Hannover  Grant Hendrik Tonne wird Wirtschaftsminister: Wer ist der Neue?

Stefan Idel
|
Von Stefan Idel
| 25.04.2025 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Grant Hendrik Tonne soll Lies als niedersächsischen Wirtschaftsminister ablösen. Foto: dpa/Moritz Frankenberg
Grant Hendrik Tonne soll Lies als niedersächsischen Wirtschaftsminister ablösen. Foto: dpa/Moritz Frankenberg
Artikel teilen:

Schon einmal war er Minister. Jetzt soll Grant Hendrik Tonne von SPD-Kollege Olaf Lies das niedersächsische Wirtschaftsministerium übernehmen. Was er als erstes tun will.

Verlässlichkeit, Klarheit und Kontinuität. Mit diesen Tugenden stellte Niedersachsens designierter Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) den Wirtschaftsminister in seinem künftigen Kabinett vor: Grant Hendrik Tonne.

Der 48-jährige Jurist sei für ihn „der ideale Kandidat“. Er bringe als ehemaliger Kultusminister die notwendige Erfahrung mit und könne Zukunft gestalten. Tonne fühlte sich geehrt und versprach bei der Vorstellungsrunde am Mittwoch in Hannover, sich für Niedersachsen „in die Bresche zu schmeißen“.

Tonne steht für einen Typus Politiker, der heute als eher selten gilt: bodenständig, faktensicher, uneitel. Tugenden wie Pünktlichkeit, Fleiß und Verlässlichkeit pflegt er. Sein halbes Leben lang ist Tonne bereits politisch aktiv. 1996 Eintritt in die SPD, Vorsitzender des Juso-Unterbezirks Nienburg/Weser, Ortsbürgermeister seines Heimatdorfs Leese (Kreis Nienburg), seit 2008 (mit Unterbrechungen) Landtagsabgeordneter.

Seine Zeit als Kultusminister von 2017 bis 2022 ist von der Corona-Krise geprägt. Kaum ein Ministerium stand in dieser Zeit so unter Druck. Mit Tonnes Namen ist aber auch die Einführung des kostenfreien Kindergartenplatzes verknüpft.

Die politische Karriere in Hannover ist stets verbunden mit der Rückkoppelung zur Heimat Leese, wo der 48-Jährige mit seiner Frau und seinen vier Kindern lebt. Der einstige Rechtsanwalt ist Fan von Werder Bremen. Zu den Hobbys gehören das Schachspiel, Laufen und die Ahnenforschung.

Den Urlaub verbringt die Familie meist auf dem Campingplatz in Cuxhaven. Er engagiert sich ehrenamtlich im Heimatverein, als Landesvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und im Kirchenparlament der evangelischen Landeskirche Hannover.

Seit zweieinhalb Jahren ist Tonne Chef der SPD-Landtagsfraktion und wurde dort gerade erst mit 100 Prozent im Amt bestätigt. Das Wirtschaftsministerium übernimmt er in einer schwierigen Phase: schwache Konjunktur, Krise in der Autoindustrie und Zollstreit mit den USA.

Er wolle einen Beitrag leisten, um den Bürgern Ängste zu nehmen und Perspektiven aufzuzeigen, erklärt Tonne den erneuten Wechsel ins Ministeramt. Politik sei kein Selbstzweck. Es gehe um sichere Arbeitsplätze. Lies betont hin, dass Tonne schon bei der Rettung der Papenburger Meyer Werft einen Beitrag für ein schnelles politisches Verfahren geleistet habe.

Neuer Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag soll Stefan Politze werden. Er soll am 19. Mai gewählt werden – vermutlich ohne Gegenkandidaten. Der 59-Jährige sagte am Donnerstag in Hannover, die Herausforderungen seien groß. Trotzdem blicke er mit Zuversicht auf die zweite Hälfte der Legislaturperiode.

Politze gilt als erfahrener Bildungspolitiker. Wie Tonne zog der Hannoveraner 2008 erstmals in den Landtag ein. Bis zur Wahl ins Parlament arbeitete er als Hauptabteilungsreferent bei den Stadtwerken Hannover. Er ist verheiratet und Vater von fünf Kindern und einem Pflegekind.

Lies stellte Melanie Walter, geb. Körtke, als neue Europaministerin in der Staatskanzlei vor. Die 51-Jährige ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Uelzen aufgewachsen und hat von 1993 bis 1998 in Oldenburg Wirtschaft und Politikwissenschaften fürs Lehramt an Berufsschulen studiert.

Walter war Büroleiterin von Stephan Weil (SPD) zu seiner Zeit als Oberbürgermeister von Hannover und zuletzt Abteilungsleiterin für Berufliche Bildung im Kultusministerium. Die SPD-Frau führt gemeinsam mit dem SPD-Bundestagsabgeordnete Adis Ahmetović den SPD-Stadtverband Hannover. Sie sei Niedersächsin „durch und durch“, sagte Walter.

Veronika Dicke (57), bislang Abteilungsleiterin für Politische Koordination in der Staatskanzlei, soll Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes in Berlin werden. Lies betonte, dass Niedersachsen fast so groß wie Österreich sei und in Berlin wie in Brüssel mehr Präsenz zeigen müsse. Einen zusätzlichen Personalaufwuchs in der Staatskanzlei soll es nicht geben. Lies sagte, er setze auf Teamarbeit.

Der bodenständige Tonne will zunächst Betriebe und Verbände in Niedersachsen besuchen. „Ich freue mich darauf, wenn ich mich in die Debatten einbringen darf.“ Nach seiner Vorstellung als designierter Wirtschaftsminister wurde Tonne an der Treppe im Landtag von Landtags-Vizepräsidentin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Agrarmanagerinnen aus seinem Nienburger Heimatwahlkreis empfangen. Das sah aus wie bestellt, war es aber nicht. Über die Glückwünsche hat sich der angeblich kühle SPD-Politiker sichtlich gefreut.

Ähnliche Artikel