Wohnen in Ostfriesland Vier Zimmer, Küche, Werder-Zimmer – das Emder Fußballhaus
Tina Koenen und Eike Höcker haben sich in Emden ihr klimafreundliches Traumhaus gebaut. Eine der Besonderheiten: ein Fußballzimmer samt Tribüne mit Originalsitzen aus dem Weserstadion in Bremen.
Emden - Das Haus von Tina Koenen und Eike Höcker liegt recht unscheinbar in zweiter Reihe und ist von schönen, alten Bäumen umgeben. Das Ehepaar hat sich im Emder Herrentorviertel seinen Wohntraum verwirklicht und ein Eigenheim geschaffen, das nicht nur die Herzen von Architekten und Bauprofis höherschlagen lässt. Auf dem Flachdach weht eine grün-weiße Fahne. Hier wohnen Fans des SV Werder Bremen.
Tina Koenen öffnet die Tür und führt in den offenen Wohnbereich mit Küche und Esstisch. Hier trifft helles und natürliches Holz auf Betonboden und kräftige, dunkle Farben. Durch die großen Fenster fällt warmes, natürliches Licht in den Raum. Obwohl das Grundstück mitten in der Stadt liegt, schaut man ins Grüne.
Offener Wohn- und Essbereich
Der Wohnbereich ist durch ein offenes Regal von der Küche getrennt. Darin steht neben Teetassen, Kochbüchern, Gläsern und einem Strauß frischer Schnittblumen ein großes Lego-Modell der „Titanic“. Im großen Regal gegenüber stehen unzählige Bücher. Am Esstisch kann man entweder auf einer gemütlichen Bank oder auf einem grünen beziehungsweise weißen Stuhl Platz nehmen. Auf den zweiten Blick erkennt man: Es sind alte Stadionsitze mit Holzbeinen. Obwohl die Bauingenieurin und der Lehrer erst im Dezember 2024 eingezogen sind, ist es sehr gemütlich und wohnlich.
Überall finden sich Hinweise darauf, dass hier Fußball-Fans wohnen. Da wäre der „100 % Werder“-Magnet an der Magnet-Leiste oder eine leere Sektflasche mit Werder-W, die zwischen Nutella, Honig und Marmelade ihren Platz gefunden hat. Der Boden im Gäste-WC besteht aus alten Kronkorken, die mit Epoxid-Harz aufgegossen wurden. Eigentlich sollten auch die Kronkorken das Werder-Logo darstellen, aber das ließ sich dann doch nicht umsetzen. Schlaf- und Gästezimmer sowie das Badezimmer im Erdgeschoss sind klein, aber fein und genauso geschmackvoll eingerichtet wie der Wohnbereich.
Lieblingsraum: Fußballzimmer im Obergeschoss
„Wir haben das Haus so konzipiert, dass wir auch nur unten leben könnten“, sagt Tina Koenen. Die 51-Jährige arbeitet bei einer Firma in Pewsum, die sich auf Häuser in Holzrahmenbauweise spezialisiert hat. Somit brachte sie viele Ideen und auch das nötige Know-how für das Bauprojekt mit. Das Obergeschoss lässt sich, wenn nötig, zu einer separaten Wohnung ausbauen. Alle Anschlüsse sowie ein weiteres Badezimmer sind bereits vorhanden.
Aktuell befindet sich dort, wo im Obergeschoss später ein Schlafzimmer sein könnte, neben einem Arbeitszimmer aber ihr Lieblingsraum: das Fußballzimmer. Hier hat sich das Ehepaar eine kleine Tribüne mit Originalsitzen aus dem Weserstadion in Bremen und dem Ruhrstadion in Bochum gebaut. „Wir haben Dauerkarten für Bremen und Kickers“, sagt Tina Koenen. „Und Eike hat außerdem eine Dauerkarte für den VfL Bochum.“ Das erklärt die blauen Sitze. Im ganzen Raum finden sich viele Fanartikel, etwa Poster, Fotos, Werder-Gartenzwerge, Lampen, die so aussehen wie die echten Flutlichter aus Bremen und Bochum, Schals, Menükarten aus dem Werder-VIP-Bereich und jede Menge Sticker.
Nach dem Spiel gibt‘s Bier auf der Dachterrasse
Bis zu neun Personen können auf der Tribüne Platz nehmen. „Wir hatten erst überlegt, ob uns ein Sofa reicht, aber da können nicht so viele Leute drauf sitzen“, sagt Tina Koenen. Die Sitzschalen konnten sie als Dauerkarten-Inhaber kaufen, als das Stadion umgestaltet worden war. Gemeinsam mit einem Tischler haben sie die Tribüne dann nach ihren Vorstellungen gestaltet und so gleichzeitig auch Stauraum geschaffen.
Über eine Flügeltür kann man aus dem Fußballzimmer auf die große Dachterrasse gehen, auf der man nach dem Spiel dann gemütlich ein Bier trinken oder grillen kann. Auch im Badezimmer nebenan fühlen sich Fußball-Fans wohl: An der Wand hängen alte Fußball-Poster, und im Pissoir können Männer beim Pinkeln auf ein Tor zielen.
Im Fußballstadion ineinander verliebt
Ihre Liebe zum Fußball begleitet die beiden schon ewig. „Ich war schon immer Werder-Fan“, sagt Tina Koenen. Ähnlich gehe es ihrem Mann Eike Höcker. Die 51-Jährige und der 38-Jährige sind seit neun Jahren ein Paar. Kennengelernt hatten sie sich über eine gemeinsame Freundin, mit der Tina Koenen joggen ging. „Sie fragte dann, ob Eike auch mal mitkommen darf.“ Das durfte er. Wenig später hatte Tina Koenen dann ein VIP-Ticket für ein Werder-Spiel übrig und fragte ihn, ob er nicht mitkommen wolle. Das wollte er und die beiden verliebten sich ineinander. Werder gewann an diesem Tag 1:0.
Neben dem Fußballzimmer war es den beiden besonders wichtig, ihr Haus so klimafreundlich wie möglich zu bauen und dabei möglichst nachhaltige Materialien zu verwenden. Das Haus wurde in Holzrahmenbauweise gebaut, sodass der Rohbau im Mai 2024 innerhalb nur einer Woche stand. An der Fassade wurden Steine von 1780 verbaut, wodurch fünf Tonnen CO2 eingespart werden konnten. Die Fassade im Obergeschoss wurde mit Holz eingekleidet, das in einem besonderen Verfahren aufbereitet und so besonders langlebig sein soll. Des Weiteren wurden eine Photovoltaik-Anlage, eine Wärmepumpe sowie eine Regenwasserzisterne für die Gartenbewässerung verbaut.
Bei dem Bauprozess haben sich Tina Koenen und Eike Höcker von einem Kamerateam des NDR begleiten lassen. „Das Fußballhaus“ aus der Reihe „Traumhäuser im Norden“ wird am Montag, 28. Juli 2025, um 21 Uhr ausgestrahlt. Wiederholungen laufen am Mittwoch, 30. Juli 2025, von 6.45 bis 7.30 Uhr sowie am Donnerstag, 31. Juli 2025, von 0.45 bis 1.30 Uhr.