Rom Die Vatikan-Wende: Diese drei Franziskus-Fehler muss Papst Leo XIV. nun vermeiden
Was kann der neue Papst, der als Franziskus-Gefolgsmann gilt? Klar ist: Es gibt mindestens drei Dinge, die er sich lieber nicht von seinem Vorgänger abschauen sollte. Vor allem für Franziskus’ größte Schwäche dürfte auch Leo anfällig sein.
Die katholische Kirche ist eine Organisation, die spezialisiert ist auf das Prinzip des Weiter-so. Es ist deshalb nicht überraschend, dass auch viele Gläubige bei einem neuen Papst erst einmal auf Zeichen der Kontinuität warten, einer Fortsetzung des vorherigen Pontifikats.
Doch so inspirierend die Amtszeit von Papst Franziskus in mancherlei Hinsicht gewesen sein mag: In mindestens drei zentralen Punkten wäre es der Kirche zu wünschen, Leo XIV. würde es zumindest nicht übertreiben mit der Kontinuität.
Das gilt zum Beispiel für die Selbstinszenierung als Außenseiters auf dem Papstthron, der jetzt mal den vermeintlich geriatrischen Vatikan auf Vordermann bringt. Wie Franziskus ist Leo, auch wenn er in den USA geboren wurde, vor allem mit der Kirche in Lateinamerika verbunden und damit aus römischer Perspektive tatsächlich ein Neuankömmling.
Aber statt über die Leute in der Kurie öffentlichkeitswirksam die Nase zu rümpfen wie beim letzten Papstwechsel, dürfte es klüger sein, er würde sie für sich zu gewinnen versuchen. Er wird sie nämlich brauchen.
Zum Beispiel könnten sie ihm, zweiter Punkt, bei all den außenpolitischen Baustellen zur Seite stehen, die Franziskus ihm hinterlassen hat: Der alte Papst blieb etwa mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erschütternd lange quasi neutral, statt sich mit den Überfallenen zu solidarisieren. Das notorisch heikle Verhältnis des Heiligen Stuhles zu Israel belastete er mit scharfen Tönen gegen die Regierung in Jerusalem - während er sich wiederum im Umgang mit der kommunistischen Diktatur in China arg geschmeidig gab.
Wenn mit Leo diese Zeit des diplomatischen Irrlichterns im Vatikan zu Ende ginge, hätte sich seine Wahl schon mal gelohnt.
Vor allem aber ist drittens zu hoffen, dass Leo die größte Schwäche des vorigen Pontifikates vermeidet: So gerne Franziskus auch als Macher auftrat, so berüchtigt war seine gnadenlose Unschlüssigkeit. Zölibat verpflichtend oder freiwillig, Woelki weg oder nicht, Kommunion für Wiederverheiratete ja oder nein: kaum ein Franziskus-Thema, bei dem er nicht irgendwann schlicht den Faden verlor.
Auch der Amerikaner Robert Prevost galt bisher offenbar nicht unbedingt als fleischgewordene Führungsstärke. Aber aus den Fehlern seines Vorgängers kann er ja lernen. Genannt hat er sich jedenfalls Leo – und nicht Franziskus II.