Anrufbus in Aurich Neues Busangebot schon zum 1. Januar 2026?
Der Verkehrsausschuss drückt beim Thema ÖPNV aufs Gaspedal. Es wurden ambitionierte Ziele formuliert.
Aurich – Fährt zum 1. Januar 2026 schon der neu konzipierte Anrufbus durch Aurich? Wenn es nach der CDU-Fraktion geht, dann schon. Arnold Gossel formulierte dieses ambitionierte Ziel in der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses am Donnerstagabend im EEZ. Kurz darauf stimmte der Ausschuss einstimmig dafür, die Stadtverwaltung mit der Durchführung eines Interessenbekundungsverfahrens unter regionalen Busunternehmen zu beauftragen. Dabei geht es um die Vergabe einer Dienstleistungskonzession zur Durchführung eines Stadtbussystems im Stadtgebiet Aurich.
Eingebracht hatten den Antrag die Stadtratsgruppen SPD/GAP und CDU/FDP. Erstmals waren damit auch die Anrufbuskritiker aus CDU/FDP mit an Bord. Zwei Anträge von Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Linke, die sich mit Interimsmöglichkeiten beschäftigten, also Lösungen für die Zeit, bis der neue Bus rollt, erhielten im Ausschuss hingegen eine Absage. Man setzt lieber auf die rasche Umsetzung des neuen Systems.
Anrufbus: Ein Thema mit langer Geschichte
Beim Thema Anrufbus, respektive einer Alternative, sitzt der Politik die Zeit im Nacken. Denn seit dem 1. Juni ist der Auricher Anrufbus Geschichte. Weil die Politik sich seit Jahren nicht auf ein Nachfolgemodell einigen konnte, gibt es seit diesem Monat nur noch die Regionalbusse des Landkreises Aurich.
Mit dem Interessenbekundungsverfahren, das die Stadt nun anstoßen soll, könne man eine EU-weite Ausschreibung eines mehrjährigen Stadtbusauftrages vermeiden, hatte Arnold Gossel (CDU) in einem früheren Gespräch mit dieser Redaktion erläutert. Es könnte also zum einen möglicherweise Zeit gespart werden. Zum anderen sei es aber auch möglich, das Verfahren gezielt auf regionale Anbieter zuzuschneiden. Und diese kennen sich laut Gossel am besten damit aus, was vor Ort als Ergänzung der im Landkreis verkehrenden Regionallinien gebraucht wird und an welchen Punkten oder zu welchen Zeiten der Bedarf am größten ist. Ein Interessenbekundungsverfahren habe zudem den Vorteil für die Stadt, dass sie ihre eigenen Ziele in Form von Vergabekriterien definieren darf und am Ende keine Auftragsvergabe erfolgen muss.
Zweifel am Zeit- und Fahrplan
In der Diskussion hatten alle Parteien noch einmal Stellung zum Thema bezogen. Volker Rudolph (GAP) hob für die Ratsgruppe SPD/GAP zunächst die konstruktive Zusammenarbeit mit der Gruppe CDU/FDP hervor. „Der ÖPNV braucht eine breite Mehrheit“, sagte er. Sollte ein entsprechendes Bus-System realisiert werden, dann sei dies zudem eine Win-Win-Situation. Die Stadt erfülle auf diese Weise ihre Aufgabe der Daseinsvorsorge, während das beteiligte Busunternehmen betriebswirtschaftliche Vorteile erhalte. „Wir sind der Überzeugung, dass wir mit dieser Beschlussvorlage für die Stadt Aurich auf einem guten Weg sind“, sagt Rudolph, wohlwissend, dass es ein langer Weg bis zur Umsetzung werden könne.
Deutlich optimistischer, was die Zeitplanung angeht, zeigte sich da Arnold Gossel (CDU). „Wir hoffen, dass das neue System zum 1.1.2026 läuft.“ Zeitlich sei das durchaus möglich. Er hoffe, dass das neue Bus-System endlich eines werde, dass anerkannt und auch angenommen werde, so Gossel.
Fragen zu Budget und Aufgabenverteilung
Heidrun Weber von der GfA/Peter Specken nahm, was die zeitliche Planung für den Anrufbus-Nachfolger angeht, den Fuß vom Gaspedal. „Einen Start zum 1.1.2026 sehe ich gar nicht“, sagte sie und dämpfte damit den Optimismus der Runde. Die AWG um Richard Rokicki äußerte Zweifel daran, dass man mit dem neuen angedachten System die Zielgruppe des Bus-Angebotes erweitern könne. Die aktuell angepeilten Betriebszeiten werktags von 8 bis 18 Uhr und sonnabends von 9 bis 14 Uhr seien etwa für Berufspendler unattraktiv. „Das System sollte auf die arbeitende Bevölkerung und Jugendliche angepasst werden“, so Rokicki.
Das finanzielle Budget des Projektes brachte hingegen Hendrik Siebolds von den Linken zur Sprache. Er zweifele daran, dass die Kostenobergrenze von 500.000 Euro pro Jahr ausreiche. „Damit kann man gerade mal zwei Busse anschaffen.“ Mit diesem Budget könne man nicht die Welt bewegen, sagte er und gab dem Projekt mit „Sparbus“ gleich einen passenden Namen. Die Kosten nahm auch Menko Bakker (FDP) ins Visier. Er stellte infrage, ob die Einrichtung eines solchen Busangebotes alleinige Aufgabe der Stadt sei und brachte eine mögliche Kostenbeteiligung des Landkreises ins Spiel. Zu guter Letzt erinnerte Reinhold Mohr (Bündnis90/Die Grünen) noch einmal daran, dass seine Partei das Idealmodell des Linienbussystems favorisiere. Bei der abschließenden Abstimmung hoben dann die Ausschussmitglieder die Hand und schickten mit einer Enthaltung das neue Bus-System eine Instanz weiter. Nächster Halt ist die Ratssitzung am Donnerstag, 19. Juni.
Das sind die Rahmenbedingungen für den neuen Bus: