Osnabrück  Hat auch Wolfram Weimer Lust auf den Kulturpass von Claudia Roth?

Dr. Stefan Lüddemann
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Von Dr. Stefan Lüddemann
| 23.06.2025 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bleibt der Kulturpass? Optimistisch sieht die Webside aus, auf der der Kulturpass für deutsche Jugendliche angepriesen wird. Foto: Jan Woitas/dpa
Bleibt der Kulturpass? Optimistisch sieht die Webside aus, auf der der Kulturpass für deutsche Jugendliche angepriesen wird. Foto: Jan Woitas/dpa
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Die Grünen fordern eine Zukunft für den vor zwei Jahren eingeführten Kulturpass. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wartet erst einmal ab. Aber es gibt gute Gründe, zum Kulturpass Ja zu sagen.

Ob Kulturetage in Oldenburg oder Burgkonzerte in Esslingen – der Kulturpass öffnet so gut wie jede Tür zur Kultur. Wer 18 Jahre alt wird, bekommt mit den 100 Euro vom Staat gleich mehrere Eintrittskarten in die Hand gedrückt.

Sie gelten der Kultur, eigentlich aber der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Sie erst macht den aufgeklärten Staatsbürger. Der Kulturpass ist nicht nur Mittel, sondern auch Ausweis einer optimistischen Sicht auf Demokratie und Pluralität.

Kein Wunder, dass der Kulturpass Claudia Roth besonders am Herzen lag. Wird Wolfram Weimer, wertkonservativer Nachfolger der Grünen-Ikone im Amt des Kulturstaatsministers, dieses Projekt fortführen? Erst einmal solle die Wirksamkeit des Kulturpasses überprüft werden, heißt es. Das klingt vernünftig, aber auch hinhaltend. Hat der Kulturpass eine Zukunft?

Claudia Roth hat die Band „Ton, Steine, Scherben“ gemanagt, Wolfram Weimer „Das konservative Manifest“ verfasst. Wenn es um Kultur geht, finden Roth und Weimer wohl kaum einen Konsens. Der Kulturpass, der verbinden und vermitteln soll, er könnte gerade in dem Amtsübergang von Roth zu Weimer eine Bruchkante markieren.

Dabei liegen die Vorzüge des Kulturpasses auf der Hand. Über den Geldbetrag hinaus signalisiert er den durch die Erfahrung der Corona-Zeit verunsicherten jungen Erwachsenen Wertschätzung und Ermutigung. Er leistet einen Beitrag zu jener kulturellen Integration, die jetzt benötigt wird – gerade für junge Leute, die nur über ein knappes Budget verfügen oder die als Migranten nach Deutschland gekommen sind.

Wolfram Weimer sollte den Kulturpass deshalb unbedingt fortführen. Die eigentlichen Baustellen erwarten ihn eh auf anderem Terrain – etwa bei jener Neustrukturierung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Claudia Roth unfertig hinterlassen hat.

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