Berlin  Dürr ist nicht Lindner. Gelingt der FDP das Comeback?

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 18.05.2025 15:11 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Führungswechsel bei der FDP nach 12 Jahren: Christian Dürr übernimmt den Parteivorsitz von Christian Lindner. Er verspricht einen 360-Grad-Liberalismus. Foto: IMAGO/James Zabel
Führungswechsel bei der FDP nach 12 Jahren: Christian Dürr übernimmt den Parteivorsitz von Christian Lindner. Er verspricht einen 360-Grad-Liberalismus. Foto: IMAGO/James Zabel
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Die Stimme der Liberalen im Bundestag fehlt schon jetzt. Das Comeback der FDP wird trotzdem kein Selbstläufer werden.

Der Vergleich mit der Vergangenheit drängt sich geradezu auf. Auch 2013 war die FDP nach Jahren des Streits in der schwarz-gelben Bundesregierung aus dem Bundestag geflogen. Dann folgte ein Parteitag, an dem Christian Lindner der am Boden liegenden Partei neues Selbstbewusstsein und einen Parteichef versprach, der die FDP zurück aufs politische Spielfeld bringt. Auch damals regierten Union und SPD zusammen im Bund. Einer großen Koalition der behäbigen Volksparteien mit einem jungen Auftritt und Fortschrittsversprechen Beine zu machen - das schien nicht so schwer. Kann das also wieder klappen? 

Diesmal dürfte es schwieriger werden. Zum einen startet der neue Parteichef Christian Dürr unter anderen Vorzeichen. Lindner war damals rechtzeitig auf Distanz zum damaligen Vorsitzenden Philipp Rösler gegangen - und konnte dann, als die Liberalen den Wiedereinzug nicht schafften, glaubwürdig als Mann des Neuanfangs in die Manege treten.

Christian Dürr dagegen war neben Lindner als Fraktionschef mitverantwortlich dafür, dass die FDP in der Ampel-Koalition zur Opposition in der eigenen Regierung wurde. Er vermochte es nicht, aus den richtigen Kämpfen etwa beim Heizungsgesetz einen Erfolg zu machen, dafür aber an anderer Stelle den Koalitionsfrieden zu organisieren und Vereinbartes bei den eigenen Leuten durchzusetzen, etwa beim Rentenpaket. Die destruktiven Kräfte in der Fraktion übernahmen das Kommando. 

Zudem ist Friedrich Merz als Kanzler  für die FDP eine Herausforderung. In seiner ersten Regierungserklärung hat Merz bereits deutlich gemacht, dass er auch ein liberales Publikum ansprechen will. Der Kuchen für die Parteien der Mitte ist kleiner geworden - und Merz hat offenbar nicht vor, der FDP davon noch ein Stück zu überlassen. Aber die Liberalen wären nicht die Liberalen, wenn das nicht erst recht ihren Kampfgeist wecken würde. 

Angriffsflächen bietet auch die angehende neue Koalition genug. Die staatlichen Ausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt bewegen sich auf 50 Prozent zu. Und da beginnt laut Helmut Kohl bekanntlich bereits der Sozialismus. Weltweit sind autoritäre und illiberale Kräfte auf dem Vormarsch. Im Bundestag fehlen die Liberalen als Stimme der Vernunft zwischen den Extremen ganz Links und ganz Rechts schon jetzt. Vielleicht sind die Voraussetzungen für Dürr und sein neues Team also doch nicht so schlecht. 

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