Heimatcheck „Emden ist Liebe“ – und andere Umfrage-Erkenntnisse
Viele Kommentare von Emdern zur Heimatcheck-Umfrage starten mit „Ich lebe gerne in Emden, aber...“. Spannend: Trotz Gemeckere schneidet die größte Stadt der Region nicht schlecht ab.
Emden - Es wird nur über Emden gemeckert? Falsch. In den Ergebnissen der Heimatcheck-Umfrage ostfriesischer Verlage haben einige Teilnehmer und Teilnehmerinnen Botschaften wie: „Emden ist einfach Liebe“, „Es ist ein Geschenk, hier leben zu dürfen“ und „Emden ist süß“ verfasst. Kleinigkeiten begeistern wie die „Blumenpracht in der Innenstadt“, die vielen Spielplätze, der Wochenmarkt, das Wasser und die gute Luft.
Das ist der Heimatcheck
Der Heimatcheck Ostfriesland ist ein Gemeinschaftsprojekt ostfriesischer Verlage mit Unterstützung der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse und der EWE AG. Vom 4. bis 27. April waren alle Menschen in Ostfriesland aufgerufen, sich online an der großen Umfrage zu beteiligen. 15.335 haben mitgemacht. In 14 Kategorien ging es um Fragen zum Leben in den Städten und Gemeinden Ostfrieslands. Am Heimatcheck beteiligt sind die Ostfriesen-Zeitung, die Ostfriesischen Nachrichten, der General-Anzeiger, die Borkumer Zeitung, der Ostfriesische Kurier und die Norderneyer Badezeitung.
Aber es wird auch gemeckert. Insgesamt hat Emden in der Umfrage, an der mehr als 15.000 Menschen teilgenommen haben, für die unterschiedlichen Themen wie Einzelhandel, ÖPNV, Sicherheit, Sauberkeit und Gesundheitsversorgung 6,14 von 10 Punkte erhalten. Zum Vergleich: In Emden haben rund 1200 Menschen abgestimmt, im Landkreis Leer (6,29 Punkte) waren es mehr als 6500 Personen, im Landkreis Aurich (6,37 Punkte) 6200. Im Vergleich zu 55 anderen Heimatchecks dieser Art in Deutschland schneidet Emden gut ab.
Größte Kritikpunkte – Ärztemangel und Immobilienpreise
Am schlechtesten werden Gesundheitsversorgung und Immobilienmarkt bewertet. Das spiegelt sich auch in den Kommentaren der Emder wider. Selbst die Suche nach einem Hausarzt gestaltet sich demnach schwierig. Laut Kassenärztlicher Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat Emden derzeit 33 Hausärzte, der Versorgungsgrad liege bei 98,5 Prozent. In der Praxis dauere es aber teils Jahre, bis man einen Hausarzt habe, schreiben Umfrage-Teilnehmer.
Auch wird bemängelt, dass der Wohnungsmarkt angespannt ist in Emden – insbesondere im Niedrigpreissektor. Viele aktuelle Neubau-Projekte sprechen eher Menschen mit dickem Geldbeutel an. Aber: Etwa beim geplanten Ültje-Quartier soll auch sozialer und seniorengerechter Wohnraum entstehen. Insgesamt kommt Emden beim Heimatcheck-Vergleich in den Bereichen Immobilienmarkt und Gesundheitsversorgung auf den 29. von 33 Plätzen.
Autofrei oder nicht – nur Extreme
Obwohl in den 356 Kommentaren der Emder Heimatcheck-Teilnehmer viel über den Verkehr gemeckert wird, schneidet Emden mit Platz 22 im Gesamtvergleich immerhin noch besser ab als andere ostfriesische Stadte. Leer, Norden und Aurich werden schlechter bewertet. Beim ÖPNV hat Emden sogar Platz 6. Ein großes Streitthema: die autofreie Innenstadt. Einige wollen die Neutorstraße wieder voll für Autos geöffnet sehen, andere komplett gesperrt.
Über Sauberkeit (Platz 32), Sicherheit (Platz 32) und Einzelhandel (29) ärgern sich die Emder ebenfalls. Kommentare reichen von dem Wunsch nach mehr Polizeipräsenz über kostenlose Leerung der schwarzen Tonne bis hin zur Ansiedlung von mehr Geschäften. Auf Platz 5 kommt Emden aber in den Bereichen Gastronomie und Digitalisierung & Klima. Insgesamt hat es Emden auf den 24. Platz geschafft, Platz 1 hat Wiesmoor, Platz 33 Weener.
Die Ergebnisse des Heimatchecks für Emden