Osnabrück  Die Stilsünde: Warum Papst Leo XIV. seine Apple Watch ablegen sollte

Lucas Wiegelmann
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Von Lucas Wiegelmann
| 28.05.2025 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Jederzeit erreichbar: Papst Leo XIV. zelebriert mit Apple Watch am Handgelenk eine Messe in Rom. Foto: IMAGO/Independent Photo Agency Int.
Jederzeit erreichbar: Papst Leo XIV. zelebriert mit Apple Watch am Handgelenk eine Messe in Rom. Foto: IMAGO/Independent Photo Agency Int.
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Der neue Papst Leo XIV. wurde schon mehrfach mit Apple Watch am Handgelenk gesichtet. Soll das modern wirken? Amerikanisch? Oder gar bescheiden? Was es auch ist: Es gibt kein gutes Bild ab.

Es gibt ja Männer, die starren bei anderen Männer immer als erstes auf die Armbanduhr, und ich will das an dieser Stelle gar nicht bewerten, denn ich bin selber einer davon. Das mag furchtbar oberflächlich sein, und klar: Was für eine Uhr jemand trägt, klassisch oder sportlich, teuer oder billig, das verrät natürlich nicht, wie dieser Mensch wirklich ist. Aber es kann vielleicht einen Hinweis darauf geben, wie er zu sein glaubt. Oder wie er sein will. Mit anderen Worten: Eine Uhr sagt sicher nicht alles – aber sie sagt bestimmt auch nicht nichts.

In diesem Sinne treibt es mich nun schon seit Tagen um, dass auch der neue Papst eine Armbanduhr trägt, oder besser gesagt so etwas Ähnliches, das ist ja das Problem. Leo XIV., der erste gebürtige US-Amerikaner auf dem Stuhl des heiligen Petrus, hat nämlich eine Apple Watch. Genau wie Leos Papstname, sein Wappen oder seine ersten Worte nach der Wahl ist das eine Entscheidung, die gedeutet werden will. Und wie ich es auch drehe und wende: Ich finde es traurig.

Demonstrative Bescheidenheit, das große Thema seines Vorgängers, wird es schon mal nicht sein. Franziskus trug eine schwarze Swatch aus Kunststoff, die fünfzig, sechzig Euro kostete – eine Apple Watch kann, je nach Ausführung, schnell zehnmal so viel kosten. Das ist dann noch nicht im engeren Sinne eine Luxusuhr, aber auch nicht gerade Bettelordenstyle.

Manche Vatikan-Interpreten wiederum argumentieren, Leo gebe sich mit dem Gerät modern und technikaffin. Dabei hat selbst Benedikt XVI., nun wirklich kein Digital Native, schon Weihnachtsbaumbeleuchtungen auf dem Petersplatz via Android-Tablet angeknipst: Selbst im Vatikan hat das digitale Zeitalter bereits vor längerer Zeit begonnen, dafür braucht es doch keine Apple Watches mehr.

Oder geht es Leo einfach um ein Stück Vertrautheit? Klar ist ja: Uhren sind Heimat. Vielleicht verbindet der Papst mit seiner amerikanischen Uhr schlicht den American Way of Life, diese Mischung aus Funktionalität und Coolness, die ja im Job als Oberhaupt der Weltkirche nicht schaden kann?

Aber selbst wenn: Ich finde trotzdem, dass ein kleines Computerdisplay, auf dem man E-Mails lesen oder WhatsApps schreiben kann, am Handgelenk eines Papstes wie ein Fremdkörper wirkt. Zumal im Vatikan, der ja ein großes Uhren-Mekka ist. Johannes Paul II. ließ sich sogar regelmäßig mit einer goldenen Rolex fotografieren, was man protzig finden kann, aber das hatte eine Weltläufigkeit und Eleganz, die diesem merkwürdigen Amt irgendwie angemessen war.

Auch im Apostolischen Palast, in den Leo bald einziehen will, ticken in all den Audienzzimmern, Festsälen und Privatgemächern unzählige kostbare mechanische Uhren aus verschiedenen Epochen. Die können vielleicht keine WhatsApp-Nachrichten anzeigen, und alle paar Tage muss extra ein Uhrmacher kommen, um sie alle von Hand aufzuziehen.

Aber dieser Uhrmacher gehört zu einem Luxusuhren-Geschäft in Rom, das mit dem hinreißenden Spruch wirbt: „Die Zeit messen in der Ewigen Stadt“ . Der Slogan der Apple Watch war mal: „Wer sie trägt, wird sie lieben“. Das könnte man auch über orthopädische Sandalen sagen.

Die Wahl seiner Uhr mag für die spirituellen Aufgaben eines Kirchenoberhauptes nicht die entscheidende Frage sein. „Ihr kennt nicht den Tag noch die Stunde“, heißt es in der Bibel: Den Zeitpunkt des Weltendes zeigt eine Apple Watch vermutlich auch nicht schlechter an als eine goldene Rolex. Bis es soweit ist, könnten sich die Päpste mit ihren Uhren trotzdem ruhig wieder etwas traditioneller ausrichten, wenn es nach mir geht. Fällt ihnen sonst ja auch nicht so schwer.

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