Osnabrück Osnabrück schafft Krippenbeiträge ab – Was bringt das, wenn die Betreuung ständig ausfällt?
Osnabrücker Eltern müssen bald keine Beiträge mehr für Krippe und Hort zahlen. Grund zum Jubeln? Eher nicht. Unsere Autorin hält die Abschaffung der Beiträge für den falschen Schritt. Ein Kommentar.
Die Elternbeiträge für Krippe und Hort sollen in Osnabrück ab August 2026 größtenteils wegfallen. Die SPD hat damit nach ungewohnt heftiger Ratsdebatte ihr Ziel der gebührenfreien Bildung von Anfang an durchgesetzt, zusammen mit Linken und einem Großteil von Grünen/Volt.
Manch eine Mittelschichtsfamilie mag der Wegfall von 240 Euro Krippenbeiträgen pro Monat entlasten. Aber es gibt viel drängendere Probleme, die allen Eltern zu schaffen machen – unabhängig vom Geldbeutel.
Anfang des Jahres hat die Stadtverwaltung eine Zahl vermeldet, über die viel zu wenig gesprochen wird: 30,6 Tage fallen Fachkräfte an den städtischen Kitas im Jahresschnitt wegen Krankheit aus. Deutschlandweit sind die Zahlen ähnlich. Auf Platz eins der Krankheiten liegen Atemwegsinfekte, auf Platz zwei folgen psychische Erkrankungen.
Man könnte auch sagen: Die Arbeit in der Kita macht krank. Und genau hier liegt das Problem. Denn kranke Fachkräfte können keine Kinder mehr betreuen. Der Personalmangel tut sein Übriges.
Viele Eltern kennen es schon gar nicht mehr anders: Morgens ploppt die Kita-App auf oder die Leitung ruft an und teilt mit, dass die Kita heute ausfällt – und in den nächsten Tagen auch. Alles Alltag in Osnabrück, vor allem in der Erkältungszeit.
Nach jahrelangem Ausbau in Osnabrück gibt es zwar endlich genügend Betreuungsplätze. Aber verlässliche Betreuung? Pustekuchen.
Es gäbe einen Weg, die Belastung für die Fachkräfte zu mindern und noch dazu den Job attraktiver zu machen: kleinere Gruppen. Das fordern Fachkräfteverbände seit Jahren. Es gilt als ein Schlüssel für bessere Arbeitsbedingungen.
Die Regelgruppe für über Dreijährige ist in Niedersachsen 25 Kinder groß. Zuständig sind für sie zwei Fachkräfte. Eine dritte Kraft will das Land 2027 zwar einführen, aber das ändert nichts am Geräuschpegel in so einer großen Gruppe. Das stresst nicht nur Fachkräfte, das stresst auch die Kinder.
Es geht ja nicht nur um die knapp sieben Millionen Euro pro Jahr, die dem städtischen Haushalt durch die Abschaffung der Beiträge entgehen, sondern auch um zusätzliche Millionen für den weiteren Ausbau und Betrieb neuer Plätze. Die Verwaltung warnt, dass die jetzigen Krippen- und Hortplätze bei weitem nicht mehr ausreichen werden, wenn sie kostenlos sind.
Wenn die Mehrheitsgruppe trotz der größten städtischen Finanzkrise seit Jahrzehnten schon so viel Geld in die frühkindliche Bildung stecken will, warum wird dann nicht über echte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen gesprochen? Jeder einzelne Cent wäre besser dort investiert – und die Kinder würden auch profitieren.
Stattdessen machen SPD, Grüne und Linke den Osnabrücker Familien hier ein teures Wahlgeschenk – pünktlich zur Kommunalwahl im Herbst 2026.