Zum Tod von Bettina Hoppe Trauer um Gründerin der „Omas gegen rechts“ in Aurich
Sie war die treibende Kraft, als sich im März 2024 in Aurich eine Gruppe der „Omas gegen rechts“ gründete. Zu diesem Zeitpunkt wusste Bettina Hoppe schon von ihrer tödlichen Krankheit.
Aurich - Die „Omas gegen rechts“ waren Bettina Hoppe eine Herzensangelegenheit. Noch am 19. Juni 2025, knapp vier Wochen vor ihrem Tod, feierte sie mit ihnen das Demokratiefest in Aurich. Dabei wurde in der Norderstraße eine Bank mit der Aufschrift „Kein Platz für Rassismus“ offiziell in Betrieb genommen. Bettina Hoppe nahm als eine der Ersten Platz, bekleidet mit einer Weste mit „Omas gegen rechts“-Logo, und erklärte das Besondere an der Bank: Das Sitzmöbel hat eine Rückenlehne für vier Personen, jedoch nur eine Sitzfläche für drei. Über dem fehlenden Sitzplatz steht die Inschrift „Kein Platz für Rassismus“.
Die Sozialpädagogin, die aus Radebeul in Sachsen stammt, war treibende Kraft und Ideengeberin, als sich im März 2024 in Aurich die „Omas gegen rechts“ gründeten. Zu diesem Zeitpunkt war sie schon schwer krebskrank und wusste nicht, wie viel Lebenszeit ihr noch bleiben würde. Fest stand für sie nur, dass sie diese Zeit nutzen wollte. „Sie wollte sich nicht irgendwann sagen lassen, sie hätte nichts getan“, sagt ihre Freundin, Nachbarin und „Mit-Oma“ Margret Tobiassen. Hoppe habe dafür stehen wollen, sich gegen die Zerstörung der Demokratie zu stemmen. „Das war ihr Motor.“
„Wir sehen unsere Demokratie einfach in Gefahr“
Auslöser für die Gründung, so berichtet es Tobiassen, sei die große Demo gegen Rechtsextremismus im Januar 2024 in Berlin und Potsdam gewesen. Nach der Aufdeckung eines Treffens hochrangiger AfD-Politiker mit Rechtsextremen hatten Tausende Menschen für den Erhalt der Demokratie demonstriert. Zu der Kundgebung am Brandenburger Tor versammelten sich laut Veranstaltern und Polizei 25.000 Menschen.
Hoppe habe damals den Impuls gehabt, auch in Aurich etwas auf die Beine zu stellen, und habe sie und viele andere gleich angesteckt, sagt Tobiassen. „Da waren alle sofort mit im Boot.“ Hoppe selbst sagte im Februar 2024, kurz vorm offiziellen Gründungstreffen der Auricher Omas: „Wir sehen unsere Demokratie einfach in Gefahr. Wenn ich daran denke, dass unsere Enkelkinder sie vielleicht gar nicht mehr erleben dürfen, wird mir komisch.“
Mit Herzblut bei der Lebenshilfe engagiert
„Wir haben uns alle gewundert, dass sie das noch so schafft“, sagt Tobiassen rückblickend. Hoppe habe aber auch viel Unterstützung bekommen, vor allem von ihrem Ehemann. Zu ihren Stärken habe Einfühlungsvermögen gehört. Sie sei auf die Menschen zugegangen und habe wirklich zugehört. „Das war ein großes Geschenk.“ Diese Offenheit habe sie auch in ihrem beruflichen Engagement ausgezeichnet. Die Auricherin war bei der Lebenshilfe beschäftigt. Sie leitete unter anderem die Heilpädagogische Frühförderstelle „Mopäd“. Sie sei immer mit Herzblut für die Kinder da gewesen, sagt Tobiassen. „Ich habe das bewundert.“
In einem Nachruf der Lebenshilfe-Einrichtungen im Landkreis Aurich (Leila) heißt es: „Den Grundsatz, dass Teilhabe für jeden Menschen in jeder Situation gilt, hat sie auch eindrucksvoll während ihrer Krankheit gelebt und erlebbar gemacht.“ In einem Nachruf der „Omas gegen rechts“ heißt es: „Unsere Ur-OMA ist nicht mehr da.“
„Omas gegen rechts“ in Aurich machen weiter
Auch wenn nun die Initiatorin fehlt: Die „Omas gegen rechts“ in Aurich werden weitermachen, das steht für Margret Tobiassen fest. Jedem einzelnen Mitglied der Gruppe werde Respekt und Wertschätzung entgegengebracht. „Man nimmt alle so, wie sie sind.“ So, wie auch die Ideengeberin es stets getan habe.
Mitte Juli 2025 ist Bettina Hoppe im Alter von 61 Jahren gestorben. Sie hinterlässt ihren Ehemann, vier erwachsene Kinder und zwei Enkel. Die Trauerfeier mit Urnenbeisetzung ist am Sonnabend, 16. August 2025, um 13 Uhr im Begräbniswald Waldfrieden in Lütetsburg.