Wasserstoff  EWE-Chef drängt neue Bundesregierung zur Eile

| | 13.05.2025 12:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hier rollen bereits die Baumaschinen: Ab 2027 soll in Emden grüner Wasserstoff im industriellen Maßstab produziert werden. Foto: EWE/Jan Lübkemann
Hier rollen bereits die Baumaschinen: Ab 2027 soll in Emden grüner Wasserstoff im industriellen Maßstab produziert werden. Foto: EWE/Jan Lübkemann
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So, wie es jetzt läuft, geht es nach Ansicht von EWE nicht weiter. Als viel zu teuer kritisiert der Energieversorger die künftige Wasserstoff-Produktion in Emden. Es geht um Hunderte Millionen Euro.

Oldenburg/Emden - Der Chef des Oldenburger Energiedienstleisters EWE hat am Dienstag deutliche Kritik an der bisherigen Wasserstoff-Politik Deutschlands und der EU geübt.

Als „teuer, ineffizient und volkswirtschaftlich fraglich“ bezeichnete Stefan Dohler die aktuellen bürokratischen Vorgaben zur Produktion von Wasserstoff – und das ausgerechnet für einen der größten Elektrolyseure Deutschlands, nämlich den in Emden.

Wo hakt es bei der EU?

„Wir könnten Wasserstoff deutlich günstiger produzieren, wenn wir flexibel auf günstige Grünstrom-Angebote am Spotmarkt reagieren dürften“, sagte EWE-Chef Dohler in einem Statement. Stattdessen würden aktuelle EU-Vorgaben EWE zur zeitlichen und geografischen Korrelation mit einem spezifischen Windpark zwingen – das verteuere die Produktion erheblich und verhindere eine flexible, systemdienliche Fahrweise. Dohler: „Gerade in Regionen wie Emden mit jährlich rund 500.000 Megawattstunden abgeregeltem Windstrom ist das nicht nur ineffizient, sondern auch volkswirtschaftlich fragwürdig.“ So erhöhten die Anforderungen an die Stromherkunft den Preis von grünem Wasserstoff um bis zu 88 Prozent. Die Folge laut EWE: etwa 50 Prozent höhere Gestehungskosten pro Kilogramm Wasserstoff – ohne unmittelbaren ökologischen Mehrwert.

Zur Erläuterung: Damit grüner Wasserstoff wirklich klimafreundlich ist, muss der dafür genutzte Strom aus erneuerbaren Energien stammen – also zum Beispiel aus Wind- oder Solarkraft. Die EU hat dafür strenge Regeln entwickelt: Der Strom für die Wasserstoffproduktion muss genau zu dem Zeitpunkt und genau an dem Ort erzeugt werden, an dem der Wasserstoff produziert wird – und das am besten in einem neu gebauten Wind- oder Solarpark. Diese Vorgaben machen die Herstellung von grünem Wasserstoff laut EWE viel teurer und komplizierter als nötig. Denn Wind- und Sonnenstrom seien nicht rund um die Uhr verfügbar. Und neue Parks würden auch nicht einfach so neben jeder geplanten Wasserstoffanlage aus dem Boden wachsen.

Was kann Schwarz-Rot machen?

Der EWE-Chef sieht nun die Bundesregierung in der Pflicht. Damit Projekte wie der Elektrolyseur in Emden ihre volle Wirkung entfalten könnten, brauche es jetzt politische Verlässlichkeit. „Unsere klare Erwartung an die neue Bundesregierung ist es, den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft mit einem langfristig stabilen Rahmen abzusichern – durch den zügigen Ausbau erneuerbarer Energien, wettbewerbsfähige Fördermechanismen und eine pragmatische Regulierung, die Investitionen erleichtert,“ betonte Dohler. Besonders entscheidend sei, dass Deutschland sich in Brüssel für eine Anpassung der EU-Strombezugskriterien stark mache, so der EWE-Chef – denn die bisherigen Vorgaben würden vorschreiben, dass Elektrolyseure ihren Strom exakt zur gleichen Zeit und am gleichen Ort wie ein neuer Wind- oder Solarpark beziehen müssten, was die Produktion deutlich verteuere und unnötig einschränke.

Dass die Entwicklung von Wasserstoff-Projekten kein Selbstläufer ist, hat sich erst vor wenigen Tagen gezeigt. Am vergangenen Donnerstag hatte der norwegische Energiekonzern Statkraft „wegen der zunehmenden Unsicherheit im Markt“ beschlossen, die Fortführung seiner großen Wasserstoffprojekte am Emder Kraftwerk zu überprüfen. Die Entwicklung ganz neuer Projekte werde man sogar stoppen, so der Konzern.

Welche Investitionen fließen nach Emden?

Im Kern geht es um gewaltige Summen. 800 Millionen Euro investiert EWE in das Wasserstoff-Projekt „Clean Hydrogen Coastline“, 500 Millionen Euro davon kommen von Bund und Land als Fördermittel. Die 320-Megawatt-Wasserstofferzeugungsanlage in Emden ist ein Teil davon; allein 500 Millionen Euro fließen nach Ostfriesland. Ab 2027 sollen die Anlagen grünen Wasserstoff im industriellen Maßstab produzieren, so der Plan.

Erst am Dienstag hatte EWE bekannt gegeben, den Auftrag für drei sogenannte Verdichter an das Unternehmen Neumann & Esser aus Nordrhein Westfalen vergeben zu haben. Die Verdichter sorgen nach Auskunft von EWE dafür, dass Wasserstoff auf den richtigen Druck gebracht wird, damit er weiterverarbeitet werden kann – also zum Beispiel in eine Pipeline oder in einen Speicher eingespeist werden kann. Zum Investitionsvolumen für die drei neuen Verdichter wollte EWE sich auf Nachfrage nicht äußern.

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