Zahnärztemangel droht Warum die neue Praxis in Westrhauderfehn so wichtig ist
Die zahnärztliche Versorgung in der Region steht vor großen Herausforderungen. Viele Praxen werden bald altersbedingt geschlossen. Für junge Zahnärzte ist der Schritt in die Selbstständigkeit schwer.
Rhauderfehn/Region - In Ostfriesland steht die zahnärztliche Versorgung vor einem Generationswechsel: Fast ein Drittel der Zahnärztinnen und Zahnärzte in der Region ist bereits älter als 60 Jahre. Der Bedarf an Nachwuchs ist groß, denn in den nächsten Jahren werden viele Praxen altersbedingt schließen. Vor diesem Hintergrund ist die geplante Eröffnung der neuen Praxis „Fehntjer Zahnarzt“ in Westrhauderfehn ein wichtiges Signal. Die 38-jährige Zahnärztin Wiebke Würdemann-Arndt wagt im Herbst 2025 den Schritt in die Selbstständigkeit – und erhält dafür ausdrücklich Unterstützung von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KZVN). „Wir bewerten es positiv, wenn Neugründungen oder Praxisübernahmen insbesondere in Regionen erfolgen, in denen der Versorgungsgrad unter 100 Prozent liegt“, erklärt Dr. Michael Loewener, Pressesprecher der KZVN. Der KZVN obliegt die Sicherstellung der zahnärztlichen Versorgung in Niedersachsen.
Neue Praxisgründungen dringend benötigt
Für eine bedarfsgerechte zahnärztliche Versorgung werden 1.680 Patienten pro Zahnarzt bzw. Zahnärztin zugrunde gelegt. Im Landkreis Leer liegt der Versorgungsgrad aktuell bei 95,34 Prozent – das heißt, auf einen Zahnarzt kommen rechnerisch rund 1.760 Patienten. In den benachbarten Planungsbereichen Papenburg (87 Prozent) und Cloppenburg (84,57 Prozent) ist die Versorgungslage sogar noch angespannter. In den Städten selbst ist die Situation meist besser: So liegt der Versorgungsgrad in Leer bei 106,16 Prozent, in Papenburg bei 105,10 Prozent und in Cloppenburg bei 121,25 Prozent.
Demografischer Wandel als Herausforderung
Die KZVN sieht die zahnärztliche Versorgung im ländlichen Raum vor großen Herausforderungen. „Mit Blick auf die geburtenstarke Generation der Babyboomer, die sich dem Ruhestand nähert, könnte es in den drei Planungsbereichen Leer, Papenburg und Cloppenburg bis 2030 zu einem Rückgang der Praxisstandorte um etwa 30 Prozent kommen, sofern es keine Neuzugänge gibt“, so Dr. Loewener. Wie das deutsche Gesundheitswesen insgesamt steht auch die vertragszahnärztliche Versorgung vor einer demografischen Herausforderung, so der Pressesprecher. In den kommenden Jahren werden viele Beschäftigte in den zahnärztlichen Praxen altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden. Bei einer demografiebedingt sinkenden Gesamtzahl der Praxen beobachtete die Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) bundesweit einen Anstieg der durchschnittlichen Praxisgröße sowie eine Konzentration auf weniger Praxisstandorte. „In Niedersachsen sehen wir gegenwärtig eine jährliche Abnahme von rund 80 Praxisstandorten – insbesondere in ländlichen Bereichen“, so Loewener.
Hürden für junge Zahnärzte
Die Gründe für die sinkende Zahl an Praxen sind vielfältig. „Es sind die Rahmenbedingungen wie beispielsweise wechselnde gesundheitspolitische Eingriffe und Regelungen sowie die überbordenden bürokratischen Auflagen, die eher ein Hemmnis für niederlassungswillige junge Zahnärztinnen und Zahnärzte darstellen“, so Loewener. „Die Gründung einer Zahnarztpraxis ist mit Investitionen von mehr als einer halben Million Euro verbunden. Für eine langfristige Refinanzierung braucht es Planungssicherheit“, betont Dr. Loewener. Die Budgetierung der Honorare – auch die teilweise Nichtbezahlung bereits erbrachter Leistungen durch die Krankenkassen – sei ein weiteres ernstzunehmendes Hindernis.
Um die Versorgung zu sichern, hat das KZVN ein eigenes Team für Versorgungsforschung und -förderung eingerichtet. Dieses sucht gemeinsam mit betroffenen Gemeinden nach Lösungen.