Mülltrennung Rote Karte nur für zwei Prozent der Biotonnen im Landkreis
Seit 1. Mai gelten strengere Regeln für die Biotonne. Im Landkreis Aurich läuft die Mülltrennung ausgezeichnet. Wenn es nur nicht das „grüne Feigenblatt“ gäbe.
Aurich - Knallrot und fast anklagend hängt er da, der rote Zettel an der Bio-Tonne. „Ihr Abfallbehälter konnte nicht geleert werden, weil sich im Behälter Fremdstoffe befinden“ steht auf der Mitteilung des Abfallwirtschaftsbetriebes des Landkreises Aurich. Schon zum dritten Mal wurde die Tonne im Auricher Ortsteil Rahe nicht mitgenommen. Eine erneute intensive Inspektion des müffelnden Müllbehältnisses verläuft ergebnislos. Kein Kronkorken hat sich in die Tonne verirrt, auch kein Glas oder eine Plastikverpackung. Fragezeichen im Gesicht der Eigentümer.
Biomülltüte als „grünes Feigenblatt“
Eine kurze Nachfrage bei Yves Knoblich vom Entsorgungszentrum MKW in Großefehn. Und eine erstaunlich einfache, wenn für den Müllsünder auch überraschende Erklärung: Die Verwendung sogenannter kompostierbarer Müllbeutel hat die Abholung zum wiederholten Mal gestoppt. „Diese Tüten sind ein grünes Feigenblatt und nicht für die Entsorgung von Biomüll geeignet“, so Knoblich. Sie suggerierten den Käufern eine zulässige Verwendung in der Bioabfalltonne. Dies sei aber tatsächlich sowohl im Landkreis Aurich als auch in der Mehrzahl der deutschen Kommunen und Landkreise nicht korrekt. „Grund hierfür ist die Tatsache, dass die Kompostanlagen deutlich kürzere Verweilzeiten des Bioabfalls in den Behandlungsanlagen aufweisen, als dies in der Norm für die Zersetzung dieser Tüten gefordert ist“, so Knoblich. Somit würden die dann noch nicht vollständig zersetzten Tüten zum Störstoff im fertigen Kompost und seien deshalb im Landkreis nicht zugelassen.
„Ausschließlich Papieralternativen, wie sie im Handel und an den Wertstoffhöfen angeboten werden, können zur Entsorgung von Bioabfall verwendet werden“, so Knoblich.
Deutschlandweit neue Regeln für Biomüll
Fremdstoffe wie Plastik, Glas oder Metall in der Biotonne sind ein deutschlandweites Problem. Biomüll enthält wertvolle organische Stoffe, die zu Kompost oder Biogas verarbeitet werden können. Fremdstoffe sind oft nur schwer auszusortieren und können die organischen Abfälle im schlimmsten Fall unbrauchbar oder sogar umweltschädlich machen. Um die Qualität des Biomülls zu verbessern und Kosten beim Aussortieren von Fremdstoffen zu sparen, ist in Deutschland zum 1. Mai eine neue Abfallverordnung in Kraft getreten, mit verschärften Regeln: Bioabfälle dürfen nun nur noch maximal ein Prozent Fremdstoffe enthalten. Entsorgungsunternehmen müssen Biotonnen strenger auf Verunreinigungen kontrollieren, unter anderem mit Sensoren an den Müllfahrzeugen. Tonnen mit einem Fremdstoffanteil von mehr als drei Prozent werden von der Müllabfuhr nicht mehr geleert.
Ausgezeichnete Trenn-Kampagne im Landkreis
Der Landkreis Aurich geht sogar noch einen Schritt weiter. „In der Biotonne haben wir eine Null-Prozent-Toleranz, es darf sich kein Fremdstoff in der Tonne befinden“, sagt Yves Knoblich. Die immer wieder genannten drei Prozent bezögen sich auf die Fehlwurfquote einer gesamten Anlieferung im Entsorgungszentrum, so Knoblich. Die Vorgaben im Landkreis sind ambitioniert, aber aus gutem Grund. Denn schon vor der Verschärfung der Verordnung war Aurich gut aufgestellt, was die Mülltrennung angeht. Pro Jahr werden im Landkreis rund 600.000 Biotonnen geleert. Die Quote der falsch befüllten Behälter ist beeindruckend niedrig. Nur ein bis zwei Prozent der Biotonnen weisen eine Fehlbefüllung auf.
Das scheint auch ein Verdienst der Trenn-Kampagne „Trenn dich korrekt“ zu sein. Die hatte jüngst den 1. Platz im Wettbewerb „Deutschlands beste Biotonnen-Kampagne“ belegt und war damit für Kreativität, Innovationskraft, Aufmerksamkeit und Wirksamkeit ausgezeichnet worden, wie der Landkreis mitteilt.
Nachhaltiger Erfolg beim Biomüll
Vor allem das letzte Kriterium scheint von der Kampagne mit prominenten Gesichtern wie Galileo-Reporter Harro Füllgrabe, Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf und Ossiloop-Moderator Heino Krüger erfüllt worden zu sein. „Insgesamt konnte der Fremdstoffanteil im Bioabfall des Landkreises Aurich von sechs bis sieben Prozent zum Kampagnenstart auf durchschnittlich etwa zwei Prozent reduziert werden – langfristig und nachhaltig.
Und auch der Anteil der zu beanstandenden Behälter bei den regelmäßig durchgeführten Kontrollen wurde deutlich gesenkt“, so Yves Knoblich auf Nachfrage. So sei zum Start der intensiven Kontrollen teilweise jeder fünfte bis zehnte Behälter beanstandet worden. Inzwischen sei es nur noch jeder 50. bis 100. Behälter.
Touristen im Visier der Müll-Experten
Für die ein bis zwei Prozent Fehlbefüllung in der Biotonne sei in der Regel nur ein kleiner Teil der Bevölkerung verantwortlich, weiß Yves Knoblich. „Die überwiegende Mehrheit hält sich an die Sortierregeln beim Bioabfall, was ein großer Erfolg ist.“ Während die Einheimischen also echte Mülltrennungs-Experten sind, sieht der Landkreis bei einer Personengruppe Nachholbedarf – den zahlreichen Touristen. Knoblich weiß um die Situation im Urlaub. Man lässt es etwas lockerer angehen oder ist schlicht nicht vertraut mit den Trennvorschriften am Ferienort. Mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit und der direkten Ansprache der Urlauber und Vermieter will der Landkreis nun weiter für das Thema sensibilisieren.
Das gehört in die Biotonne
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Das gehört nicht in die Biotonne
Plastiktüten Bioplastik Glas/Plastik- und Metallverpackungen Hygieneartikel und Windeln Mehr Informationen unter www.trenndichkorrekt.de