Kavernenanlage in Etzel Hier kommen jetzt 90 Tonnen Wasserstoff unter die Erde
Jetzt geht’s los: Der niederländische Staatskonzern Gasunie und der deutsche Kavernenbetreiber Storag Etzel haben in Etzel mit der Einspeicherung von rund 90 Tonnen Wasserstoff begonnen.
Etzel - Wenn ausländische Botschafter nach Ostfriesland kommen, geht es weniger um Politik als um Energie. Das erkennt man schon an ihrem Ziel: die Kavernenanlage der Storag Etzel in der Gemeinde Friedeburg. Anfang 2023 war hier der norwegische Botschafter zu Besuch – sein Land war nach dem Wegfall russischen Erdgases gerade zum neuen Hauptlieferanten für die Deutschen geworden. In den Kavernen unter Etzel kann Erdgas in riesigen Mengen gespeichert werden.
Am Freitag, 9. Mai 2025, kam nun die niederländische Botschafterin, Hester Somsen, nach Etzel; quasi zeitgleich mit zwei großen Lastwagen voller Wasserstoff. Kein Zufall: Freitag war der symbolische Start für ein länderübergreifendes Vorhaben des niederländischen Staatskonzerns Gasunie und dem deutschen Betreiber des Etzeler Kavernenfeldes, Storag Etzel. Bei dieser Kooperation geht es nicht um Erdgas, sondern um Wasserstoff. Oder vielmehr: um das Speichern von Wasserstoff in den schon vorhandenen Kavernen. Und ganz konkret: An diesem Freitag begannen Gasunie und Storag Etzel mit der gemeinsamen Einspeicherung von rund 90 Tonnen Wasserstoff in zwei Kavernen ganz am Rande des Feldes.
Wasserstoff – Was machen die Niederländer hier?
Doch warum wollen die Niederländer Wasserstoff in Deutschlands Nordwesten einspeichern? Immerhin verfügen sie selbst über Erdgasspeicher. Allerdings deutlich weniger als Deutschland, so ist es beim Bundeswirtschaftsministerium nachzulesen. Tatsächlich, so berichtet es Marc van der Linden von Gasunie am Freitag in Etzel, gebe es in den Niederlanden ein Schwesterprojekt zu dem in Etzel. Aktuell würden dort vier Kavernen für die Wasserstoff-Speicherung ganz neu gebaut, ein langwieriges Unterfangen. Parallel arbeiten Gasunie und Storag Etzel schon seit 2023 an dem Wasserstoff-Speicherprojekt in Etzel, bei dem die Wasserstoffspeicherung in zwei schon bestehenden Kavernen mit rund 300.000 Kubikmetern Volumen getestet wird.
Die Tests verliefen bisher gut, der Wasserstoff kann sicher eingespeichert werden und entweicht auch nicht. „Diese Kavernen haben sich über Jahrzehnte als Gasspeicher bewährt“, sagt die Diplomatin Hester Somsen am Freitag, und nun seien sie auch für den Wasserstoff gut geeignet. Somsen betont die gute Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden, die gemeinsame Entwicklung von Häfen und Infrastruktur. Der Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur, die Energiewende – „das kann nur grenzüberschreitend funktionieren“, findet sie.
Wasserstoff – wie er hier ankommt
Jetzt wird also ernsthaft eingespeichert. Einen großen Haken hat das Prozedere aktuell allerdings: Der Wasserstoff wird noch per Lastwagen nach Etzel gebracht und dann über mehrere Stunden pro Lieferung in die unterirdische Kaverne entlassen. Das ist teuer, ineffektiv und auch nicht sehr umweltfreundlich – dabei gilt Wasserstoff als Schlüsselelement für die Energiewende. Was noch fehlt, ist ein Leitungsnetz, wie es für den Transport von Erdgas zur Verfügung steht.
Daran wird allerdings schon gebaut. Die Bundesnetzagentur hat im Oktober 2024 den Bau des deutschlandweiten Wasserstoff-Kernnetzes genehmigt. Bis 2032 soll das größte Wasserstoffnetz Europas entstehen, so ist es bei FNB Gas, dem Zusammenschluss der überregionalen Gastransportunternehmen in Deutschland nachzulesen. In Deutschland soll das Netz eine Gesamtlänge von 9000 Kilometern haben. Nicht neu gebaut, wohlgemerkt; laut FNB Gas besteht das Netz zu etwa 60 Prozent aus umgestellten Erdgasleitungen. Bis zum Ende des Jahres 2025 sollen etwa 500 Kilometer fertig sein. Die Investitionskosten belaufen sich demnach auf 18,9 Milliarden Euro.