München  Die Spiegeleier bratende Mutter der Nation: Marie-Luise Marjan wird 85

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Von afp
| 09.08.2025 09:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wird jetzt 85: Marie-Luise Marjan. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Wird jetzt 85: Marie-Luise Marjan. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
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Marie-Luise Marjan, bekannt als Mutter Beimer aus der "Lindenstraße", wird 85 Jahre alt. Die Schauspielerin prägte das Bild der TV-Mutter und reflektiert über ihre Karriere und persönliche Geschichte.

Wie sich der Gemütszustand einer Mutter der Nation zeigt, weiß Marie-Luise Marjan gut - nämlich über Spiegeleier. "Mindestens 300 Eier habe ich hier reingehauen", erinnerte sich die als Mutter Beimer der "Lindenstraße" populär gewordene Schauspielerin einmal für das Haus der Geschichte in Bonn, ihre dort ausgestellte Bratpfanne aus der ARD-Serie in der Hand. "Sie hat sie nicht aus Lust gegessen, sondern aus Frust", sagte Marjan, die am Samstag 85 Jahre alt wird, über ihre wichtigste Rolle.

Marjan schien Zeit ihres Lebens auf Mutterrollen abonniert, womöglich wegen ihrer herzlichen Art, in der immer auch Platz für Sorge oder Kummer war. Insgesamt 25 Mal gaben ihr Regisseure die Rolle der Mutter - die wichtigste war die der Helga Beimer, die ihr nach Inge Meysel den Ruf der Mutter der Nation einbrachte.

Vermutlich auch deshalb trauerte sie der im März 2020 letztmals ausgestrahlten "Lindenstraße" noch eine ganze Zeit lang nach. Sie hätte auch ein 301. Frust-Ei in die Pfanne gehauen, wenn die Reihe nur weiter gegangen wäre, sagte sie einmal.

Aber womöglich trafen die ARD-Verantwortlichen mit dem umstrittenen Aus der Serien nach mehr als 34 Jahren doch eine kluge, weitsichtige Entscheidung. Denn populär war die Reihe zu einem großen Teil durch Marjan. Und auch an ihr geht das Alter nicht so einfach vorbei.

Vor gut einem Jahr brach Marjan sich bei einem Sturz den Oberschenkelhals, mit schwierigen Konsequenzen. "Anfangs habe ich mich gegen die Vorstellung gewehrt, einen Rollator zu benutzen", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Inzwischen habe sie sich aber dazu durchgerungen, und nicht nur das: "Ich singe inzwischen das Hohelied auf dieses wunderbare Gerät." Das ermögliche ihr, weiter ein soziales Leben zu führen.

Die Schauspielerei beendete sie aber nach der "Lindenstraße" weitgehend. Es hätte sich auch sicher keine Rolle mehr gefunden, die ihre Paraderolle hätte überstrahlen können. Als die "Lindenstraße" 1985 auf die deutschen Bildschirme kam, schien alles nach Friede, Freude, Eierkuchen auszusehen.

Helga und Hans Beimer mit ihren drei Kindern waren die Familie von nebenan, doch die Zuschauer erlebten weit über das Alltägliche hinausgehende Dramen. Untreue, Naziskandal, Scheidung, Unfalltod - bei den Beimers gab es alles. Und mittendrin ist immer Mutter Beimer.

In die Wiege gelegt wurde Marjan die Rollenzuteilung als Mutter nicht. Von ihrer eigenen Mutter wurde sie ins Waisenhaus gebracht, kaum dass sie am 9. August 1940 im Zweiten Weltkrieg in Essen zur Welt gekommen war. Bald darauf kam sie in eine Pflegefamilie in Hattingen an der Ruhr.

Dass sie ein Adoptivkind ist, erfuhr Marjan erst im Alter von 16 Jahren über eine Mitschülerin - eine schockierende Nachricht. "Jeder, der ein Erdbeben mitgemacht hat, kann nachempfinden, was in mir vorging", erinnerte sie sich später. Ihre leibliche Mutter traf sie dreimal, eine Bindung entstand nie.

Das Jugenderlebnis, spät von der Adoption erfahren zu haben, wirkte prägend. "Eine gewisse Distanz ist mir zu eigen, ich bin ein vorsichtiger Mensch." Selbst gründete sie nie eine Familie, führte aber langjährige Beziehungen.

Das Schauspiel lernte Marjan nach dem Abitur und einer Ausbildung zur Sprechstundenhilfe Ende der 50er Jahre an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg. Es folgten verschiedene Theaterengagements. Der Höhepunkt ihrer Theaterkarriere wurde das von 1967 bis 1979 dauernde Engagement am Schauspielhaus Bochum, wo Marjan in Inszenierungen von Peter Zadek, Hans Neuenfels oder Jürgen Flimm ein Publikumsliebling wurde.

Warum sie bei ihrer Familiengeschichte als Kinderlose im Fernsehen so sehr auf die Mutterrolle abonniert war, beantwortete Marjan einmal mit einer Gegenfrage: "Muss man ein Mörder sein, um einen Mörder zu spielen?" Sie habe eben sehr viel Mütterliches an sich - und habe die Rollen als Mutter immer genossen.

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