Kiel Glycerin im Slushy: Erfrischungsgetränk kann Kinder krank machen
Das Bundesamt für Risikobewertung warnt vor dem Zusatzstoff E 422 in Slush-Eis: Hohe Konzentrationen des Glycerins können bei Kindern bereits nach einer Portion gesundheitliche Probleme bis zum Kollaps verursachen.
Sie gehören zu den beliebten Naschereien im Sommer. Gerade Kinder steuern gern die großen Behälter mit den bonbonfarbenen Erfrischungsgetränken an: In Slush-Maschinen werden süße, fruchtige Sirups mit zerstoßenem Eis aufbereitet.
Kommt nach dem Genuss der auch „Slushy“ genannten Getränke Übelkeit auf, kann das an dem hohen Zuckergehalt liegen. Eine weitere Ursache könnte ein Lebensmittel-Zusatzstoff sein, vor dem das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) warnt, und der zum Teil in dem knallbunten Mix enthalten ist. Glycerin kann bei Überdosierung gesundheitsschädlich wirken und zu weiteren Nebenwirkungen führen wie Erbrechen, Kopfschmerzen, Durchfall oder Benommenheit.
Die Empfehlung des BfR: auf Slush-Eis-Getränke zu verzichten. Das gilt vor allem für Kinder.
Glycerin ist ein Alkohol, geschmacks- sowie farblos. Verwendet wird es unter anderem als Süßungs-, Feuchthalte- und Lösungsmittel sowie als Haftverbesserer und Weichmacher. Es kommt auch in Überzügen wie aus Gelatine vor und ist Träger und Lösungsvermittler, unter anderem für Aromen oder Farbstoffe. Als Zusatzstoff gelistet ist es unter der Nummer E 422. Glycerin ist zudem natürlicher Bestandteil von Fetten und Ölen.
Als Zusatzstoff soll es laut dem Verbraucherservice Bayern in den Sirup-Eis-Mischungen für eine geschmeidige Konsistenz sorgen, ohne dass das Getränk komplett gefriert.
Ein Problem ist: Für E 422 wurde keine zulässige tägliche Aufnahmemenge festgelegt. Das BfR geht davon aus, dass eine gesundheitlich bedenkliche Grenze bei der Menge von 250 Milligramm pro Kilo Körpergewicht erreicht wird. Dies entspricht der geringsten Dosis bei der therapeutischen Anwendung in der Medizin.
Dem gegenüber stehen besorgniserregende Messergebnisse des BfR, das 62 Slush-Eis-Proben getestet hat. Nur bei einem Drittel der Proben wurde kein Glycerin gefunden, bei fast der Hälfte (48 Prozent) dagegen mehr als 25 Gramm Glycerin pro Liter. Der mittlere Wert aller Ergebnisse insgesamt liegt bei etwas über 26 Gramm.
Kinder erreichen die kritische Mindestmenge durch ihr geringeres Körpergewicht früher. Trinkt ein fünfjähriges Kind, das 20 Kilogramm wiegt, 191 Milliliter von dem Slush-Eis mit 26 Gramm Glycerin pro Liter, ist die medizinische Dosis erreicht. Das entspricht ungefähr einer Portion. Bei jüngeren Kindern reichen geringere Mengen.
Das BfR arbeitet hier ausdrücklich mit der Annahme, dass auch bei gesunden Kindern der Hirndruck durch die Aufnahme von Glycerin vermindert werden könnte. Dazu gebe es keine Daten.
Die Stiftung Warentest erwähnt jedoch eine britische Studie zu 21 Fällen aus den vergangenen sieben Jahren, wo Kinder nach dem Verzehr von Slush-Getränken notfallmedizinisch betreut werden mussten. Glycerinhaltige Slushies würden dort seit zwei Jahren mit einem Warnhinweis gekennzeichnet.
Symptome von vermindertem Hirndruck sind laut BfR:
Der Verbraucherservice Bayern sieht ebenso die in Slush-Eis enthaltenen Farbstoffe kritisch, darunter die Azofarbstoffe Tartrazin (E102), Allurarot (E129) oder Gelborange S (E110). Weil sie im Verdacht stehen, Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen bei Kindern zu fördern, sei hier die Kennzeichnung „kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ erforderlich.
Die Stiftung Warentest empfiehlt Eltern, lieber ein gutes Fruchteis zu kaufen oder selbst zu machen. Zudem sollten Verbraucher generell auf Zusatzstoffe in Lebensmitteln achten. Eine Liste mit den E-Nummern ist abrufbar beim Deutschen Lebensmittelverband.