Sorge um den guten Ruf  Wittmunder Urteil sorgt für Unruhe bei Tierschutzvereinen

| | 19.06.2025 16:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Eine Katze aus dem Tierschutz, hier beim Tierschutzverein Harlingerland. Foto: Tierschutzverein Harlingerland
Eine Katze aus dem Tierschutz, hier beim Tierschutzverein Harlingerland. Foto: Tierschutzverein Harlingerland
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Gerade wurden am Amtsgericht Wittmund zwei Menschen verurteilt, weil sie sich aus der Kasse eines Tierschutzvereins bedient hatten. Bei Tierschutzorganisationen klingeln seitdem die Telefone.

Wittmund - Ein Urteil am Amtsgericht Wittmund sorgt offenbar für Unruhe bei Tierschutzorganisationen in Ostfriesland. „Wir haben Angst um unseren guten Ruf“, sagt Elfi Kirchdorfer in einem Telefonat. Sie ist Vorsitzende des Tierschutzvereins Harlingerland und hat seit einem Bericht dieser Zeitung über die Verhandlung am Dienstag, 17. Juni 2025, schon einige Nachfragen bekommen. Ob es in dem Verfahren etwa um sie gehe, werde da gefragt. Dabei habe ihr Verein mit dem Vermitteln von Tieren aus dem Ausland gar nichts zu tun.

Am Dienstag waren ein Mann und eine Frau vom Amtsgericht Wittmund wegen Untreue in 72 Fällen verurteilt worden. Sie sollen über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren 152.000 Euro aus der Kasse eines Tierschutzvereins für persönliche Zwecke entwendet haben. Die beiden hatten einen Verein gegründet, der Hunde aus dem Ausland nach Deutschland vermittelt. Die beiden Angeklagten räumten die Taten ein und erhielten Bewährungsstrafen. Sie leben in Ostfriesland.

Die Verurteilten

Journalisten dürfen die Namen von Angeklagten in ihrer Berichterstattung nicht veröffentlichen, weil deren Persönlichkeitsrechte geschützt werden müssen. Es gibt aber Ausnahmen: Wenn etwa das öffentliche Interesse an einem Fall schwerer wiegt als die Persönlichkeitsrechte. In diesem Untreue-Verfahren ist das nicht der Fall.

Nun fragten sich aber viele, wer da in Wittmund verurteilt wurde, so Kirchdorfer. „Das Schlimmste ist wirklich die Schädigung des guten Ansehens der seriösen Tierschutzvereine“, schreibt sie nach dem Telefonat noch in einer E-Mail. Denn die seriösen Vereine würden nun möglicherweise mit diesem anderen Verein gleichgesetzt. Das Thema beschäftigt sie sehr.

Ansehen und Geld

Neben dem Ansehen geht es auch um Geld, konkret: um Spendengeld. Tierschutzvereine seien auf Spenden angewiesen, sagt Kirchdorfer und macht diese Rechnung auf: Über die Jahresbeiträge ihrer Vereinsmitglieder kämen insgesamt etwa 4000 Euro rein. Allein die Tierarztrechnungen in einem Jahr schlügen aber schon mit 30.000 Euro zu Buche. Die Lücke füllten Spenden. Die Sorge: Sollte Misstrauen nun die Spendenbereitschaft beeinträchtigen, könnte eine Lücke bleiben.

Elfi Kirchdorfer steht mit ihren Sorgen nicht allein da. Auch im Gespräch mit einer anderen ostfriesischen Tierschutzorganisation werden sie deutlich.

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