Nachnutzung des Geländes  Viele Neuigkeiten rund um die Auricher Kaserne

Karin Böhmer
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Von Karin Böhmer
| 13.06.2025 07:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Planstraße hinter dem früheren Sanitätsgebäude ist inzwischen fertig. Foto: Karin Böhmer
Die Planstraße hinter dem früheren Sanitätsgebäude ist inzwischen fertig. Foto: Karin Böhmer
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Es ist viel geschehen in diesem Frühjahr. Der Bebauungsplan ist durch, Straßen wurden gebaut. Und es gibt Neues zu einer Kita, den Finanzen und zur Freien Schule Ostfriesland.

Aurich - Es ist in den vergangenen Monaten einiges passiert, was die Konversion der früheren Auricher Kaserne in ein Wohnviertel angeht. Dabei gibt es gute, schlechte und überraschende Nachrichten.

In der Sitzung des Stadtrats am 22. Mai wurde um 17.41 Uhr feierlich der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst. Damit ist nun das Baurecht für die Entwicklung eines neuen Wohnviertels geschaffen. 56 Anhänge hatte der Tagesordnungspunkt, mit insgesamt mehreren Tausend Seiten. Es kam, wie schon einige Tage vorher im Bauausschuss, für einen kurzen Moment staatstragende Stimmung auf. Das wohl größte Planungsprojekt der Stadt habe einen großen Meilenstein erreicht, hieß es allenthalben. Endlich könnten den Planungen Taten folgen.

Städtebaulicher Vertrag noch nicht unterzeichnet

Einen kleinen „Rückschlag“ gibt es aber: Im Mai hieß es noch, dass nach Möglichkeit noch vor der Sommerpause der lang erwartete städtebauliche Vertrag mit Investor Norbert Dittel in der Auricher Politik vorgestellt und unterzeichnet werden solle. Danach könnte Dittel dann seinen Teil des Geländes auch endlich von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) kaufen.

Die Planstraße hinter dem früheren Sanitätsgebäude ist inzwischen fertig. Foto: Karin Böhmer
Die Planstraße hinter dem früheren Sanitätsgebäude ist inzwischen fertig. Foto: Karin Böhmer

Doch in dieser Woche gab Bauamtsleiter Mirko Wento bekannt, dass der städtebauliche Vertrag wegen noch nötiger Abstimmungen nicht mehr bis zu den Ferien fertig sein wird. Er soll nun im Spätsommer vorgestellt werden. Dieser Vertrag ist neben dem B-Plan und dem Kaufvertrag zwischen dem Investor und der Bima ein zentraler Meilenstein der Konversion. Seit 2012 bereitet die Stadt diese vor. Zweimal kam die dringende Unterbringung von Geflüchteten dazwischen. Der Landkreis hatte 2022 recht resolut Bedarf angemeldet und einen Großteil der zugewiesenen Geflüchteten dort untergebracht - nebst dem Wohnungsmarkt. Und zwar bis heute. Nach den Erfahrungen von 2015 und 2022 fiebern einige Auricher auf den Abschluss der Verträge, um das neue Wohnquartier unter Dach und Fach zu bringen. Umso mehr, seit die Aufstockung der Bundeswehr wieder im Raum steht.

Erste Fördergeld-Spardose ist leer

Wento zeigte im Ausschuss auch Fotos von den ersten Planstraßen, die fertig ausgebaut sind. Rad- und Fußwege sind gepflastert, der erste Straßenabschnitt von der Skagerrakstraße hinein ins Gelände und nach links hinter das Sanitätsgebäude ist fertig. Dabei seien auch Abläufe für Wasser in die Beete eingebaut worden, um das Regenwasser für die Bäume nutzbar zu machen, die dort gepflanzt werden sollen, sagte Wento. Man versuche, das Prinzip einer Schwammstadt umzusetzen, um Niederschlag sinnvoll zu verwerten.

Der Eingangsbereich des Kasernengelände bei der Skagerrakstraße hat sich deutlich verändert. Foto: Karin Böhmer
Der Eingangsbereich des Kasernengelände bei der Skagerrakstraße hat sich deutlich verändert. Foto: Karin Böhmer

Damit sei die Grundlage für die ersten Sanierungsprojekte von Dittel und seiner Entwicklungsgesellschaft Terra Nova gelegt. Los geht die Konversion der Bestandsgebäude den Plänen zufolge mit der Alten Wache, dem Sanitätsgebäude, den westlichen H-Gebäuden und dem Bau der ersten Parkgarage.

Stadt muss neue Mittel generieren

In den nächsten Monaten wartet eine große Herausforderung auf die Stadtverwaltung. Die Fördermittel, die für die Konversion zugesagt worden waren, mussten unter Zeitdruck ausgegeben werden, damit sie nicht verfallen. Die Stadt nutzte sie zum Kauf des südlichen Geländeteils und der Sportanlagen, für die Planung sowie für den Bau der ersten Planstraßen. Nun sei der zur Verfügung stehende Betrag aber nahezu aufgebraucht, berichtete Wento.

Im Mai wurde auf dem Kasernengelände noch an den Gehwegen gepflastert. Die Arbeiten sind inzwischen abgeschlossen. Foto: Karin Böhmer
Im Mai wurde auf dem Kasernengelände noch an den Gehwegen gepflastert. Die Arbeiten sind inzwischen abgeschlossen. Foto: Karin Böhmer

Bei der Anlage der Grünanlagen und der weiteren Erschließung hat die Stadt aber noch einiges vor sich. Laut Wento hat bereits ein erstes Gespräch über die weitere Finanzierung mit dem Städtebauministerium stattgefunden. Die Stadt müsse nun nach Einsparpotenzialen suchen und neue Geldquellen erschließen.

Konkret stehen laut dem Stadtbaurat fürs nächste Jahr die Anlage eines unterirdischen Regenrückhaltebeckens im Nordwesten des Areals, die Entwicklung des Grünzugs zwischen den Nord-westlichen H-Gebäuden und dem Divisionsgebäude inklusive eines Radweges sowie der Weiterbau der Planstraße A bis zum Divisionsgebäude an.

Stadt hat weitere Kaufabsichten

Die nächsten Schritte sind auch Thema in der nächsten Sitzung des Bauausschusses am Dienstag, 17. Juni, ab 18.30 Uhr (Rathaus). Dort geht es Wento zufolge um die Gestaltung der Grünanlagen. Nach den Sommerferien soll dann über die Nutzung des südlichen Teils des Kasernengeländes entlang dem Hoheberger Weg gesprochen werden. Diesen Teil hat die Stadt erworben, um dort nach und nach ebenfalls Wohngebäude zu errichten.

Vorerst soll aber Investor Norbert Dittel seine Immobilien in Wohnraum verwandeln. 2019, als es beim Bieterverfahren um das Kasernengelände ernst würde, war der Bremer 62 Jahre alt. Dann kam ein unfreiwilliger Stopp, als der Landkreis mehrere der Gebäude für die Unterbringung von Geflüchteten beanspruchte.

In den Bordsteinen sind Abläufe für Niederschlagswasser verbaut worden, damit das Wasser, das auf der Straße anfällt, direkt in die Beete geleitet wird. Foto: Karin Böhmer
In den Bordsteinen sind Abläufe für Niederschlagswasser verbaut worden, damit das Wasser, das auf der Straße anfällt, direkt in die Beete geleitet wird. Foto: Karin Böhmer

Als einer der ersten Verträge läuft die Überlassung des Divisionsgebäudes an den Landkreis Ende des Jahres aus. Dittel stellte für diese Großimmobilie Pläne für modernes Seniorenwohnen vor. Inzwischen ist er 68 Jahre alt und hat mit der Konversion des Altbaubestandes ein mehrjähriges Großprojekt vor sich.

In das Sanitätsgebäude sollte eine Kita ziehen. Inwieweit das so bleibt, muss sich zeigen, denn die Stadt Aurich will das frühere Kreiswehrersatzamt erwerben. Die Bundesanstalt für Verwaltungsaufgaben hat ihre Büros dort aufgegeben. Laut Wento würde die Stadt in dem Gebäude gerne das neue Zuhause der DRK-Kita Am Wasserturm unterbringen. Seitdem der bisherige Standort wegen Schimmelbefalls geräumt werden musste, hat die Einrichtung nur ein Provisorium zur Verfügung. Zudem sucht die Freie Schule Ostfriesland ein neues Domizil. Pläne, an die Fritz-Reuter-Straße zu ziehen, hatten sich zerschlagen. Die Schule habe weiterhin ein Interesse daran, nach Aurich zu kommen und das Kreiswehrersatzamt sei geeignet, beide Einrichtungen aufzunehmen, so der Stadtbaurat.

Hinter dem früheren Wachgebäude zieht sich die Straße in Kurven um das frühere Divisionsgebäude herum. Foto: Karin Böhmer
Hinter dem früheren Wachgebäude zieht sich die Straße in Kurven um das frühere Divisionsgebäude herum. Foto: Karin Böhmer

Gleichzeitig ist kein Geheimnis, dass auch der Landkreis Aurich Interesse an dieser Immobilie hat, um dort eine dauerhafte Unterbringung für Geflüchtete einzurichten. Es dürfte also spannend werden, wobei Wento optimistisch ist, dass die Stadt die Bima mit ihren Plänen überzeugen kann.

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