Osnabrück  Sonst droht Stillstand: Warum Deutschland auf ausländische Fachkräfte angewiesen ist

Janna Wien
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Von Janna Wien
| 01.07.2025 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fachkräftemangel ist ein zunehmendes Problem in Deutschland. Foto: IMAGO/Markus Matzel
Fachkräftemangel ist ein zunehmendes Problem in Deutschland. Foto: IMAGO/Markus Matzel
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Deutschland steht vor einem erheblichen Fachkräftemangel. Ist Migration die Lösung, um dem entgegenzusteuern? Dr. Susanne Schultz von der Bertelsmann Stiftung klärt auf.

Deutschland erlebt einen enormen demografischen Wandel, der sich immer stärker auf die Arbeitswelt auswirkt. Dazu gibt es verschiedene Prognosen: Laut der Studie „Zuwanderung und Arbeitsmarkt“ der Bertelsmann Stiftung würde die Erwerbsbevölkerung Deutschlands ohne Zuwanderung bis 2040 um 10 Prozent zurückgehen und bis 2060 sogar um 20 Prozent. Bis 2060 würden damit etwa 11,3 Millionen Arbeitskräfte fehlen.

Besonders soziale Berufe wie die Pflege, aber auch das Handwerk sind betroffen – Berufe, die bereits heute unter Engpässen leiden. Migrationsexpertin Dr. Susanne Schultz betonte im Gespräch mit unserer Redaktion, wie wichtig ausländische Fachkräfte für Deutschland sind, um gegen den Fachkräftemangel anzugehen. Denn ohne Zuwanderung könne das nicht klappen – und ohne die ausländischen Fach- oder Arbeitskräfte, die bereits in Deutschland sind, sowieso nicht.

Hinsichtlich der Integration dieser Migranten gibt es allerdings einige Herausforderungen: Die dringlichste ist laut Schultz die Wohnsituation. Ohne ausreichenden Wohnraum werde es schwierig, Fachkräfte effektiv zu integrieren. Oft seien sie dabei auf die Unterstützung durch Unternehmen angewiesen: Während Großunternehmen oft in der Lage sind, Unterstützung zu bieten, fehlt es kleineren Arbeitgebern jedoch häufig an den notwendigen Ressourcen und Kenntnissen.

Eine weitere Hürde ist die Sprachbarriere: Obwohl mittlerweile weniger Sprachkenntnisse bei der Einreise vorausgesetzt werden und stattdessen „on the job“ erlernt werden können, wird die tatsächliche Umsetzung infrage gestellt. Schultz spricht sich für eine Aufstockung von Integrations- und Sprachkursen sowie Mentoringprogrammen aus, um Menschen beim Ankommen zu unterstützen. Denn besonders Frauen und Familiennachzüglern wird die Arbeitsmarktbeteiligung durch unzureichende Unterstützung und fehlende Zugänge erschwert.

Eine große Schwierigkeit stelle auch die allgemeine Willkommenskultur in Deutschland dar, meint Schultz. Nach letzten Studien zum Thema Rückkehr und Abwanderung verlassen viele Migranten Deutschland, weil sie sich in ihrem sozialen Umfeld nicht wohlfühlen. Es seien „alarmierende Zeichen“, dass sich die Ausreisewilligkeit stark erhöht habe, sagt Schultz. Um dem entgegenzuwirken, müssen langfristige Bleibeperspektiven geschaffen werden.

Zudem sind öffentliche Debatten über Migration häufig von Vorurteilen und Ängsten geprägt. Laut Schultz sei es beängstigend zu sehen, wie sich der Diskurs verschoben habe. Doch es gibt Wege, ihn konstruktiver zu gestalten: Die Debatte müsse vor allem versachlicht und mit Fakten gestützt werden, um die Willkommenskultur zu stärken.

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