Hamburg  Rentenerhöhung: Gönnt das den Boomern doch einfach!

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 21.06.2025 17:00 Uhr | 3 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Auch dieses Jahr bekommen Rentner wieder mehr Geld. Das freut nicht alle. Foto: dpa/Fernando Gutierrez-Juarez
Auch dieses Jahr bekommen Rentner wieder mehr Geld. Das freut nicht alle. Foto: dpa/Fernando Gutierrez-Juarez
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Auch 2025 steigt die Rente wieder. Doch die Eifersucht der Beitragszahler auf die Rentner ist fehlgeleitet. Stattdessen sollte man zornig auf jemand anderen sein.

Eines ist auch in diesen unsicheren Zeiten sicher: Die Eifersucht der arbeitenden Bevölkerung, wenn die jährliche Anpassung der Rente ins Haus steht. Am 1. Juli stehen wieder drei Prozent Erhöhung an. Die Frustration der Jungen ist verständlich. Schließlich geht ein beträchtlicher Teil des Bruttolohns an die Sozialversicherungen, ohne jemals auf dem eigenen Konto zu landen. Aber nur weil etwas verständlich ist, ist es noch lange nicht klug oder gerecht. Das gilt auch hier.

Die Wut ist ungerecht, weil sie nach unten tritt. Die Armutsquote bei Rentnern ist rund ein Viertel höher als in der Gesamtbevölkerung. Wenn die jährliche Rentenanpassung nicht wenigstens die Preissteigerungen ausgleicht, wird es mehr Senioren geben, die mit ihrem Geld nicht auskommen.

Phänomene, die in einem reichen Land wie Deutschland nicht hinnehmbar sein dürfen, würden zunehmen: Rentner, die Pfandflaschen sammeln, die bei der Tafel für Essen anstehen oder die sich dringend benötigte Pflege nicht leisten können. Und zwar, obwohl sie ihr Leben lang malocht haben. 

Abgesehen davon ist dieser Neid auch nicht klug. Hinter ihm steht die Forderung nach einer Senkung des Rentenniveaus, ob man sie nun ausspricht oder nicht. Also nach weniger Renten-Euro pro Beitrags-Euro. Das mag denen, die heute einzahlen, kurzfristig Befriedigung verschaffen, aber schneidet ihnen langfristig ins eigene Fleisch.

Der Beitragszahler von heute ist schließlich der Rentner von morgen. Und wenn der Ruhestand erreicht ist, wird das eigene Einkommen maßgeblich von eben diesem Rentenniveau diktiert werden. Hinzu kommt: Wenn es einmal gesenkt ist, wird es angesichts des demografischen Ausblicks nicht mehr so leicht steigen. 

Und bevor jemand über Beitragserhöhungen für die breite Masse schimpft: Rentenkürzungen zu verhindern, ist möglich, ohne dass die meisten Menschen höhere Beiträge zahlen müssten. Etwa indem man Gutverdiener über eine Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze in die Pflicht nimmt.

Oder indem man Beamte und Selbstständige in die Rentenversicherung einzahlen lässt. Statt eifersüchtig auf Oma und Opa zu sein, wäre es klüger und gerechter zornig auf die Politik zu sein. Schließlich debattiert man in Berlin diese und andere Reformen schon seit Jahrzehnten – aber erhöht am Ende doch nur die Beiträge. 

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