Hamburg  Rentenpunkte kaufen: Wer das machen kann, was es bringt und kostet

Tim Prahle, Eva Dorothée Schmid
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Von Tim Prahle, Eva Dorothée Schmid
| 08.08.2025 11:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Wie viel Rente Menschen im Alter bekommen, hängt direkt mit der Anzahl der Rentenpunkte zusammen. Was wenige wissen: Rentenpunkte kann man sich dazukaufen, um ohne Abschlag früher in den Ruhestand zu gehen. Lohnt sich das?

Früher in den Ruhestand gehen und trotzdem eine abschlagsfreie Rente kassieren? Das erscheint vielen Menschen unmöglich, ist aber machbar: durch den Zukauf von Rentenpunkten.

Die Anzahl der Rentenpunkte, auch Entgeltpunkte genannt, ist maßgeblich dafür, wie viel Rente es geben wird. Je nachdem, wie viel ein Beitragszahler im Jahr verdient, erhält er anteilig Rentenpunkte – die Anzahl orientiert sich am Durchschnittseinkommen, das derzeit bei 50.493 Euro jährlich liegt. Wer exakt so viel verdient, erhält pro Jahr einen Rentenpunkt.

Wer früher in Rente gehen möchte, also ehe er 45 Jahre Beiträge gezahlt hat, muss mit einer Minderung seiner Rente rechnen. Ein Jahr früher in Rente bei durchschnittlichem Gehalt bedeutet einen Rentenpunkt weniger. Ein Rentenpunkt hat derzeit einen Wert von 40,79 Euro, das ist dann auch der Betrag, um den die Rente pro Monat sinken würde.

So hoch sind die durchschnittlichen Renten nach 45 Beitragsjahren in den einzelnen Bundesländern. Foto: dpa
So hoch sind die durchschnittlichen Renten nach 45 Beitragsjahren in den einzelnen Bundesländern. Foto: dpa

Wer im Arbeitsleben aber Rentenpunkte dazukauft, kann diese Lücke schließen. Das ist auch möglich, wenn man Lücken in seiner Biografie als Beitragszahler schließen möchte.

Doch längst nicht jeder kann Rentenpunkte dazukaufen. Nach dem Sozialgesetz geht das erst ab einem Alter von 50 Jahren und unter der rechnerischen Voraussetzung, am Ende auf mindestens 35 Beitragsjahre kommen zu können.

Zudem funktioniert auch diese Sonderzahlung in die Rentenkasse nur über Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung. Dort ist die „besondere Rentenauskunft“ zu verlangen, bei der auch direkt vorgerechnet wird, wie viel Geld maximal für extra Rentenpunkte ausgegeben werden darf. Man selbst muss darin erklären, vorzeitig in Rente gehen zu wollen.

Sie dürfen nämlich nur so viele Punkte kaufen, wie Sie brauchen würden, um Rentenabschläge bei einem Rentenbeginn ab 63 vollständig auszugleichen. 

Wichtig zu wissen: Niemand muss früher in Rente gehen, nur weil er es für diese Sonderzahlung erklärt hat. So lässt sich über den Zukauf also auch die ganz normale, ohnehin abschlagsfreie Rente aufbessern.

Der Zukauf von Rentenpunkten ist allerdings teuer. Allein in diesem Jahr kostet ein einzelner Rentenpunkt rund 9392 Euro. 2024 waren es noch 8437 Euro. Da sich der Wert an den Durchschnittslöhnen orientiert, ist nahezu jährlich eine Verteuerung zu erwarten.

Warten macht’s nicht billiger: 2020 lag der Preis für einen Rentenpunkt bei 7542 Euro, Inzwischen sind es fast 2000 Euro mehr. Wer kaufen will, sollte also nicht zu lange zögern – die Kosten steigen fast jedes Jahr.

Doch lohnt sich eine solch große Investition? Kommt darauf an. Rentenpunkte gelten zumindest als sichere Investition, meist steigt ihr Wert sogar. Zudem lässt sich die hohe Investition steuerlich bis zu 100 Prozent als Altersvorsorge-Aufwendung absetzen. Doch ob man sein Geld durch die erhöhte Rente wirklich herausbekommt, hängt davon ab, wie lange man lebt und Rente bezieht.

Eine grobe Beispielspielrechnung: Wer in 2025 einmalig für 9391,70 Euro einen Rentenpunkt dazukauft und schon dieses Jahr in Rente geht, bekommt 40,79 Euro im Monat mehr, als ihm ohne den Zukauf zustehen würde. Umgerechnet hätte derjenige – sofern der Rentenpunkt im Wert nicht steigt – nach 230 Monaten, beziehungsweise rund 19 Jahren die Summe wieder raus. Stirbt man vor Renteneintritt, dann ist das Geld verloren. Rückzahlungen an die Erben sind nicht vorgesehen.

Zusätzlich muss man aber berücksichtigen, dass sich der Kauf von Rentenpunkten für Besserverdiener schon im Einzahlungsjahr durch die Steuerersparnis lohnen kann – real senken sich die Kosten (je nach Steuersatz) auf etwa 5600 bis 6500 Euro pro gekauftem Punkt. Dann würde sich der Kauf schon nach 137 bis 159 Monaten beziehungsweise elfeinhalb bis 13 Jahren lohnen.

Der Kauf von Rentenpunkten ist in erster Linie unter Sicherheitsaspekten, weniger unter Renditegesichtspunkten, interessant. Je länger Sie Rente beziehen, desto größer der finanzielle Vorteil. Im Vergleich zu risikobehafteten Anlagen bringt der Kauf von Rentenpunkten weniger Rendite, überzeugt aber durch Planbarkeit, Sozialversicherungsschutz und Steuervorteile. 

Der Kauf von Rentenpunkten rechnet sich vor allem für Menschen mit stabilem Gesundheitszustand, langem Planungshorizont – und hoher Steuerlast.

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