Berlin Grafik zeigt: So viele Ausländer in Deutschland sind ausreisepflichtig
Die Schwarz-Rote-Koalition will eine härtere Gangart in der Asylpolitik. Vor allem konsequentere Abschiebungen hat die Regierung versprochen. Aber wie viele in Deutschland lebende Ausländer sind tatsächlich ausreisepflichtig? Die Zahlen.
Die Zahl der ausreisepflichtigen Ausländer in Deutschland ist im Jahr 2024 erneut zurückgegangen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage mehrerer Abgeordneter der Partei Die Linke hervor. Laut Daten des Bundesinnenministeriums hielten sich zum Stichtag 31. Dezember 2024 rund 220.800 Personen ohne entsprechenden Aufenthaltstitel in Deutschland auf. Das entspricht einem Rückgang um über 80.000 gegenüber dem Rekordwert aus dem Jahr 2022. Damit liegt die Zahl auf dem niedrigsten Stand seit 2016.
Diese Statista-Grafik zeigt die Anzahl der geduldeten und ausreisepflichtigen Ausländer in Deutschland:
Besonders auffällig ist der Rückgang bei den sogenannten „Geduldeten“, also Personen, deren Abschiebung vorübergehend ausgesetzt ist. Ihre Zahl sank von rund 248.000 im Jahr 2022 auf 178.500 im Jahr 2024. Auch die Zahl der unmittelbar ausreisepflichtigen Personen ohne Duldung ging zurück – von 56.000 auf 42.000.
Demgegenüber steht eine steigende Anzahl von Abschiebungen. Im Gesamtjahr 2024 wurden etwa 20.000 Personen aus Deutschland abgeschoben, 2023 waren es noch rund 16.500 Abschiebungen. Für 2025 deutet sich mit 6151 Abschiebungen in den ersten drei Monaten bereits ein neuer Peak an.
Die meisten Abschiebungen erfolgten im ersten Quartal 2025 in die Türkei (502), dann nach Georgien (454), Frankreich (333), Spanien (325) und Serbien (291).
Vor allem die Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien sind zuletzt wieder zu einem Politikum geworden.
Syrien zählt seit Jahren zu den wichtigsten Herkunftsländern von Menschen, die Schutz in Deutschland suchen. Laut dem Statistischen Bundesamt lebten zum Stichtag 31. Dezember 2024 rund 975.000 Syrer in Deutschland. Davon verfügten knapp 700.000 über einen befristeten Aufenthaltstitel, der überwiegend aus völkerrechtlichen, humanitären oder politischen Gründen erteilt wurde. Das zeigt eine Statista-Grafik auf Grundlage der Zahlen von Statistischen Bundesamt. Etwa 98.000 sind aus familiären Gründen in der Bundesrepublik, fast 6900 arbeiten hier oder machen eine Ausbildung. Weitere rund 71.000 haben einen unbefristeten Aufenthaltstitel.
Rund 40.000 Personen hielten sich ohne Aufenthaltstitel, Duldung oder Aufenthaltsgestattung im Land auf – gelten also als tatsächlich ausreisepflichtig.
Als erstes EU-Land hatte Österreich kürzlich einen Straftäter nach Syrien abgeschoben. Der Mann sei mit einem Linienflug aus Wien mit einem Zwischenstopp in Istanbul in die syrische Hauptstadt Damaskus gebracht worden, hieß es Anfang Juli aus dem Innenministerium.
Deutschland schiebt aufgrund der Sicherheitslage im Land aktuell nicht nach Syrien ab. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat sich aber zum Ziel gesetzt, Abschiebungen nach Syrien wieder möglich zu machen. Und auch Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat sich offen dafür gezeigt, straffällig gewordene Syrer in ihr Herkunftsland abzuschieben.
Im Fall von Afghanistan ist man bereits einen Schritt weiter: Zum zweiten Mal seit der Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 ist vor wenigen Tagen wieder ein Flieger nach Afghanistan gestartet. 81 Menschen waren an Bord. Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt handelte es sich dabei um „schwere und schwerste Straftäter“.
Diese Statista-Grafik zeigt, wie viele Menschen in den vergangenen zehn Jahren nach Afghanistan abgeschoben wurden: