Nach plötzlichem Rücktritt  Kapitän will Ruhe in Feuerschiff-Verein bringen

| | 24.06.2025 13:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gerhard Janßen (links), langjähriger Kapitän des Museumsschiffs und Ältermann bei der Lotsenbrüderschaft Emden, ist neuer Vorsitzender des Feuerschiff-Vereins. Er hat den Rechtsanwalt Fabian á Tellinghusen als neuen stellvertretenden Vorsitzenden werben können. Beide wurden am 23. Juni 2025 gewählt. Foto: Mona Hanssen
Gerhard Janßen (links), langjähriger Kapitän des Museumsschiffs und Ältermann bei der Lotsenbrüderschaft Emden, ist neuer Vorsitzender des Feuerschiff-Vereins. Er hat den Rechtsanwalt Fabian á Tellinghusen als neuen stellvertretenden Vorsitzenden werben können. Beide wurden am 23. Juni 2025 gewählt. Foto: Mona Hanssen
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Nach gut drei Monaten hat der neue Vorstand des Emder Feuerschiff-Vereins hingeschmissen. Jetzt gab es eine Neuwahl. Wer sind die Neuen? Und wie geht es weiter?

Emden - Kapitän Gerhard Janßen will den Emder Feuerschiff-Verein wieder in ruhigere Gewässer lenken. Nach dem plötzlichen Rücktritt des erst Anfang März gewählten Vorsitzenden Patrick Hennings-Huep und seines Stellvertreters, Dr. Jan Stichtenoth, aus beruflichen Gründen war jetzt eine außerordentliche Mitgliederversammlung nötig. Die Zeit drängt: Die „Amrumbank/Deutsche Bucht“ muss zum Schiffs-Tüv, also zur Besichtigung der Berufsgenossenschaft (BG) See. Die Heizung muss repariert werden. Die „rote Lady“, wie die Vereinsmitglieder das Schiff liebevoll nennen, fordert viel.

Das Feuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“ ist ein schwimmendes Wahrzeichen und ein fester Bestandteil des Emder Delfts. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Das Feuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“ ist ein schwimmendes Wahrzeichen und ein fester Bestandteil des Emder Delfts. Foto: Klaus Ortgies/Archiv

Als der ehemalige, langjährige Vorsitzende Heinz-Günther Buß ihn angerufen hatte, um ihm von dem plötzlichen Rücktritt zu berichten, habe er lange nachgedacht, so Janßen. Denn: Der 61-Jährige ist noch voll im Beruf, war vor einigen Jahren schon mal Stellvertreter im Verein gewesen und zurückgetreten. Viel Zeit und Engagement brauche es als Vorsitzender. Die Vorstands-Posten seien eigentlich etwas für „frische Rentner mit Enthusiasmus“. Doch irgendwie konnte er sich doch für die Idee erwärmen. „Das Feuerschiff liegt mir von Anfang an am Herzen.“ Er ist in dritter Generation Seemann, Lotse in Emden seit 1999, seit rund 15 Jahren Kapitän des Feuerschiffs.

Heinz-Günther Buß war bis 2024 viele Jahre Vorsitzender des Feuerschiff-Vereins und hat maßgeblich die Sanierung der „roten Lady“ vorangetrieben. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Heinz-Günther Buß war bis 2024 viele Jahre Vorsitzender des Feuerschiff-Vereins und hat maßgeblich die Sanierung der „roten Lady“ vorangetrieben. Foto: Klaus Ortgies/Archiv

Warum wird ein Neuling Stellvertreter?

Als Stellvertreter war kurz Heinz-Günther Buß im Gespräch, der allerdings bei seinem Rücktritt verkündet hatte, endlich mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu wollen. Auch hätte ihm der Posten des 2. Vorsitzenden nicht gefallen, scherzte Buß. Gerhard Janßen hat Rechtsanwalt Fabian à Tellinghusen, der bislang kein Mitglied im Verein war, als Stellvertreter vorgeschlagen. Der 34-Jährige ist Emder, arbeitet in einer hiesigen Kanzlei und kennt sich nach eigenen Angaben mit Vereinsrecht und maritimem Wirtschaftsrecht aus. Als der Anruf von Janßen gekommen sei, habe er nicht lange gezögert, sondern sich sehr geehrt gefühlt und zugestimmt.

Der Feuerschiff-Verein betreibt auch ein Museum im Innern des Schiffes. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Der Feuerschiff-Verein betreibt auch ein Museum im Innern des Schiffes. Foto: Klaus Ortgies/Archiv

Kapitän Gerhard Janßen erklärte die Entscheidung, à Tellinghusen mit ins Boot zu holen, mit der Geschichte des Feuerschiffs. Immerhin war die „Amrumbank“ durch das unerschütterliche Engagement des damaligen Kapitäns und Lotsen Adolf Janssen und die Unterstützung von Rechtsanwalt Dr. Erich Brüggemann im Delft gelandet – trotz des großen Widerstands in der Bevölkerung. „Und heute ist das Feuerschiff ein Wahrzeichen Emdens, das es zu erhalten gilt“, so Janßen.

Was sind die nächsten Herausforderungen?

Auf die Frage, wie Janßen das zeitintensive Ehrenamt und den anspruchsvollen Beruf unter einen Hut bringen will, erklärte er, dass er schon als Kapitän des Feuerschiffs an allen Sachen beteiligt gewesen sei. Die aufwendige Grundsanierung des Feuerschiffs sei durch sein Büro gegangen. Ständig habe er auch schon vorher mit den unterschiedlichen Arbeitsgruppen des Vereins in Kontakt gestanden. Er sei in dem Bereich „eh zu Hause“, habe viele Kontakte und sei auch in der Politik gut verknüpft. Mittwoch gehen sie gemeinsam mit Buß nach Hannover zum parlamentarischen Abend, um mit der Politik zu sprechen – und direkt den Antrag auf Fördermittel für die Heizungsreparatur einzureichen.

Mit einer Enthaltung wurden Janßen und à Tellinghusen gewählt. Der Rest des Vorstands – Onno Hinrichs (Schatzmeister), Elke Jürgens (Schriftführerin) und Angelika Heyken – bleibt im Amt. Ein Novum: Alle sind noch berufstätig. Gerhard Janßen erklärte, was jetzt ansteht: zum einen die BG-Besichtigung. Das Feuerschiff soll voraussichtlich in zweieinhalb Monaten ins Trockendock von N-Ports. Der genaue Zeitpunkt sei auch davon abhängig, wann das Schleusentor der Großen Seeschleuse, das derzeit saniert wird, wieder das Dock verlässt. Dann gehe er davon aus, dass beim Feuerschiff nach der Trockenlegung nichts Überraschendes gefunden werde und es innerhalb weniger Tage wieder in den Delft zurückkehren kann. Die für Anfang September geplante Ausfahrt werde stattfinden können, ist er sich sicher.

Janßen will endlich Ruhe in den Verein bringen – und zum „gemeinsamen Erlebnis zurückkehren“. Zuletzt habe es verstärkt Grüppchenbildung und „Gegrummel“ gegeben. Einige Mitglieder fühlten sich nicht mitgenommen, kritisierten bei der Versammlung fehlende Transparenz. Auch will Janßen sich mit dem Vorstand intensiv an das Thema Nachwuchsgewinnung setzen. Der Verein sei „absolut gesund“, das Durchschnittsalter der Mitglieder aber recht hoch.

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