Kolumne „Klare Kante“  Regierung muss Europa stärker machen

Dieter Weirich
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Eine Kolumne von Dieter Weirich
| 08.05.2025 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Der 8. Mai markiert die Befreiung Deutschlands von den Nationalsozialisten vor 80 Jahren. Was folgte, war die Idee eines verbundenen Europas. Es wird Zeit, dieser Idee zu neuer Stärke zu verhelfen.

Der 8. Mai, an dem Deutschland 1945 durch die Alliierten von der nationalsozialistischen Diktatur befreit wurde, sollte zum bundesweiten gesetzlichen Feiertag gemacht werden. Mit dieser bei der konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestags erhobenen Forderung findet der dienstälteste Abgeordnete Georg Gysi nur in der Hauptstadt Widerhall. Dort gibt es durch ein vom Senat eingebrachtes Gesetz einmalig arbeitsfrei.

Zur Person

Dieter Weirich, Publizist und Buchautor, ist ein Grenzgänger zwischen Medien und Politik. Der gebürtige Schwabe war hessischer Landtags- und Bundestagsabgeordneter der CDU sowie Intendant der Deutschen Welle. Heute lebt er in Berlin.

Als „Tag der Befreiung“ würdigte der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Kapitulation der deutschen Wehrmacht und setzte dabei einen weltweit beachteten Akzent in der deutschen Vergangenheitsbewältigung. Nicht allen Landsleuten hatte diese Diktion gefallen, betrachteten sie dieses Datum doch auch als einen Tag der Niederlage.

In Russland wird der Sieg über den Faschismus erst morgen gefeiert, erfolgte die Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde doch erst am späten Abend, in Moskau hatte man da schon den neuen Tag begrüßt. Die im Zweiten Weltkrieg besonders stark heimgesuchte Ukraine löst sich auch in der Erinnerungskultur vom Kreml und begeht den 8. Mai als Tag des Gedenkens und der Versöhnung.

Mit dem 9. Mai, dem „Europatag für Frieden und Freiheit“, verbindet sich ein zukunftsträchtiges Datum, das so etwas wie den Geburtstag der Europäischen Union im Jahr 1950 markiert. Damals hatte der französische Außenminister Robert Schumann in einer historischen Erklärung seine Ideen für eine neue Form der politischen Zusammenarbeit vorgestellt.

Der Blick zurück in der Geschichte von Befreiung und Neuanfang sollte Berlin ermutigen, in der von Krisen geplagten EU einen neuen Anlauf auf eine Stärkung Europas zu machen. Dazu gehören vor allem eine Neubelebung des stotternden deutsch-französischen Motors, eine Wiederbelebung des „Weimarer Dreiecks“, flexible Koalitionen williger Mitgliedstaaten, eine Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit und der militärischen Sicherheit durch eine gemeinsame Ukraine-Politik.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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