Kiel  Er wird wohl neuer Außenminister: Wer ist dieser Johann Wadephul?

Kay Müller
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Von Kay Müller
| 10.04.2025 16:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schon früh will Johann Wadephul an die Spitze. Foto: CDU SH
Schon früh will Johann Wadephul an die Spitze. Foto: CDU SH
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Johann Wadephul wird wohl der nächste Außenminister. Das berichtete das Portal „Table Media“ Dabei war seine politische Karriere vor mehr als zwei Jahrzehnten schon fast beendet.

Es ist der Mai 2002 als Johann Wadephul sich erstmal setzen muss. Gerade hat seine CDU-Fraktion den 62-jährigen Amtsinhaber Martin Kayenburg zum Vorsitzenden gewählt und sich damit explizit gegen den 23 Jahre jüngeren Hoffnungsträger ausgesprochen, der den nächsten Karriereschritt schon fest eingeplant hatte. Nun sitzt er laut der damaligen Beobachter einsam auf seinem Parlamentsstuhl.

23 Jahre später ist dieser Johann Wadephul selbst 62 Jahre alt und steht vor seinem größten und vielleicht letzten Karriereschritt. Selbst äußert er sich nicht weiter zu seinen Chancen. Aber seit klar ist, dass die CDU den Außenminister bestimmen kann, verdichten sich die Anzeichen, dass der mittlerweile versierte Sicherheitspolitiker dieses Amt übernehmen könnte. Einen Tag vor der offiziellen Verkündung vermeldete nun das Portal „Table Media“ seine Ernennung.

Es wäre die Krönung der politischen Karriere des gebürtigen Husumers.

Wohl kaum jemand ahnt das im Mai 2002. Voller Frust über die Niederlage schmeißt Wadephul auch den Parteivorsitz hin, den er erst zwei Jahre zuvor übernommen hat. Er wolle von nun an nur noch einfacher Abgeordneter sein und sich auf seine Arbeit als Anwalt konzentrieren, sagt er damals. Und so scheint die politische Karriere des damals 39-jährigen Shootingstars schon beendet, bevor sie richtig begonnen hat.

Dabei ist Wadephul in der durch die Barschel-Affäre immer noch beschädigten CDU Ende der 90er eine Art Hoffnungsträger. Mit dem Abitur in Meldorf tritt er 1982 in die Partei ein, wird laut eigener Aussage durch den Kalten Krieg politisiert. Von 1992 bis 1996 ist er Landesvorsitzender der Jungen Union, rückt 1993 in den Landesvorstand der Mutterpartei auf und wird 1997 Generalsekretär. In dieser Schlüsselposition profiliert sich der promovierte Jurist, wird zum Lautsprecher seiner Partei.

Doch nicht allen gefällt das in dieser zerstrittenen Post-Barschel-CDU, in der viele Politiker das Machtvakuum füllen wollen, von den Spitzenkandidaten Ottfried Hennig und Volker Rühe über die Bundestagsabgeordneten Peter Kurt Würzbach und Peter Harry Carstensen bis zu Kayenburg und Wadephul.

Sie ringen erbittert um die Macht – und nicht wenige werfen Wadephul vor, diese Macht zu sehr gewollt und dabei unnötig Porzellan zerschlagen zu haben. Und nicht umsonst bleibt das Amt des Generalsekretärs danach über zwei Jahrzehnte lang unbesetzt.

Am Ende übernimmt Carstensen die Parteiführung, wird Spitzenkandidat und nach der Nicht-Wahl von Heide Simonis Ministerpräsident. Wadephul darf dann doch die Fraktion anführen, weil Kayenburg Landtagspräsident wird. Der neue Chef der CDU-Abgeordneten fügt sich dem neuen Landesvater, der die Partei vorübergehend in ruhigeres Fahrwasser steuert – und Christian von Boetticher zu seinem Nachfolger aufbaut.

Spätestens da ist Wadephul klar, dass es für ihn in Schleswig-Holstein keine weiteren politischen Aufstiegsmöglichkeiten gibt. „Ich bin in einem Alter, in dem ich noch die Chance habe, in der Bundespolitik Fuß zu fassen“, sagt der 45-Jährige unserer Redaktion und meint damit seine für viele überraschende Kandidatur für den Bundestag 2009 in einem sicheren Wahlkreis. „Diese Chance bekomme ich kein zweites Mal“, sagt der Mann, der schon Mitte der 90er versucht hat, einen vorderen Listenplatz für die Bundestagswahl zu bekommen. 

In Berlin gelingt es Wadephul, mit Fleiß und Beharrlichkeit vom Hinterbänkler in die vordere Reihe der Fraktion aufzurücken. Er beackert verschiedene politische Themen. Auch weil die Union nicht so viele ausgewiesene Außen- und Sicherheitspolitiker hat, schafft der Oberstleutnant der Reserve, der mittlerweile in Molfsee bei Kiel mit seiner Frau und den drei Kindern lebt, den Aufstieg.

Seine Tochter Hannah will in seine Fußstapfen treten, die 30-Jährige kandidiert bei der Europawahl 2024 auf Listenplatz zwei der CDU – allerdings erfolglos.

Nicht nur in Schleswig-Holstein nennen viele Wadephul „Jo“. Ihm gefällt das, doch so kumpelig und jugendlich, wie der Name es suggeriert, ist Wadephul nicht. Aber er lernt dazu, schafft Vertrauen und sichert seine Macht: Immer wieder nominiert ihn die Parteiführung zum Spitzenkandidaten. Das verschafft ihm auch bundespolitisch zunehmend Einfluss, den er mit Ministerpräsident Daniel Günther aufteilt, auch weil sie sich gegenseitig nicht ins Gehege kommen.

Günther dürfte nichts dagegen haben, wenn Wadephul jetzt das Außenamt übernimmt und möglicherweise so stärker schleswig-holsteinische Interessen in Berlin und der Welt vertritt. Es sei denn, es findet sich noch jemand in der CDU, der jünger und ehrgeiziger als Wadephul ist. Aber: Der muss ja am Ende nicht unbedingt erfolgreich sein, wie Johann Wadephul vor 23 Jahren selbst leidvoll erfahren hat.

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