Hamburg Nach Rückzug vor 6 Monaten: Was Kevin Kühnert damals verschwieg – und heute sagt
Der frühere SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert hatte sich im Herbst unerwartet aus er Bundespolitik zurückgezogen. Nun meldet er sich wieder zu Wort. Was war der Grund für seinen Rückzug?
Sechs Monate war es still um ihn, jetzt meldet er sich zurück: Im Oktober 2024 hatte sich Kevin Kühnert überraschend von seinem Posten als Generalsekretär der SPD und somit auch aus der Bundespolitik zurückgezogen. In seinem Rücktrittsschreiben, das er auch auf der Social-Media-Plattform Instagram veröffentlicht hatte, erklärte Kühnert, dass gesundheitliche Gründe den Ausschlag für seine Entscheidung gegeben hätten.
„Die Energie, die für mein Amt und einen Wahlkampf nötig ist, brauche ich auf absehbare Zeit, um wieder gesund zu werden. Deshalb ziehe ich Konsequenzen“, hieß es darin. Doch welche Art von gesundheitlichen Problemen er durchmachte, verschwieg er. Lediglich die Information, dass es sich nicht um ein körperliches Leiden handele, gab die SPD-Pressestelle bekannt.
Ob Burnout, Angstzustände oder Depressionen – die vagen Angaben führten unweigerlich zu vielen Spekulationen über seinen Gesundheitszustand. Doch die Fragen blieben unbeantwortet und Kühnert zog sich ins Private zurück.
Im April 2025, sechs Monate nach seinem Rücktritt, äußerte sich Kühnert erstmals ausführlich zu den Gründen hinter seiner Entscheidung, in einem Interview mit der „Zeit“. Er berichtete dort, dass es keinen Schlüsselmoment, auch keine medizinische Diagnose, gab, die ihn zum Rücktritt trieb. Doch das „Gefühl von absoluter Vergeblichkeit“ sei in den Monaten vor seinem Rücktritt immer stärker geworden. Politik, so Kühnert, habe ihn erschöpft, und das nicht nur körperlich, sondern auch emotional.
Kühnert schilderte, wie die politische Arbeit zunehmend zu einer Belastung wurde. Das ständige Kämpfen für die Partei und gegen die öffentlichen Wahrnehmungen führte zu einer Form von „innerer Erschöpfung“, die er nicht mehr einfach wegstecken konnte, berichtet er. „Politik darf kein Burn-out-Beruf sein“, erklärte Kühnert und weiter: „Wir müssen über die Bedingungen sprechen, unter denen Politik gemacht wird.“
Während seiner politischen Laufbahn erlebte Kühnert nach eigenen Angaben verbale und körperliche Angriffe. Es seien nicht nur politische Gegner, die ihn unter Druck setzten, sondern auch die stetig steigende Bedrohung durch extreme Kräfte aus dem rechten Spektrum.
Nur eines von mehreren Beispielen, die er schilderte, war ein bedrohlicher Vorfall in der Straßenbahn. Drei Männer hätten ihn erkannt, ihn ununterbrochen angestarrt und laut über ihn geredet. „Sie haben darüber geredet, wie sie mir die Fresse polieren“, sagte Kühnert.
In dem Interview betont er, dass das Klima der Bedrohung und die ständigen Anfeindungen zu einem bedeutenden Teil seiner Entscheidung beigetragen hätten.
Die vielen Hassattacken und Drohungen, die er erhalten habe, hätten ihn verunsichert und belastet. „Meine rote Linie ist da, wo Gewalt in der Luft liegt. Ich bin nur 1,70 Meter groß“, erklärte Kühnert. „Irgendwann ist mir klar geworden: Wenn ich in Ruhe gelassen werden will, muss ich dahin, wo gar keine Menschen sind.“ Und genau das habe er getan. Er verschwand von der öffentlichen Bühne.
Auch wenn sich Kühnert aus der ersten Reihe der Politik zurückgezogen hat, schließt er nicht aus, dass er wieder eine Rolle in der politischen Landschaft spielen wird.