Westerland  Mit Tempo 249 innerorts: Raser-Wahnsinn in Westerland auf Sylt

Nils Leifeld
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Von Nils Leifeld
| 19.05.2025 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Entlang des Bahnwegs in Westerland wurde im Frühjahr ein Auto mit Tempo 249 gemessen. Foto: Stephan von Kolson
Entlang des Bahnwegs in Westerland wurde im Frühjahr ein Auto mit Tempo 249 gemessen. Foto: Stephan von Kolson
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Nach Morsum hat nun auch Westerland die Ergebnisse neuer Geschwindigkeitsmessungen im Ort veröffentlicht. Ein auf Sylt gemessener Wert lässt einen am eigenen Verstand zweifeln.

Die Gemeinde Sylt hat die Ergebnisse der neuen Geschwindigkeitsmessungen in Westerland vorgestellt und ein gemessener Wert klingt fast zu absurd, um wahr zu sein. Und zwar wurde im Bahnweg ein Fahrzeug mit Tempo 249 gemessen – innerorts. Kann das sein?

„Die Messtafeln sind geeicht, wenn eine Fehlermeldung vorliegen würde, wüssten wir das. Wir müssen also davon ausgehen, dass dieser Wert tatsächlich korrekt ist“, teilt Gemeinde-Sprecher Florian Korte auf Nachfrage mit. Laut der von der Gemeinde veröffentlichten Messungen wurde die Spitzengeschwindigkeit im Westerländer Bahnweg Ende Februar 2025 um die Mitternachtszeit herum erreicht. Spitzengeschwindigkeiten von 140 oder 150 km/h seien in Westerland schon häufiger gemessen worden, heißt es weiter von der Gemeinde, aber knapp 250 km/h habe es noch nie gegeben.

Ob es sich bei dem Tempo-Sünder um ein Auto oder eventuell auch um ein Motorrad gehandelt hat, soll nun ermittelt werden. Wäre der Super-Raser tatsächlich einer Radarfalle beziehungsweise einem Blitzer aufgesessen gewesen, hätte es gravierende Folgen gehabt. Laut aktuellem Bußgeldkatalog 2025 sieht der Gesetzgeber bei Geschwindigkeitsübertretungen von mehr als 70 km/h innerorts nicht nur 800 Euro Bußgeld vor, sondern außerdem ein dreimonatiges Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg.

„Ob es in einem solchen Fall zu einem Gerichtsprozess wie zum Beispiel wegen Gefährdung des Straßenverkehrs kommt, entscheiden nicht wir, sondern die zuständige Behörde“, sagt Stephan Immen, Pressesprecher vom Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg. „Erst wenn die Behörde Anzeige erstattet, kann es in der Folge zu einem Fall fürs Gericht werden und auch erst dann kriegen wir davon Bescheid.“

Der Messzeitraum, in dem der Spitzenwert von 249 km/h am Bahnweg ermittelt wurde, lag zwischen 24. Februar und 28. März 2025. Bemerkenswert am Rest der Messergebnisse: Die allermeisten anderen Verkehrsteilnehmer hatten sich in diesem Zeitraum vorbildlich an Tempo 50 innerorts gehalten. So lag die gemessene Durchschnittsgeschwindigkeit am Bahnweg zwischen Ende Februar und Ende März bei gerade einmal 47 km/h, also noch unterhalb der vorgeschriebenen 50. Nur 37 Prozent der gemessenen Autos sind schneller als 50 gefahren. Die durchschnittliche Eintrittsgeschwindigkeit lag mit 47 km/h ebenfalls unter dem gesetzlichen Limit.

Wenig überraschend: Die wenigen Ausreißer nach oben, also Tempo 100 oder mehr, kamen ausschließlich in den Tagesrandzeiten zustande, heißt abends/nachts oder frühmorgens. Mit Tempo 100 wurden im betreffenden Zeitraum 10 Fahrzeuge gemessen, mit 110 eins sowie ein weiteres mit mehr als 110: der „Rekordhalter“ mit 249.

Doch der Bahnweg war nicht der einzige Abschnitt in Westerland, in dem Geschwindigkeiten gemessen wurden. Tempo-Ermittlungen gab es außerdem in der Norderstraße, in der Lorens-de-Hahn-Straße sowie an der Johann-Möller-Kita (Alte Realschule) in der Johann-Möller-Straße.

In der Norderstraße wurde zwischen 24. Februar und 28. März eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 42 km/h gemessen, erlaubt sind Tempo 50. Nur 17 Prozent der Fahrzeuge fuhren schneller als erlaubt. Der gemessene Höchstwert lag bei Tempo 146, der niedrigste Wert bei nur 3 km/h.

In der Lorens-de-Hahn-Straße lag die gemessene Durchschnittsgeschwindigkeit bei Tempo 44, erlaubt sind dort 50. Höchstwert war Tempo 157, niedrigster Wert waren 9 km/h. 19 Prozent der Fahrzeuge fuhren zu schnell.

Noch langsamer fuhren die Menschen an der Johann-Möller-Straße. Auch dort sind innerorts 50 km/h erlaubt. Doch die gemessene Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei gerade einmal 36 km/h. Der Spitzenwert bei „nur“ 85 km/h und der niedrigste Wert bei 5 km/h.

Sieht man von dem einen gravierenden Ausreißer einmal ab, sind die Ergebnisse der jüngsten Messungen in Westerland beruhigend. Das sieht auch Ortsbeiratsvorsitzender Kay Abeling (CDU), der – wenn man die 249 km/h einmal abzieht – von einem „guten Ergebnis“ spricht. „Im Großen und Ganzen halten sich die Leute an die Geschwindigkeitsbegrenzungen, das finde ich gut. Auch die Tempo-30-in-der-Nacht-Schilder haben sich bewährt und dazu geführt, dass die Menschen auch in den Randzeiten spürbar langsamer fahren. Darauf wollen wir aufbauen.“

Auch in Morsum sind kürzlich die Ergebnisse der Geschwindigkeitsmessungen im Ort vorgestellt worden. Messungs-Zeitraum lag in dem Fall zwischen dem 15. und 29. Januar 2025. Gemessen wurde entlang der Straße Terpstich. In Morsum lag der gemessene Höchstwert bei 105 km/h innerorts. Die gemessene Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 54 km/h, also über dem erlaubten Richtwert von 50 innerorts. „Die Ergebnisse unserer Geschwindigkeitsmessungen im Ort sind alles andere als erfreulich“, sagte dazu Ines Dreisow (CDU), Ortsbeiratsvorsitzende von Morsum. 

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