Nachfolger für Auricher Anrufbus Rat schickt Verwaltung auf Suche nach neuem Anbieter
Der Auricher Rat hat grünes Licht beim Thema „Anrufbus“ für das Interessenbekundungsverfahren gegeben. Die Politiker bleiben bei einem ehrgeizigen Zeitplan.
Aurich - Die Stadt Aurich soll sich auf die Suche nach einem neuen Anbieter für ein Stadtbuskonzept machen. Das hat der Rat der Stadt Aurich mit zwei Gegenstimmen entschieden und stimmte damit der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung zu. In einem sogenannten Interessenbekundungsverfahren unter regionalen Busunternehmen soll der Anbieter für ein neues Stadtbussystem im Stadtgebiet Aurich gefunden werden.
Eingebracht hatten den Antrag die Stadtratsgruppen SPD/GAP und CDU/FDP. Erstmals waren damit auch die Anrufbuskritiker aus CDU/FDP mit an Bord. Zwei Anträge von Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Linke, die sich mit Interimsmöglichkeiten beschäftigten, also Lösungen für die Zeit, bis der neue Bus rollt, hatten bereits in der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses eine Absage erhalten und fanden auch in der aktuellen Ratssitzung keinen Anklang. Man setzt in der Politik lieber auf die rasche Umsetzung des neuen Systems.
„Wir Nutzer fühlen uns vom Stadtrat und der Verwaltung im Stich gelassen“
Für Rosemarie Legendre, die der Sitzung als Einwohnerin beiwohnte, war die Entscheidung ein Grund zur Freude. Legendre hatte in der Ratssitzung Mitte März 2025 ihrem Unmut über das Anrufbus-Aus deutlich Luft gemacht. Zusammen mit einer Gruppe von etwa 50 Bürgern überreichte sie Bürgermeister Horst Feddermann eine Liste mit rund 40 Unterschriften für den Erhalt des Rufbus-Angebotes, das bislang das Linienbussystem des Landkreises ergänzt hatte. „Wir Nutzer fühlen uns vom Stadtrat und der Verwaltung im Stich gelassen“, sagte Rosemarie Legendre damals. Es gebe Menschen, darunter vor allem Ältere, die auf den Anrufbus angewiesen seien und diesen 30- bis 40-mal im Monat nutzten. „Diese Menschen wissen ab 1. Juni nicht mehr, wie sie zum Arzt, zur Bank, zum Einkaufen kommen sollen“, sagte sie. Die Möglichkeit, sich an Familienmitglieder oder Nachbarn zu wenden, habe nicht jeder. Gerade Ältere und Rentner würden diffamiert.
Rosemarie Legendre lobte nun in der Ratssitzung den gemeinsamen Antrag der Ratsgruppen CDU/FDP und SPD/GAP für das Interessenbekundungsverfahren. Diese Lob konnte und wollte Hendrik Siebolds von den Linken nicht nachvollziehen. „Diejenigen, die den Bus an die Wand gefahren haben, werden nun geadelt?“, fragte Siebolds mit Blick auf das jahrelange zähe politische Ringen um den Anrufbus. Die Linke stimmte dem Antrag dennoch zu, aber „mit zwei geballten Fäusten in der Tasche“, so Siebolds. Denn: „Besser wir haben irgendetwas, als gar nichts.“ Ähnlich sah es Reinhold Mohr (Bündnis 90/Die Grünen). „Besser, wir haben den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“, so Mohr. Die Grünen hofften nun das Beste für das anstehende Verfahren, hielten den Zeitplan aber für verwegen, so Mohr.
Das sind die Rahmenbedingungen für den neuen Bus
Beim Thema Anrufbus sitzt der Politik die Zeit im Nacken. Denn seit dem 1. Juni ist der Auricher Anrufbus Geschichte. Weil die Politik sich seit Jahren nicht auf ein Nachfolgemodell einigen konnte, gibt es seit diesem Monat nur noch die Regionalbusse des Landkreises Aurich. Für ein neues Modell machen Verwaltung und Politik folgende Vorgaben: - Betriebsgebiet: Stadt Aurich inkl. aller Ortsteile - Kostenobergrenze: 500.000 Euro brutto/Jahr - maximaler Fahrpreis von fünf Euro - keine Vergünstigungen für gesonderte Personengruppen - Anerkennung des Deutschlandtickets - Betriebszeiten mindestens montags bis freitags 8-18 Uhr sowie sonnabends 9-14 Uhr (zusätzliche Fahrzeiten werden dem Anbieter freigestellt) - Vorgabe von Abholpunkten, keine Abholung an der Haustür - ZOB als zentrale Anlaufstelle - Art und Dimension der eingesetzten Fahrzeuge wird freigestellt, aber Mitnahme von Geh-Hilfen und Kinderwagen muss sichergestellt sein - Buchungsmodalitäten obliegen dem Anbieter
Ganz anders sah das bei den antragstellenden Ratsgruppen aus. Sowohl SPD/GAP als auch CDU/FDP zeigten sich optimistisch, was eine rasche Neukonzeption angeht. CDU-Fraktionschef Arnold Gossel bekräftigte in der Sitzung den angepeilten Starttermin zum 1. Januar 2026. „Wir hoffen, dass es schnell ein neues System mit einem neuen Namen gibt“, so Gossel. Volker Rudolph (SPD/GAP) hatte da auch gleich eine Idee und warf den Namen „Aurichmobil“ in den Ring. „Wir hoffen, dass wir in der nächsten Ratssitzung schon konkrete Vorstellungen auf dem Tisch haben“, sagte Rudolph. Der Rat Aurich kommt am 18. September zu seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause zusammen.