Hamburg  Arbeitslos durch KI? Studie zeigt: Gefahr für Männer und Frauen unterschiedlich stark

Mark Otten
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Von Mark Otten
| 27.05.2025 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Wenn KI und Maschinen übernehmen: KI-Systeme sind bereits in zahlreiche Branchen eingezogen. Sie werden künftig immer mehr Aufgaben menschlicher Angestellter übernehmen. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Wenn KI und Maschinen übernehmen: KI-Systeme sind bereits in zahlreiche Branchen eingezogen. Sie werden künftig immer mehr Aufgaben menschlicher Angestellter übernehmen. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
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Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeitswelt. Angestellte fragen sich, ob auch ihr Arbeitsplatz bedroht ist. Eine neue Analyse der UN zeigt: Männer und Frauen sind drastisch unterschiedlich gefährdet, durch KI ersetzt zu werden — besonders in Deutschland.

Frauen haben ein deutlich höheres Risiko, im Beruf durch KI ersetzt zu werden. In entwickelten Staaten wie Deutschland oder den USA drohe bis zu 9,6 Prozent der weiblichen Beschäftigten der Jobverlust an die künstliche Intelligenz-Konkurrenz. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse der internationalen Arbeitsorganisation der UN (ILO).

Demnach ist die KI-Bedrohung für Frauen in Deutschland rund dreimal höher als bei männlichen Angestellten, wo der Anteil bei 3,5 Prozent liegt. Die ILO hatte die Studie erstmals 2023 veröffentlicht und nun aktualisiert.

Die Forscher analysierten mehr als 29.000 Arbeitsaufgaben aus dem polnischen Berufsklassifikationssystem aus einer repräsentativen Stichprobe und befragten 1.640 Beschäftigte aus verschiedenen Berufssparten. Dabei entstanden rund 52.500 Datenpunkte zur Automatisierungsfähigkeit von mehr als 2.800 spezifischen Tätigkeiten. Diese Daten wurden mit internationalen Expertenrunden abgeglichen und zur Entwicklung eines KI-Assistenten genutzt, der Automatisierungsrisiken für Berufe vorhersagen kann.

Das überarbeitete Bewertungssystem gliedert Berufe in vier aufeinander aufbauende Expositionsgrade. Die erste Erkenntnis: Bürotätigkeiten bleiben weiterhin am stärksten gefährdet — und dort arbeiten besonders viel Frauen. Stark digitalisierte Berufe in Medien-, Software- und Finanzbereich sind zunehmend betroffen.

Die Auswertung zeigt, dass Männer und Frauen unterschiedlich stark von der KI bedroht sind: Während global 4,7 Prozent der weiblichen Beschäftigten in der höchsten Risikogruppe arbeiten, sind es bei Männern nur 2,4 Prozent. In wohlhabenden Ländern, wo es viele dieser Jobs gibt, verstärkt sich diese Kluft dramatisch — dort sind 9,6 Prozent der Frauen gegenüber 3,5 Prozent der Männer in hochgefährdeten Positionen tätig.

Laut den Forschern können vor allem Büroarbeiten automatisiert werden. Das bedeute nicht, dass diese Angestellten unmittelbar von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Allerdings stehe laut der Analyse fest: Viele dieser Aufgaben werden künftig komplett von KI und Maschinen übernommen.

Entgegen weit verbreiteter Befürchtungen prognostizieren die Wissenschaftler vor allem eine Transformation bestehender Arbeitsplätze anstelle massenhafter Jobverluste. Da die meisten Tätigkeiten weiterhin menschliche Fähigkeiten erfordern, werde KI voraussichtlich Arbeitsprozesse verändern, aber nicht vollständig ersetzen.

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