Osnabrück  Jobs gefährdet? So verändert KI die Arbeitswelt

Marcel Bechtel, Matti Gerstenlauer
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Von Marcel Bechtel, Matti Gerstenlauer
| 29.06.2025 06:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Gute Aussichten für Dachdecker: Sie müssen sich wohl vorerst keine Sorgen um KI machen. Foto: picture alliance / dpa | Michael Reichel
Gute Aussichten für Dachdecker: Sie müssen sich wohl vorerst keine Sorgen um KI machen. Foto: picture alliance / dpa | Michael Reichel
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KI ist aus unseren Leben kaum mehr wegzudenken und trotzdem für viele Menschen ein Angst-Thema. Auch weil viele Arbeitnehmer befürchten, dass KI ihnen die Jobs klauen könnte. KI-Experte Kai-Uwe Kühnberger erklärt, wie sich die Arbeitswelt verändern wird.

KI entwickelt sich schnell und nimmt dabei auch Einfluss auf die Arbeitswelt. Zwar sind nicht alle Branchen gleich stark betroffen, dennoch prophezeit KI-Experte Kai-Uwe Kühnberger in vielen Bereichen große Veränderungen.

Ob es durch Künstliche Intelligenz zukünftig weniger Arbeit geben wird, weiß Kühnberger nicht. „Ich sage nur, dass in gewissen Bereichen eine Reduktion von Beschäftigung zumindest relativ wahrscheinlich ist“, erklärt er.

Vor allem bei „wissensintensiven Berufen“ erwartet er „dramatische Veränderungen“. Darunter fallen beispielsweise Beratungsdienstleistungen wie Steuer- und Unternehmensberatung oder Wirtschaftsprüfung. Leichte bis mittlere Aufgaben in der Wirtschaftsprüfung können KI-Modelle nämlich bereits problemlos lösen.

Im Finanzbereich sorge die Digitalisierung bereits seit Jahren für massive Veränderungen. In solchen Branchen sorge KI dafür, dass es zu einem „Ausdünnungseffekt“ käme – sprich, man brauche weniger Mitarbeiter für bessere Ergebnisse.

Aber auch kreative Berufe würden sich durch KI verändern. „Beim Design wird es sich, glaube ich, am ehesten durchsetzen […]. Meiner Meinung nach wird man da ganz massiv auf generative KI zurückgreifen“, vermutet Kühnberger. In anderen Bereichen wie der bildenden Kunst, Musik oder in Filmen rechnet er mit einem langsameren Wandel – auch wegen der Abwehrhaltung in den Branchen, wie man beispielsweise an dem Streik in Hollywood vor anderthalb Jahren sehen konnte.

Handwerker müssten sich laut dem KI-Experten keine Sorgen um ihre Jobs machen. Während KI bei wissensbasierten Aufgaben große Fortschritte macht, ist sie bei körperlichen und motorischen Arbeiten weniger weit entwickelt. Komplexe Handlungen wie das Decken eines Daches überfordern die Robotik weiterhin.

Historisch gesehen haben technische Neuerungen laut Kühnberger nie zu einem Mangel an Arbeit geführt. Die Hoffnung bestünde also, dass auch KI nicht dafür sorgen werde. Außerdem würden auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen. Es müsse nämlich immer noch Menschen geben, die die Arbeit der KI überwachen. Dennoch: „Wenn es große Umbrüche gibt, dann verändert sich viel. Und da gibt es sicherlich auch viele Menschen, die vielleicht auf der Verliererseite sind. Das ist ja völlig logisch“, erklärt der Experte.

Um mit KI-Entwicklungen schritthalten zu können, müsse das Bildungssystem flexibler werden, sagt Kühnberger. Der Bildungsweg dürfe nicht nach der Ausbildung oder dem Studium enden. Es müsse mehr Angebote geben, die ein lebenslanges Lernen ermöglichen – und diese Angebote müssten niedrigschwellig und in den Berufsalltag integrierbar sein.

Dabei sei es egal, ob es sich um kleinere Zertifikate handele, um Wochenendseminare oder einen Doktortitel mit 50. Auch die Universitäten und Hochschule sieht Kühnberger in der Pflicht. Sie müssten Angebote entwickeln, die nicht nur für 18- oder 19-jährige Schulabgänger konzipiert sind. Zwar gäbe es bereits Ansätze für Erwachsenenbildung, diese müssten aber professionalisiert werden.

Im Allgemeinen sieht Kühnberger KI als Chance an, auch wenn es diverse Risiken gäbe. Aber: „Selbst wenn man das Risiko höher bewerten würde, könnte man es eh nicht aufhalten. Man muss damit umgehen“, sagt er.

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