Schulpolitik im Landkreis Aurich So reagiert die Freie Wählergemeinschaft auf den IGS-Hilferuf
Detlev Krüger äußert sich in einer Mitteilung deutlich zu den jüngsten Schilderungen. Er kritisiert „jahrelange Ignoranz“ und sieht ein „strukturelles Politikversagen“.
Aurich - Nach dem öffentlichen Hilferuf der Auricher IGS-Schulleiterin Dr. Dorothee Göckel im jüngsten Schulausschuss des Landkreises hat sich jetzt die Freie Wählergemeinschaft im Kreistag zu Wort gemeldet. Sie sehen den Landkreis und das Land Niedersachsen in der Mitverantwortung für die geschilderten Probleme einer Überforderung durch die Lasten von Inklusion und Migration.
Was dort geäußert wurde, sei „nicht weniger als ein pädagogischer Notstand – und ein politisches Totalversagen“, schreibt die Fraktion in einer Pressemitteilung. „Wenn eine erfahrene Schulleiterin öffentlich ausspricht, dass das System nicht mehr funktioniert, dann ist das keine Übertreibung – dann ist es höchste Zeit, dass endlich jemand hinhört. Wir erleben hier das Ergebnis jahrelanger Ignoranz, Schönfärberei und eines politischen Wegduckens vor der Realität“, wird, Fraktionsmitglied Detlev Krüger (Südbrookmerland) zitiert. Als „besonders empörend“ bezeichnet die Freie Wählergemeinschaft die „Diskrepanz zwischen öffentlicher Darstellung und tatsächlicher Lage“, wie es heißt.
Wurde Problem „heruntergespielt“?
Denn in einer Sitzung des Schulausschusses vom 4. März 2025 hatte die Freie Wählergemeinschaft zwei Anträge gestellt, um gezielt nach den Entwicklungen im Bereich Gewalt an Schulen und Übergriffe auf Lehrkräfte zu fragen. Die Antwort der Kreisverwaltung sei damals gewesen, dass es keine besonderen Auffälligkeiten gebe.
„Und jetzt erfahren wir, dass es bereits eine förmliche Überlastungsanzeige von drei Vierteln des Kollegiums der IGS gibt. Dass es Übergriffe, psychische Überforderung, pädagogische Überlastung und eine wachsende Perspektivlosigkeit im Kollegium gibt. Und das alles wurde heruntergespielt? Will man uns eigentlich veräppeln?“, fragt Krüger in der Mitteilung.
Die IGS Aurich stehe exemplarisch für ein Bildungssystem, das man „über Jahre hinweg kaputtgespart, überfrachtet und alleingelassen“ habe. „Die Schieflage, von der Dr. Göckel spricht, ist kein Einzelfall, sondern Symptom eines grundsätzlichen Problems“, so Krüger.
Krüger sieht „strukturelles Politikversagen“
So laufe die Inklusion ohne ausreichende Ressourcen, die Migration ohne flankierende Sozialarbeit. Es gebe Gewalt und Überforderung im Schulalltag ohne wirksame Schutzkonzepte. Und ein „Startchancen-Programm“ von Land und Bund, „das auf dem Papier gut aussieht, aber in der Praxis ins Leere läuft“, so Detlev Krüger.
Dass Vertreter des Landkreises auf Millioneninvestitionen in ein modernes Schulgebäude verweisen, nennt die Freie Wählergemeinschaft „zynisch“. „Die schönsten Klassenräume nützen nichts, wenn die Zustände darin untragbar sind. Wir brauchen keine Imagepflege, sondern einen Notfallplan für die Bildung in unserem Landkreis“, so Krüger. Und weiter: „Der Brandbericht aus Aurich ist ein Alarmsignal, das niemand mehr überhören kann. Wenn die Verantwortlichen in Landkreis und Land jetzt nicht handeln, machen sie sich mitschuldig an einem bildungspolitischen Desaster, das längst begonnen hat. Es reicht nicht mehr, Betroffenheit zu zeigen. Es ist Zeit zu handeln – entschieden, ehrlich und im Interesse unserer Kinder.“