Hannover Gülle unter Kontrolle? Niedersachsen veröffentlicht neuen Nährstoffbericht
Niedersachsens aktueller Nährstoffbericht zeigt: Die Stickstoffbelastung der Böden sinkt weiter. Für den Weser-Ems-Raum gibt es jedoch eine besondere Situation. Welche Maßnahmen will die Politik ergreifen?
Die Belastung der Gewässer und Böden in Niedersachsen durch Düngung in der Landwirtschaft sinkt weiter. Vor allem der Rückgang des Nährstoffaufkommens aus der Tierhaltung setzt sich fort. Niedersachsen sei „auf dem richtigen Weg“, sagte Landeswirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne), als sie am Montag in Hannover den aktuellen Nährstoffbericht vorstellte.
Der Stickstoff-Düngesaldo ist zwar leicht auf minus 34.988 Tonnen (Vorjahr: minus 50.461 Tonnen) angestiegen, liege aber noch deutlich unter den rechtlich zulässigen Grenzwerten. Die Stickstoff-Aufbringung hat sich innerhalb von acht Jahren um rund 30 Kilogramm (kg) pro Hektar (ha) verringert.
Der Nährstoffbericht erfasst sowohl die gemeldeten Verbringungen von organischen Wirtschaftsdüngern (also Gärresten aus Biogasanlagen, Schweinegülle, Rindergülle und Geflügelmist) als auch mineralische Stickstoffdünger, kurz N-Dünger genannt. Im Meldezeitraum vom 1. Juli 2023 bis zum 30. Juni 2024 wurden rund 38,7 Millionen Tonnen verbracht – ein Plus von 3,8 Prozent. 48 Prozent der gemeldeten Menge landete in Biogasanlagen.
Die Verbringung aus der Region Weser-Ems hat mit 3,4 Mio. Tonnen (Vorjahr: 3,2 Mio. Tonnen) leicht zugenommen und nähert sich dem Niveau von 3,5 Mio. Tonnen aus dem Berichtszeitraum 2018/2019 an. In der Düngeverordnung ist festgelegt, dass Betriebe nicht mehr als 170 kg Stickstoff (N) pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche ausbringen dürfen.
Als einziger Landkreis in Niedersachsen überschreitet der Kreis Cloppenburg mit 175 kg N/ha diesen Grenzwert. Allerdings waren es im Vorjahr noch 189 kg N/ha. Im Durchschnitt kommt die Region Weser-Ems auf 145 kg N/ha; der Landesschnitt liegt bei 108 kg N/ha.
Erstmals hat die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen den Stickstoff-Düngesaldo auf Gemeindeebene betrachtet. In landesweit 80 Gemeinden liege noch eine rechnerische Überschreitung des Düngebedarfs vor.
Der landesweite Phosphat-Düngesaldo (ermittelter Bedarf vs. Düngung) beträgt minus 19.138 Tonnen Phosphat. Allerdings ergibt sich in den Landkreisen Cloppenburg. Emsland, Grafschaft Bentheim, Oldenburg und Vechta ein rechnerischer Überschuss.
Der Absatz von Mineraldünger ist laut Statistik leicht von rund 142.000 auf 158.000 Tonnen gestiegen. Das hänge auch mit den sinkenden Preisen zusammen. Kammerpräsident Gerhard Schwetje wies darauf hin, dass in den vergangenen Jahren der Mineraldüngerabsatz um 100.000 Tonnen gesunken ist.
In Niedersachsen werden weniger Tiere gehalten: Die Zahl der Kühe sank um 1,3 Prozent auf 2,3 Millionen, die der Schweine um 8,1 Prozent auf 8,9 Millionen. Je weniger Tiere gehalten werden, desto weniger Mist und Gülle fallen an. Der Dung- und Gärresteabfall sank leicht von 53,1 Mio. Tonnen auf 52,7 Mio. Tonnen.
In Bezug auf die Nährstoffbelastung zeige sich in vielen Grund- und Oberflächengewässern noch keine Verbesserung. Mehr als die Hälfte der Grundwassermessstellen mit Werten über dem Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter weisen bislang keine Veränderung auf, heißt es in dem Bericht.
In der Region Weser-Ems zeigen 28 Prozent der Messstellen mit Nitratgehalten über 50 mg NO3/l einen signifikant fallenden Trend. Nur drei Prozent der Oberflächengewässer erreichen einen guten ökologischen Zustand.
Ministerin Staudte kündigte an, gezielt mit besonders belasteten Regionen in den Austausch zu gehen – etwa über runde Tische. Einen solchen habe das Ministerium bereits im Vorjahr mit dem Kreis Cloppenburg eingerichtet.
Die Grünen-Politikerin erklärte außerdem, sie werde sich beim Bund weiterhin für eine stärkere Verursachergerechtigkeit einsetzen. „Betriebe, die nachweislich gewässerschonend wirtschaften, sollen von bestimmten Auflagen der Bundes-Düngeverordnung befreit werden können“, so Staudte.
Das Landvolk Niedersachsen bewertete die Ergebnisse des zwölften Nährstoffberichts als Bestätigung eines positiven Trends beim Gewässerschutz in der Landwirtschaft. „Unsere Landwirtinnen und Landwirte haben in den vergangenen Jahren vorzeigbare Ergebnisse geliefert: Die Stickstoffbilanzen verharren trotz einiger statistischer Anpassungen auf niedrigem Niveau und die Nitratmessstellen in den Wasserschutzgebieten zeigten in den letzten zehn Jahren eine Verbesserung an“, sagte Landvolk-Vizepräsident Hubertus Berges.
Der Vorsitzende des Kreislandvolkverbands Cloppenburg bezeichnete es als „besonders erfreulich“, dass zunehmend Wirtschaftsdünger wie Gülle vor der Ausbringung in Biogasanlagen energetisch verwertet werde.
Karin Logemann, agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, strich die bisherigen Anstrengungen Niedersachsens hervor. Diese hätten unter anderem dazu geführt, dass die EU 2023 ein Verfahren gegen Deutschland eingestellt habe.
CDU-Agrarexperte Marco Mohrmann sagte, der Nährstoffbericht belege, dass die düngerechtlichen Einschränkungen in den sogenannten ‚roten Gebieten‘ schnellstmöglich auf den Prüfstand gehören, um der staatlich verordneten Unterversorgung der Pflanzen ein Ende zu setzen.