Familienzentrum Aurich Gastgeber mit Herzensmoment
Sechs Gastgeberinnen und zwei Gastgeber kümmern sich im Familienzentrum an der Jahnstraße darum, dass alles läuft. Und das mit viel Herzblut, Gemeinschaft und einer Prise Humor.
Aurich - Um 9 Uhr morgens liegt das „elk un een“, die Gastronomie im Auricher Familienzentrum, noch etwas verschlafen da. Nur am großen Tisch, hinten in der Ecke herrscht schon reger Betrieb. Die Gastgeber und Gastgeberinnen des Zentrums sitzen zusammen, zumindest sechs von ihnen. Eigentlich sind sie zu acht und sie kümmern sich darum, dass sich Besucher der Einrichtung direkt wohl fühlen. „Die Gastgeber sind das erste Gesicht im Haus, dass die Besucher sehen“, sagt Familienzentrum-Chefin Tanja Munzig. Sie weiß, was sie an ihren Gastgebern hat. „Sie bringen sehr viel ein und machen ihren Job mit Liebe.“
Eingespieltes Team
Die Gastgeber sind quasi Mädchen für alles, sorgen sich um Ordnung im großen Gastraum, bestücken das Spiele- und das Bücherregal, stellen die Außenbestuhlung auf und das Sandspielzeug auf den Spielplatz. Finden Veranstaltungen statt, organisieren sie mit und auch ein Teil des umfangreichen Veranstaltungsangebotes geht auf ihre Kappe. So wie der Spieletreff von Mina Janssen. Seit fast zehn Jahren bietet die Gastgeberin diese Zusammenkunft für Spielefans donnerstagvormittags an - mit Erfolg. Was mit vier Teilnehmern begann, lockt heute beständig 15 überwiegend ältere Auricher an. Das Lieblingsspiel der Gruppe ist Rummikub, da kann es gern auch mal etwas lauter werden. „Manchmal müssen die Kollegen oben in den Büros die Türen schließen, weil wir so laut lachen“, schmunzelt Mina. Damals, 2016, sei sie eher durch Zufall zu diesem Job gekommen, erzählt sie und resümiert knapp zehn Jahre später: „Es macht mir einfach Freude, für mich ist das keine Arbeit.“
Janssens Angebot zeigt, wie unkompliziert und locker es im Familienzentrum zugeht. Wer will, schaut vorbei und spielt eine Runde mit. Wer erst einmal nur schauen möchte, kann das ebenso tun. Denn das Familienzentrum mit seinen gemütlichen Sitzecken, der Spielecke für die Kleinsten und der Kaffeemaschine steht allen offen. So leistet das Familienzentrum einen niedrigschwelligen Beitrag gegen Einsamkeit und für das soziale Miteinander. Leckeren Kaffee, den gibt es übrigens auch beim großen Frühstück, das Mina und ihre Kollegin Insa Hippen zwei Mal im Jahr anbieten. Liebevoll wird der Raum rund um ein Thema vorbereitet, und dann wird gemeinsam mit den Teilnehmern geschmaust und geschnackt, geklönt und gelacht.
Floppende Angebote und echte Evergreens
Auch Insa Hippen gehört seit den Anfängen zum Gastgeber-Team. Akribisch bereitet sie ihre Angebote vor, sei es das Sommerferienprogramm oder das Seniorencafé. Hippen arbeitet quer durch alle Altersgruppen und weiß die Freiheit, die sie im Familienzentrum hat, zu schätzen. „Man kann Dinge anbieten, die einen interessieren und seine Stärken einbringen“, sagt sie. Ihr Lieblingsprojekt ist aktuell das Gedächtnistraining, das sie mit viel Engagement vorbereitet. „Da kann ich so ein bisschen Lehrer spielen“, schmunzelt sie. Das manche Ideen auch floppen können, nimmt die Gastgeberin mit Humor. Vor Kurzem bot sie einen Treff unter dem Thema „Heiße Zeiten“ an, nahm die Wechseljahre in den Blick – sowohl mit den körperlichen als auch den persönlichen und familiären Veränderungen. Die Resonanz war gering, vier Mal bot Hippen es an. Dann legte sie das Projekt auf Eis. Wer weiß, vielleicht bietet sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut an?
Während die eine Idee auch mal floppen kann, kommen andere umso besser an. „Es gibt hier so viele Herzensmomente“, sagt Hippen. Ein „Danke“ nach einem Angebot, eine Umarmung von einem Kind nach einer gemeinsamen Bastelstunde, das alles sind der Lohn für Hippen.
Das sieht Angie Scheller genauso. Die gebürtige Berlinerin gehört seit 2017 zum Team des Familienzentrums und liebt es mit Kindern zu basteln. Spannend findet sie auch die Bürgermeistersprechstunde, die sie ein Mal im Monat betreut. Auch der Handarbeitsclub liegt in Schellers Händen und das Kaffee-Klönen. Ganz neu bietet sie bald auch eine Vorlesestunde für Ältere an.
Jeder Gastgeber bringt seine Stärken ein
Angebote machen, Organisieren, Moderieren – all das mag auch Rikus Bohlen, ebenfalls ein Gastgeber der ersten Stunde. Sein Steckenpferd ist die plattdeutsche Sprache und die spricht er seit inzwischen fast zehn Jahren im Plattdeutsch-Café. Nach seiner Frühpensionierung mit 55 Jahren hatte der Auricher eine Aufgabe gesucht und war rasch beim frisch eröffneten Familienzentrum gelandet. Gestartet mit einer kleinen Gruppe erfreute sich sein Plattdeutsch-Angebot immer größerer Beliebtheit. Mit viel Liebe zum Detail und zur Tradition bereitet der Gastgeber die Treffen vor, echt ostfriesische Teezeremonie inklusive. Doch auch die Moderation von Wahlveranstaltungen oder die Rolle des Nikolaus bei Verknobelungen liegen ihm.
Das Gastgeber-Team im Familienzentrum ist vielfältig und erhält durch eine gesunde Fluktuation des Personals immer neue Impulse. Noch recht neu im Team sind Elfriede Dirksen-Harms und Ilona Redenius. Schon nach kurzer Zeit haben sich die beiden ins Team eingefunden, man schätzt sich, geht offen miteinander um. „Wir genießen hier ein großes Vertrauen, es ist ein gutes Miteinander“, bringt es Dirksen-Harms auf den Punkt. Ein Eindruck, den Familienzentrums-Chefin Tanja Munzig nur bestätigen kann. Für sie verbinden sich im Gastgeberteam verschiedenste Talente zu einer erfolgreichen Mischung.
Das Familienzentrum Aurich
Das Familienzentrum in der Jahnstraße zentrumsnah gelegen ist seit 2015 eine Anlaufstelle für Begegnung, Beratung, Bildung und Betreuung. Menschen jeden Alters, jeder Herkunft und jeden Geschlechts sind willkommen. Das Angebot an Veranstaltungen und Gruppen, die sich im Familienzentrum treffen, ist entsprechend vielfältig. Der große Aufenthaltsraum im Erdgeschoss mit Sesseln, Spielecke, Bücher- und Spielregal sowie die Terrasse mit Blick auf den Wasserspielplatz können kostenlos genutzt werden. Speisen und Getränke können vor Ort erworben oder auch selbst mitgebracht werden. Mehr Informationen gibt es unter www.jugend-familie-aurich.de.