Lob aus Ostfriesland  Milchbauern segnen Riesenfusion unter Molkereien ab

| | 18.06.2025 19:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Molkereiriese mit Zukunft: Produkte von Arla Foods stehen in einem dänischen Supermarkt. Foto: dpa/Steffen Trumpf
Molkereiriese mit Zukunft: Produkte von Arla Foods stehen in einem dänischen Supermarkt. Foto: dpa/Steffen Trumpf
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Es soll die größte Molkereigenossenschaft Europas werden: die Fusion von Arla und DMK. Die Milchbauern der Unternehmen haben dem nun zugestimmt. Aus Ostfriesland kommen Lob und Kritik.

Ostfriesland/Hannover/Kopenhagen - Auf dem Weg zur größte Molkereigenossenschaft Europas haben Arla und das Deutsche Milchkontor die erste Hürde genommen. Milchbauern beider Genossenschaft stimmten auf getrennten Versammlungen mit großer Mehrheit einer möglichen Fusion zu, wie beide Unternehmen am Mittwoch nach den Abstimmungen mitteilten. Beim DMK trafen sich mehr als 200 Milchbauern in Hannover, um über die Pläne anzustimmen. Ostfriesische Landwirte zählen zu den großen Lieferanten vom Milchkontor.

„Der Zusammenschluss von Arla und DMK ist eine klare Antwort auf die sich verändernden Märkte – und gibt Bauern Sicherheit für die Zukunft“, kommentierte Amos Venema, Milchviehalter aus Jemgum und Agrarblogger, auf Agrarheute.de. „Die Fusion ist eine Antwort auf den sich immer stärker konzentrierenden Lebensmitteleinzelhandel, dessen Übermacht immer mehr Markenartikel aus den Regalen verschwinden lässt.“

Kritische Worte von der AbL

Das sehen nicht alle Landwirte so. „Das ist nicht die erste Fusion im Molkereisektor. Und das war für die Bauern selten von Vorteil“, sagte Ottmar Ilchmann, Landwirt aus Rhauderfehn und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Niedersachsen/Bremen, bereits im April im Gespräch mit unserer Redaktion. In den vergangenen Jahren hätten bereits Hunderte Milchbauern ihre Lieferverträge mit DMK gekündigt, weil die Milchpreise sich im Vergleich zu anderen Abnehmern im unteren Drittel bewegt hätten.

Auch wenn DMK und Arla schreiben, dass sie gemeinsam „einen starken Milchpreis für die landwirtschaftlichen Eigentümer sichern“ wollten – Ilchmann rechnet nicht damit, dass sich die Bedingungen für die Landwirte nach der Fusion verbessern. „Die haben dann eine sehr gute Marktposition. Die haben sie in der Vergangenheit nicht in Verhandlungen mit den Handelskonzernen eingesetzt, sondern gegen die Milchbauern.“

Lobende Worte vom Agrarblogger

Der Jemgumer Agrarblogger Venema widerspricht Ilchmann. „Beide Unternehmen sind gesund, demokratisch organisiert und kennen sich seit langem“, sagte Venema im Gespräch mit unserer Redaktion. Um nicht in den Stürmen der Weltpolitik unterzugehen, brauche man eine gewisse Größe. Mit Arla habe man Zugang zu interessanten Märkten.

„Wir wollen eine sichere Zukunft vor allem für die jungen Milchviehalter“, betonte Venema. Denn: „Auf uns rollt ein riesiges Versorgungsproblem mit Nahrungsmitteln zu“, so der Milchviehhalter. „Das Durchschnittsalter unserer Tierhalter liegt mittlerweile bei über 55 Jahren. In 10 Jahren werden 35 bis 40 Prozent der Tierhalter in den Ruhestand gehen.“ Wer solle denn dann für Milch und Fleisch sorgen?, so Venema. „Die Fusion von Arla und DMK ist eine große Chance.“

Bis zur Fusion dauert es noch

Bevor der Zusammenschluss vollzogen werden kann, muss nun noch die EU-Wettbewerbsbehörde zustimmen. Das könnte laut DMK noch bis Ende März nächsten Jahres dauern. Bisher dahin würden beide Molkereigruppen weiter getrennt arbeiten.

Nach Angaben einer DMK-Sprecherin würde der Zusammenschluss mehr als 12.000 Landwirte in einer gemeinsamen Genossenschaft zusammenbringen. Rund 4600 Bauern wären es von DMK aus Deutschland und den Niederlanden mit Marken wie Milram, Humana, Osterland und Alete. Etwa 7600 kämen von Arla aus Dänemark, Schweden, Großbritannien, Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden. Das Deutsche Milchkontor (DMK) hat seinen Sitz im niedersächsischen Zeven und seine Verwaltung in Bremen. Arla ist im dänischen Viby zu Hause, dort soll auch der künftige Hauptsitz des fusionierten Unternehmens sein. Zusammen kommen die beiden Genossenschaften auf knapp 19 Milliarden Euro Jahresumsatz und rund 28.700 Mitarbeiter.

Mit Material von der dpa

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