Niebüll  Ist es Demenz? Diese fünf Symptome könnten darauf hindeuten

Lilly Nielitz-Hart
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Von Lilly Nielitz-Hart
| 15.07.2025 15:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dr. Ludolf Matthiesen vor der „Demenzkarte“ des Kreises Nordfriesland in der Geriatrie, die den Patienten als Erinnerungshilfe dienen soll Foto: Lilly Nielitz-Hart
Dr. Ludolf Matthiesen vor der „Demenzkarte“ des Kreises Nordfriesland in der Geriatrie, die den Patienten als Erinnerungshilfe dienen soll Foto: Lilly Nielitz-Hart
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Jeder von uns vergisst mal kurzzeitig einen Namen oder einen Termin, oder ist überfordert, wenn viele Dinge gleichzeitig erledigt werden müssen. Wie erkennt man, ob hinter der Vergesslichkeit eine beginnende Demenz liegt?

Ist es nur Vergesslichkeit oder schon Demenz oder Alzheimer? Eine Frage, die sich besonders ältere Menschen besorgt stellen, wenn sie das Gefühl haben, dass das Gedächtnis nachlässt. Es gibt unterschiedliche Formen von Demenz, erklärt Dr. Ludolf Matthiesen, Ärztlicher Leiter des Geriatrischen Zentrums des Klinikums Nordfriesland und Vorsitzender der Alzheimer-Gesellschaft Nordfriesland. Bei manchen liegt eine behandelbare Krankheit zugrunde, daher ist eine frühe Diagnose sehr wichtig. Aber: Etwa 60 Prozent aller Demenzerkrankungen seien der Alzheimer-Krankheit zuzuordnen, die bisher nicht dauerhaft geheilt werden könne.

„Jeder vierte Mensch über 55 Jahren in Deutschland wird einmal an Demenz erkranken“, sagt Matthiesen. „Als Gesellschaft sind wir nicht darauf vorbereitet“, beklagt er. „Da kommt ein Tsunami auf uns zu.“ Es sei für alle Beteiligten besser, wenn die Erkrankung frühzeitig festgestellt würde. Zum einen gebe es im Frühstadium noch Hilfsangebote, die Familie könne sich auf die Situation einstellen und die nötigen rechtlichen Schritte, wie eine Patientenverfügung, könnten getroffen werden.

Zu den bekanntesten Symptomen der Demenz zählt die Vergesslichkeit. „Die Erkrankung verläuft schleichend und individuell sehr unterschiedlich“, sagt Dr. Matthiesen. Da jeder Mensch einmal etwas vergisst, würden diese Symptome oft zuerst nicht so ernst genommen. Das Tückische daran sei, dass es daher oft eine ganze Weile dauere, bis Angehörige verstünden, was vor sich gehe. Oft führe die Vergesslichkeit eines Partners erst einmal zum Streit in der Familie. Ein Warnsignal seien zum Beispiel häufige Wortfindungsprobleme, wenn einfache Dinge des Alltags nicht mehr benannt werden können. 

Auch Probleme bei gewohnten Tätigkeiten, die jemand normalerweise jeden Tag verrichtet, seien bedenklich. So könne man sich beim Kochen nicht mehr an die Zutaten für die Gerichte erinnern, oder vergesse hinterher die Herdplatte auszuschalten. Man könne Summen nicht mehr zusammenrechnen oder die Rechnung auf der Bank nicht mehr bezahlen.

Veränderungen im Verhalten und in der Persönlichkeit seien ebenfalls ein Anzeichen. „Der Mensch, den man kennt, verhält sich plötzlich anders“, sagt Matthiesen. Männer neigten dabei eher dazu, plötzlich aggressiv zu reagieren, während Frauen sich in sich selbst zurückzögen und depressiv würden. Hinzu komme oft eine Vernachlässigung des eigenen Aussehens und der Körperhygiene.

Auffällig ist auch plötzliches soziales Desinteresse. Wenn jemand nicht mehr zur gewohnten Skatrunde geht, das Haus nicht mehr verlassen möchte, sei dies ein Hinweis darauf, dass er mit den Abläufen außerhalb der gewohnten Umgebung nicht mehr zurechtkommt. Die räumliche und zeitliche Orientierung funktioniere nicht mehr. „Jemand kann vor Ihnen sitzen und gesund und fit wirken, aber er kann die Uhr nicht mehr lesen“, beschreibt Dr. Matthiesen. Wenn jemand auf der Straße unterwegs sei, wüßte er plötzlich nicht mehr, wo er sich befindet. 

Im späteren Verlauf der Krankheit kämen Wahnvorstellungen hinzu, was bei einigen Erkrankten zu erhöhter Aggressivität und sogar tätlichen Angriffen führt.

„Mit Logik kann man die Erkrankten nicht mehr erreichen, sondern nur noch emotional“, sagt Matthiesen. So helfe es, wenn man die Erkrankten in den Arm nehme oder streichele, auch Demenz-Tanzgruppen seien therapeutisch hilfreich. Wie Matthiesen erklärt, fehle es bisher jedoch bisher an Therapieansätzen und wirksamen Medikamenten. Vor allem eine Bündelung der bereits vorhandenen Dienste wäre seiner Meinung nach sinnvoll. Die erste Anlaufstelle sei immer der Hausarzt, auch die Alzheimer Gesellschaft bietet Hilfsangebote an. Übrigens: Wenn jemand in die Geriatrie im Klinikum eingeliefert wird, egal mit welcher Krankheit, wird automatisch ein Demenztest gemacht.

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