Osnabrück Camping mit Handicap: Was sich für die barrierefreie Erholung ändern müsste
Camping kann für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen zur Tortur werden. Wie kann man den Campingurlaub für alle zugänglich machen? Ein Blick auf Hürden und Lösungen mit Heilerziehungspflegerin Maria-Lydia Dahms.
Camping verbindet Natur, Freiheit und Abenteuer – doch für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen ist dieser Urlaub oft mit Hindernissen verbunden. Maria-Lydia Dahms, Heilerziehungspflegerin bei der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO) arbeitet täglich mit Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen und weiß, wo die Fallstricke liegen.
Eine von ihr geplante Camping-Reise fand mangels Anmeldungen nicht statt – Dahms kann das verstehen: „Diese Option von Urlaub ist in vielen Köpfen gar nicht vorhanden oder auch da mit Vorurteilen verknüpft.“ Wie kann der Campingurlaub für alle zur Erholung werden?
„Für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen fangen die ersten Hürden oft schon bei der Urlaubsplanung an“, erklärt Maria-Lydia Dahms, Heilerziehungspflegerin bei der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück. Unebene Wege, enge und voll gestellte Sanitäranlagen, die oft rutschig oder überlaufen sind, könnten das Camping unpraktisch machen.
Laut Dahms müssten Campingplätze barrierefreie Stellplätze mit „ordentlichen, ebenen Wegen, gut zugänglichen Sanitäranlagen und Aufenthaltsbereichen“ bieten, in denen man sich mit Rollstuhl oder Gehhilfe frei bewegen könne.
Ebenso wichtig sei das Verständnis der Betreiber: „Die Betreiber müssen verstehen, worauf es ankommt – und nicht einfach ‚barrierefrei‘ hinschreiben, ohne es wirklich umzusetzen“, mahnt sie. Doch all das wird erst zum Problem, wenn man überhaupt einen „geeigneten“ Platz findet.
Die Suche nach barrierefreien Campingplätzen sei meist enttäuschend, klagt Dahms. „Viele von den Apps sind eher schlicht gemacht und nicht wirklich auf die Bedürfnisse von Menschen mit körperlichen Einschränkungen ausgelegt“, betont sie. Campingplätze würden als barrierefrei angezeigt, „weil sie das irgendwo auf ihrer eigenen Website geschrieben haben – ob das wirklich stimmt, wird aber nicht überprüft“.
Bewertungen anderer Camper seien deswegen „unverzichtbar“, auch wenn sie meist nicht von Menschen mit Beeinträchtigungen stammen. „Wie sind die Stellplätze gelegen? Kommt man da ohne Stress hin?“ Doch nicht nur verlässliche Informationen sind wichtig, wenn der Campingurlaub zum Erfolg werden soll.
„Es gibt viele Hilfsmittel, die das Campen für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung deutlich angenehmer machen können – und oft reichen schon kleine Dinge“, sagt Dahms. Mobile Haltegriffe mit Saugnapf, die in Sanitäranlagen angebracht werden können, seien „super praktisch“, wenn feste Griffe fehlen.
Doch sie kritisiert: „Die Umgebung sollte sich an alle Menschen anpassen und nicht der Mensch passt sich der Umgebung an.“ Eine Rampe helfe nicht nur Rollstuhlfahrern, sondern auch Familien mit Kinderwagen oder älteren Menschen.
Für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen empfiehlt sie einfache Maßnahmen: „Bei Hörbeeinträchtigungen hilft es, wenn man bei Notfällen nicht nur anrufen kann, sondern auch per Text kommunizieren darf.“ Kommunikationstafeln mit Symbolen und geschultes Personal seien die einfachste Möglichkeit: „Manchmal reicht es schon, wenn jemand einfach kurz fragt, ob man Unterstützung braucht“, fügt sie hinzu. Einmal angekommen, kann allerdings auch der eigene Camper zum Problem werden.
„Es ist grundsätzlich möglich, einen Camper oder ein Wohnmobil barrierefrei umzubauen“, erklärt Dahms, doch es sei nicht einfach. Sicherheitsvorgaben machten den Umbau zusätzlich aufwendig und teuer. „Es braucht einiges an Planung, und nicht jede Firma ist sofort bereit, so ein Projekt umzusetzen“, bedauert sie.
Campingplatzbetreiber spielen laut Dahms eine Schlüsselrolle: „Es ist wichtig, dass Campingplatzbetreiber das Thema Barrierefreiheit ernst nehmen“, betont sie. Klare Informationen auf der Website und durchdachte Buchungssysteme, die zeigen, wie weit Sanitäranlagen entfernt sind, seien essenziell.
Zertifizierungen wie „Reisen für Alle“ könnten helfen, doch „das braucht Zeit, Geld und man muss sich echt mit dem Thema auseinandersetzen“, erklärt Dahms. Viele Betreiber hätten „andere Baustellen auf dem Schirm“. Sollte man den Campingurlaub bei so vielen Hürden also einfach abschreiben?
„Einfach mal losfahren – es muss nicht perfekt sein, aber es kann richtig schön werden“, ermutigt Maria-Lydia Dahms Unentschlossenen. Sie empfiehlt, erstmal klein anzufangen mit einem Kurztrip in der Nähe, um Camping auszuprobieren. Die Website vom Campingplatz sollte gut gemacht sein, mit aussagekräftigen Bildern von Sanitäranlagen und Wegen, betont die Heilerziehungspflegerin.
Barrierefreies Camping brauche Engagement von Betreibern, verlässliche Informationen und Hilfsmittel und eine Menge Mut. Doch es lohne sich: „Es geht nicht nur um Barrierefreiheit im engeren Sinn, sondern um mehr Komfort und Zugänglichkeit für alle“,