Osnabrück  Ein bisschen abgehoben: Woher kommt eigentlich der Ausdruck etepetete?

Dr. Stefan Lüddemann
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Von Dr. Stefan Lüddemann
| 20.06.2025 13:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nur ein bisschen pingelig oder doch etepetete? Wer so genau den kugelrunden Busch beschneidet, wirkt in den Augen anderer schnell ein wenig überdreht. Foto: Andreas Krone/imago
Nur ein bisschen pingelig oder doch etepetete? Wer so genau den kugelrunden Busch beschneidet, wirkt in den Augen anderer schnell ein wenig überdreht. Foto: Andreas Krone/imago
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Das Wort klingt so kühl und spitz wie es immer gemeint war: etepetete. Aber was bedeutet der früher oft benutzte Begriff eigentlich und warum sollte man ihn eigentlich nicht mehr verwenden?

Das Wort verabschiedet sich gerade, das Verhalten, das es bezeichnet, bleibt uns erhalten. Was für viele alte Wörter gilt, trifft vor allem auf eines zu: etepetete. Noch nie gehört? Schwierigkeiten beim Lesen? Kein Wunder: Dieses Wort spricht sich fast wie ein Zungenbrecher und es hört sich an wie eine akustische Stolperfalle. Und dann auch noch die Frage nach der Bedeutung!

Früher sagten viele Leute über andere: Die sind wohl ein bisschen etepete. Heute würde ich sagen, dass jemand abgehoben wirkt oder vielleicht auch ein wenig arrogant. Wer die Nase hoch trägt, ist etepete, wer sich nicht so einfach mit anderen gemein macht, der ist es auch.

Dieses Wort hat man früher niemals laut, sondern meist nur hinter vorgehaltener Hand oder zumindest mit gesenkter Stimme ausgesprochen. Denn bei diesem Wort helfen weder Betonung noch Kontext – es ist immer als leiser Tadel, bisweilen gar als abschätziger Kommentar gemeint. Das Wort etepetete lässt sich sogar bestens zwischen verkniffenen Lippen hervorzischen.

Aber wer macht das heute noch? Der Duden verzeichnet für dieses Wort eine stark abfallende Frequenz des Gebrauchs. Kein Wunder. Auch auf mich wirkt dieser Begriff ein wenig so, als wehe sein spitzer Klang aus einer inzwischen doch ferneren Elternwelt herüber.

Woher kommt dieses ungewöhnliche Wort eigentlich? Kommt es von der französischen Formel „être, peut-être“, die ein vielleicht umschreibt? In Berlin soll diese Formel in das Deutsche umgeschmolzen worden sein. Auch das deutsche Wort hat seinen etwas ungewöhnlichen Klang behalten.

Ich bin mir sicher, dass sich dieser Begriff dabei auch wie ein Migrant der Sprache durch unterschiedliche Kontexte der Gesellschaft und ihrer Ausdrucksformen bewegt hat. Die französische Formel für ein geziertes „vielleicht“ mag in höfischen Kreisen gebräuchlich geworden sein. Später machte sich der Begriff in seiner deutschen Variante auf die Reise in das gehobene Bürgertum.

Dort war etepetete auch immer angesiedelt. Wer andere mit diesem Begriff wenig charmant abqualifizierte, gab zu erkennen, dass er selbst auch für etwas Besseres gelten wollte. Etepetete? Selber! Das hätte gern jenen zugerufen, die dieses Wort auf andere gemünzt haben.

Wie sagt man heute für etepetete? Geziert vielleicht. Oder: allzu anspruchsvoll. Vielleicht auch zimperlich und pingelig. Egal. Wer in den Augen anderen etepetete ist, hat vielleicht einfach nur eine eigene Sicht auf die Dinge, besteht auf seinem eigenen Urteil. Und ist das nicht genau richtig?

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