Abenteuerliches Spiekeroog Die Sterneninsel – einfach mal Watt im Dunkeln erleben
Erstmals hat die mobile Sternenwarte das Festland verlassen. Das Tiny Observatorium ermöglicht einen tollen Blick in den Himmel über Spiekeroog – wo es absichtlich dunkler ist als anderswo.
Spiekeroog - Nachts sind alle Katzen grau – aber dafür funkeln die Sterne miteinander um die Wette. In Deutschland kann man das nahezu nirgendwo so gut sehen wie auf der Sterneninsel Spiekeroog. Die nämlich ist nachweislich einer der dunkelsten Orte des Landes. Und genau darum ist auch gerade das Tiny Observatorium zu Gast auf dem Eiland. Zum ersten Mal hat die mobile Sternwarte das Festland verlassen und ist noch bis zum Dienstag, 27. Mai 2025, in der Nähe des Spiekerooger Fähranlegers am Hafen zu finden. Darauf weist die Initiative in einer Pressemitteilung hin.
Die mobile Sternwarte ist ausgestattet mit leistungsstarken Teleskopen und ein Kooperationsprojekt der Ländlichen Erwachsenenbildung in Niedersachsen (LEB) sowie der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Interessierte können in der „offenen Sternwarte“ den Geheimnissen des Universums auf die Spur kommen. Darüber hinaus erfahren sie, warum Lichtverschmutzung dabei so hinderlich ist. Lichtverschmutzung durch eine Vielzahl künstlicher Quellen führt vor allem in großen Städten unter anderem dazu, dass kaum noch Sterne sichtbar sind. Nicht so auf Spiekeroog.
Warum eigentlich Sterneninsel?
Die „International Dark-Sky Association“ hat Spiekeroog 2021 ebenso wie Pellworm als erste Sterneninseln Deutschlands anerkannt. Diese Auszeichnung erhalten weltweit nur wenige Orte, an denen es besonders wenig Lichtverschmutzung gibt. Trotz der Insellage ist das kein Selbstläufer: Die Straßenlaternen mussten beispielsweise um 30 Prozent gedimmt werden. Lichtverschmutzung hat einen negativen Einfluss auf den Biorhythmus von Mensch und Tier – und das gilt natürlich auch für die Bewohner des Wattenmeeres.
Also gilt hier grundsätzlich: Unnötiges Licht abschalten. Wo nötig, nur so hell und lange scheinen lassen, wie zwingend notwendig. Denn durch Lichtverschmutzung ändern Insekten und Vögel ihre Flugbahnen. Insekten sterben, weil sie von Lampen angezogen werden. Sophie Lehmann, Mitarbeiterin im Nationalpark-Haus Wittbülten auf der Insel, hat für ihre Masterarbeit in Landschaftsökologie Maßnahmen gegen die Lichtverschmutzung entwickelt. Von ihr stammt beispielsweise die Empfehlung, die Straßenbeleuchtung zu minimieren.
Die Dunkelheit genießen
Wie Lehmann gehörten auch die Wittbülten-Leiterin Swaantje Fock und Jonathan Binder neben Joke Pouliart aus Carolinensiel zu den ersten sieben deutschen Dark Sky Guides, die 2022 zertifiziert wurden. Binder ist Pädagoge an der Hermann-Lietz-Schule Spiekeroog und darüber hinaus Wattführer fürs Nationalpark-Haus. Die Sternenführer gehen – anders als reguläre Wattführer – auch spät noch mit den Menschen ins Wattenmeer. Dem Horizont entgegen, während sich die Umgebung zunehmend in Dunkelheit hüllt.
Am Dienstag, 20. Mai 2025, beispielsweise steht unter dem Motto „Blaue Stunde im Watt“ ab 20.30 Uhr die nächste Expedition für Binder an: „Wir erleben den Sonnenuntergang im Watt, genießen die besondere Stimmung und werfen einen Blick ins Universum und in seine Geheimnisse.“
Ein gutes Auge, das Smartphone oder einen Feldstecher – mehr braucht es im Übrigen nicht für Himmelsbeobachtungen. Wie genau das funktioniert, zeigt Professor Dr. Björn Poppe von der Universität Oldenburg am Freitag, 23. Mai, um 20 Uhr im Inselkino. Mit der „Astronomie aus dem Rucksack“ ist er den Wundern des Nachthimmels auf der Spur.