Osnabrück Lauter unnützes Zeug: Woher kommt das alte Wort Firlefanz?
Früher war es das Wort für alles Überflüssige: Firlefanz. Inzwischen scheint sich der Begriff aus dem Sprachgebrauch verabschiedet zu haben. Schade eigentlich. Das Wort sprüht vor Lebensfreude.
Nein, diese Sprachkolumne soll mehr sein als eitler Tand, unbedingt auch mehr als Humbug oder Killefit. Wer spricht heute noch von eitlem Tand? Niemand mehr. Und das ist gut so. Denn diesen gestelzten Ausdruck gebrauchten ohnehin immer nur jene Leute, die heute als Spaßbremsen rubriziert sind. Wer dagegen Freude am Leben hat, mag auch mal den Tand – oder eben Firlefanz.
Ich mag vor allem jene alten Wörter, die genau nach dem klingen, was sie bedeuten. Firlefanz: Bei diesem Wort kann es nicht um Ernst und Tiefsinn gehen. Wer von Firlefanz spricht, meint alles, was überflüssig scheint, was sich in kein Raster fügt, gerade deshalb aber jede Menge Freude bereiten kann.
„Papierschlangen, Girlanden überall, ein Dschungel von Firlefanz“: Dieser Satz aus Max Frischs Roman „Homo Faber“ bringt das inzwischen veraltete Wort bestens, weil im richtigen Kontext zur Geltung. Zum Firlefanz gehören überflüssige Dinge, also das, was früher Tand und Flitter hieß. Das Wort bezeichnet aber auch jene Flausen, die man im Kopf haben kann – als angeblich unnütze Gedanken.
Ich bin immer vorsichtig, wenn jemand mit Wörtern wie Flausen oder Firlefanz rasch bei der Hand ist. Meistens handelt es sich um Aktenmenschen und Rastertypen, die kein Verständnis dafür haben, dass die Welt nicht identisch ist mit jenem Millimeterpapier, das sie am liebsten vor sich liegen haben. Ein bisschen Firlefanz schadet nicht, es bringt die Gedanken auch einmal in produktive Unordnung.
Aber woher kommt dieses herrlich lautmalerische Wort? Es kommt aus dem Mittelhochdeutschen. Das Wort firli-fanz, das sich bis in das Altfranzösische zurückverfolgen lässt, bezeichnete einen Rundtanz, bei dem allerlei närrische Sprünge erlaubt waren. Höher gestellte Persönlichkeiten rümpften über solches Vergnügen nur die hoch getragene Nase.
Vom ausgelassenen Tanz zum Begriff für alles Närrische war der Weg nicht weit. Nun könnte er dennoch sein Ende finden, weil immer weniger Menschen das Wort Firlefanz benutzen. Und wer es nicht benutzt, der versteht es wohl auch nicht mehr. Ich finde das schade. Ein bisschen Firlefanz gehört schließlich zum fröhlichen Leben, oder?