Name mit NS-Bezug  Debatte um Wilhelm-Berning-Straße - was macht Papenburg?

Gerd Schade
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Von Gerd Schade
| 18.04.2025 10:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nach dem früheren Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning ist im Papenburger Ortsteil Aschendorf eine Straße benannt. Foto: Gerd Schade
Nach dem früheren Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning ist im Papenburger Ortsteil Aschendorf eine Straße benannt. Foto: Gerd Schade
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In Lingen wird zurzeit kontrovers über Straßennamen mit NS-Bezug und eine mögliche Umbenennung diskutiert. Schwappt die Debatte auch nach Papenburg? Einen Anlass gäbe es.

Papenburg/Lingen - In Lingen könnten bald gleich sieben Straßen umbenannt werden. Denn sie haben eines gemein: Nach Auffassung des Stadtarchivars Mirko Crabus haben alle einen deutlichen NS-Bezug.

Wilhelm-Berning-Straße in Aschendorf

Eine der Straßen ist nach dem früheren Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning (1877–1955) benannt. Auch in Papenburg, genauer gesagt im Ortsteil Aschendorf, gibt es eine Wilhelm-Berning-Straße.

Wird angesichts der aktuellen Diskussion in Lingen auch in Papenburg über eine mögliche Umbenennung dieser Straße nachgedacht? Bislang ist das offenbar kein Thema. Die Stadtverwaltung äußert sich dazu auf Anfrage offiziell nicht.

Umbenennung hätte Folgen für Anwohner

Bewegung in die Sache könnte allerdings kommen, sollte beispielsweise die Forderung einer Umbenennung aus dem politischen Raum an die Stadt herangetragen werden. Klar ist auch: Eine Umbenennung wäre mit einem gewissen Verwaltungsaufwand verbunden.

Von 1914 bis zu seinem Tod im Jahr 1955 Bischof von Osnabrück: Wilhelm Berning. Foto: Sammlung Helmut Riecken (Ansichtskarte)
Von 1914 bis zu seinem Tod im Jahr 1955 Bischof von Osnabrück: Wilhelm Berning. Foto: Sammlung Helmut Riecken (Ansichtskarte)

Vor allem aber müssten auch die betroffenen Anwohner vielfach eine Änderung ihrer Anschrift vornehmen, beispielsweise im Personalausweis oder in Kfz-Papieren. In Lingen ist in diesem Zusammenhang eine finanzielle Entschädigung im Gespräch.

Historiker Crabus: Zunächst mit System arrangiert und Emslandlager besucht

Aber wer war Wilhelm Berning überhaupt und wie ist er in Lingen auf die Liste der Namen mit NS-Bezug geraten? Laut Stadtarchivar Crabus hat sich der Priester und spätere Bischof (ab 1944 und bis zu seinem Tod) zunächst mit dem System arrangiert und mündliche Bekenntnisse zum Hitler-Regime abgegeben.

1933 wurde Berning Preußischer Staatsrat. Zwei Jahre später besuchte er die Emslandlager. Um die zunehmend gefährdete Unabhängigkeit der katholischen Kirche bemüht, wuchs Crabus zufolge Bernings Distanz zu den Nationalsozialisten und er setzte sich auch für verfolgte Priester ein.

Lingener: Berning auf Ebene mit Rennfahrer und SS-Mitglied Bernd Rosemeyer

Zum Hintergrund: Crabus legte seiner Beurteilung einen Kriterienkatalog zugrunde. Zu jedem Namen verfasste der Historiker zudem ein eigenes Dossier. Lingener Stadtratspolitiker ordneten die Namen daraufhin in sieben Kategorien ein. In die höchste fallen hohe staatliche Parteifunktionäre, NS-Täter und Kriegsverbrecher. Dazu zählen die Lingener beispielsweise Generalfeldmarschall Erwin Rommel (1891–1944).

Berning hingegen wurde in die Kategorie fünf mit der Beschreibung „Ambivalente Haltung/Jongleur“ eingruppiert. Damit steht er aus Lingener Sicht auf einer Stufe mit dem Rennfahrer Bernd Rosemeyer (1909–1938). Er spielte eine bedeutende Rolle in der NS-Rennsport-Propaganda und war Mitglied in SA und SS.

In Lingen wird der Stadtrat voraussichtlich am 24. April 2025 entscheiden, ob und welche Straßen umbenannt werden. Derweil soll zum nächsten Schuljahr eine Grundschule im Zentrum der Stadt von „Wilhelm Berning“ in „St. Martin“ umbenannt werden. Diesen Namen hatte sie bereits bis 2008 getragen. Unterdessen sind in Meppen kürzlich zwei Straßen mit NS-Belastung umbenannt worden.

Papenburg debattierte 2024 über Graf-Luckner-Straße

In Papenburg hatte es zuletzt im vergangenen Jahr eine Debatte um eine mögliche Straßenumbenennung gegeben. Ein früherer Bewohner der Fehnstadt hatte verlangt, die Graf-Luckner-Straße umzubenennen. Der Seefahrer Felix Graf von Luckner (1881–1966) soll sich unter anderem des Inzests und der Pädophilie schuldig gemacht haben. Außerdem soll er mit den Nationalsozialisten kollaboriert haben.

Der städtische Ausschuss für Kultur lehnte eine Umbenennung aber mit überwältigender Mehrheit (8:1 Stimmen) ab. Damit folgte das Gremium nach intensiver Debatte einer Empfehlung der Stadtverwaltung.

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