Künstliche Intelligenz  Wer hat die schönsten Politiker? Die KI hat‘s untersucht

| | 14.05.2025 08:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Abgeordneten des niedersächsischen Landtags während einer Sitzung. Das Bild entstand im März 2025. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Abgeordneten des niedersächsischen Landtags während einer Sitzung. Das Bild entstand im März 2025. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Ein Bild-Zeitungs-Ableger beauftragte ein Computerprogramm, sämtliche Landtagsabgeordneten in Deutschland auf ihre Attraktivität hin zu untersuchen. Ein fragwürdiges Unterfangen. Oder doch nicht?

Etzel - Karin Emken ist schwer irritiert. Am Rande einer Veranstaltung zur Wasserstoff-Speicherung in ihrem Landtagswahlkreis macht sie Bekanntschaft mit einer ganz anderen Meldung. „Ich fühle mich gerade bewertet wie ein Rennpferd“, sagt die SPD-Politikerin, während sie auf dem Handy der Reporterin die Pressemitteilung einer PR-Agentur liest, die dort einlief. „Das ist ja echt unverschämt“, bricht es kurze Zeit später aus ihr heraus.

Die Landtagsabgeordnete Karin Emken (SPD) aus Esens. Foto: Imke Oltmanns
Die Landtagsabgeordnete Karin Emken (SPD) aus Esens. Foto: Imke Oltmanns

In der Mitteilung preist die PR-Agentur Twenty-Eight Agency die jüngsten Ergebnisse des Online-Dating-Vergleichsportals Bild-Dating des Boulevard-Blattes an. Konkret ließ das Vergleichsportal die offiziellen Portraitfotos aller deutschen Landtagsabgeordneten von einer KI-Bilderkennungssoftware auf einer Skala von eins bis zehn bewerten. Also, nach Attraktivität. Wer ist der/die Schönste? Wer auf keinen Fall? Die Künstliche Intelligenz (KI) sollte sich also an einer menschlichen Bewertung der Attraktivität versuchen. Karin Emken landete übrigens laut KI-Analyse mit einer Bewertung von 7,92 Punkten auf Platz 88 von knapp 1900 analysierten Politikern.

Die Abgeordnete

Emken ist seit 2022 Landtagsabgeordnete. Sie vertritt in Hannover ihren Heimatlandkreis Wittmund/Inseln, den sie direkt gewann. Die gelernte Physiotherapeutin – Jahrgang 1966 – lebt in Esens, wo sie seit mehr als zehn Jahren kommunalpolitisch aktiv ist. Emken ist verheiratet und hat drei Kinder großgezogen. Dass ein Softwareprogramm sich jetzt ihr Äußeres ansieht und bewertet, empfindet sie als ziemlich unangenehm.

„Das ist schon sehr befremdlich, Politiker nach ihrem Äußeren zu beurteilen“, sagt sie nach Lektüre der ganzen Mitteilung. Während sie noch mit dem Kopf schüttelt, kommt übrigens Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) vorbei, der ebenfalls an der Veranstaltung zur Wasserstoff-Speicherung teilnimmt. Nach einem kurzen Austausch über das KI-generierte Politiker-Ranking nach Schönheit schüttelt auch er den Kopf und zieht weiter.

Die KI

In einem längeren Text – versehen mit Grafiken – erklärt das Boulevard-Blatt selbst, wie es zu den Ergebnissen kommt: Demnach hat das Online-Dating-Portal Bild-Dating ein KI-System eingesetzt, das ein Gesichtserkennungsmodul nutzt, um Gesichter aus Bildern zu extrahieren. Dann werden die Gesichter analysiert, nach Alter, Geschlecht und Attraktivitätswert. Für die Analyse seien die offiziellen Bilder der Abgeordneten von der jeweiligen Landtagswebsite verwendet worden, heißt es weiter.

Eines der Ergebnisse: Die schönsten Landtagsabgeordneten kommen aus Berlin, die unattraktivsten aus Mecklenburg-Vorpommern. Niedersachsen liegt im unteren Mittelfeld. Es gibt auch eine Auflistung nach Parteien: Demnach haben die Grünen die attraktivsten Landespolitiker, die AfD die am wenigsten schönen.

Die Schönheit

Im Text heißt es übrigens auch, dass die Ergebnisse zwar „augenzwinkernd zu verstehen“ seien, aber eben doch Relevanz hätten. Dabei beruft man sich auf eine Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die 2018 belegt habe, dass physische Attraktivität nach Bekanntheit die zweitwichtigste Eigenschaft von Politikern sei, wenn es um den Einfluss auf deren Wahlerfolg gehe.

Das bestätigt übrigens auch Karin Emken – trotz aller Kritik an dem Politiker-Ranking der KI. „Attraktivität spielt natürlich auch eine Rolle“, sagt sie. Und erzählt ein Beispiel aus ihrem Wahlkampf 2022. Damals habe sich ein Wähler an sie gewandt und erklärt, er würde ihr seine Stimme geben, weil ihr Wahlplakat „so unwiderstehlich“ sei. Sie habe den Mann gekannt und auch gewusst, dass er eigentlich einer anderen Partei zugeneigt sei. Dass er sie tatsächlich wählte, daran hat sie keinen Zweifel.

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