Perfekt. Doch nachdem ich ein paar Interviews mit Emder Spielern geführt und auch der Pressekonferenz mit den Trainern vor der Anzeigetafel beigewohnt hatte und auf die schattige Haupttribüne zurückgekehrt war, war ich das erste Mal an diesem Tag verdutzt: Keine Menschenseele war mehr zu sehen, der Stadionsprecher-Raum war dicht. Ein Blick aufs Handy sorgte dann für schnelle Erleichterung: „Hab deine Sachen hier bei der Kabine“, schrieb der Kollege, der sich auch bei Kickers Emden als Betreuer engagiert. Gut, also ging es wieder zurück zum Kabinentrakt.
Laute Musik als Zeichen des Aufbruchs
Kurz hatte ich dann die Überlegung, den Artikel auf der sonnigen, entsprechend wärmeren Tribünenseite zu schreiben, auf der Erhöhung, auf der der Livestream produziert wird. Doch dort wurden schon fleißig die Tische zusammengepackt. Also ging ich zurück auf die andere Stadionseite zum Presseplatz und schrieb den Nachbericht zum Spiel. Ab und zu ging der Blick hoch Richtung Anzeigetafel. Davor standen lange noch mehrere Personen in der Sonne. Nicht, dass ich hier vergessen werde.
Als ich den Artikel fast fertig und alle Bilder eingebaut hatte, hörte ich, wie die Musik in der Ferne kurzzeitig etwas lauter wurde: Das musste die Musikbox der Kickers-Mannschaft sein. Die Emder machten sich also auf den Heimweg. Rund 10, 15 Minuten später und auch ich verlasse dieses Stadion – dachte ich.
Vor verschlossenen Eingangstoren
Runter von der Haupttribüne, einmal um den halben Platz und dann hatte ich schon eine komische Vorahnung. Ich war noch nicht einmal am Kabinentrakt vorbeigelaufen, als ich die geschlossenen, mehr als zwei Meter hohen Eingangstore sah. Pro forma rüttelte ich an den Toren. Vielleicht ist ja doch noch eine Tür auf. Aber Fehlanzeige. Erstmal informierte ich die diensthabenden Sportredakteure über meine missliche Lage, telefonierte auch mit dem Kollegen, der sich bei Kickers engagiert. Er war längst auf der Heimreise. Parallel lief ich das Stadion am Panzenberg ab. Doch der Bremer SV hat sein Stadion, das mitten in der Nord-Stadt liegt, gut abgesichert. Ringsherum war ein Zaun.
Dann griff ich erneut zum Handy und rief den Pressesprecher des Bremer SV an. Mit diesem hatte ich an dem Tag mehrfach Kontakt. Er schien über meinen Anruf rund anderthalb Stunden nach Abpfiff verwundert zu sein. „Mit den Fotos hat doch alles geklappt, oder?“, fragte der Pressesprecher des BSV. Ja, das hatte es. Während der zweiten Halbzeit hatte ich wie vereinbart Fotos vom Spiel per Mail von ihm bekommen, die ich im Liveticker und später im Artikel einbauen konnte. Nein, ich hatte ein anderes Problemchen.
Pressesprecher rät zu einer Kletteraktion
„Puh, wir haben sonst keine Presseleute, die so lange da sind. Das tut mir leid“, sagte der Mann mit den Dreadlocks, ehe er zu überlegen begann, wie mein Dilemma bestmöglich zu lösen ist. Gedanklich ging er quasi das Stadion am Panzenberg ab und suchte nach einer Stelle, an der man am besten ausbrechen kann. Als diese Stelle hatte er ein grünes Eisen-Schiebetor ausgemacht, schätzungsweise so hoch wie ich groß bin. Dahinter gelange ich auf ein anderes Sportgelände, das des TV Bremen-Walle. Von dort aus müsste ich problemlos zu einer Straße kommen und dann links herum zu dem Parkplatz, auf dem mein Auto stand.
Ich könne mir auch einen der vor dem Hauptgebäude stehenden Stühle nehmen, quasi als Kletterhilfe, sagte der Bremer Pressesprecher. Ach was, das geht schon so. Ich schwang mich mitsamt Gepäck auf die Schiebetür und krabbelte auf der anderen Seite vorsichtig hinunter. An Tennis- und Beachvolleyball-Plätzen vorbei kam ich tatsächlich zu einer Straße und war knapp zwei Minuten später endlich bei meinem Auto angekommen – und meinem Käsebrot.